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Solingen
Nur gut die Hälfte macht "Turbo-Abi"

Solingen. Debatte um die Schulzeitverkürzung mit verdichtetem Lernstoff an Gymnasien. Von Günter Tewes

Die Klausuren der 893 Solinger Abiturienten sind geschrieben, jetzt stehen die mündlichen Prüfungen an. Doch die Debatte ums "Turbo-Abi" ist geblieben. Fast elf Jahre nach der Umstellung des Gymnasiums von neun auf acht Jahre ist keine Einigung zwischen Eltern, Lehrern und Schulbehörden in Sicht, zieht der Vorsitzende des Verbands Bildung und Erziehung Solingen (VBE), Jens Merten, eine ernüchternde Bilanz angesichts der Umfrage der Landeselternschaft der Gymnasien, in der sich nahezu vier von fünf Eltern für eine neunjährige Gymnasialzeit aussprechen.

"Die Überforderung der Kinder und die daraus resultierenden Sorgen der Eltern werden immer deutlicher", betonte Merten jetzt in einer Erklärung. Appell des Solinger VBE-Vorsitzenden in Richtung NRW-Landespolitik: "Wenn die sich jetzt wegduckt, wird das Thema sicherlich noch brisanter werden. Es rächt sich jetzt immer mehr, dass die G 8-Verkürzung 2005 von der schwarz-gelben Regierung umgesetzt wurde, ohne die Folgen für die Schulen wirklich zu Ende zu denken. Hier wurde Schulpolitik am Verhandlungstisch betrieben, damit die Schüler ein Jahr früher ihre Leistung in die Wirtschaft einbringen."

Jens Merten sieht darin "eine rein betriebswirtschaftliche Denkweise, deren Auswirkungen unsere Kinder nun erleiden. Wenn G 8 weiter verfolgt werden soll, müssen die Lehrpläne konsequent entrümpelt werden, damit Schüler und Lehrer endlich wieder atmen können." Der Vorsitzende des Lehrerverbandes verweist auf das Beispiel Niedersachsens, das zum G 9 zurückgekehrt ist; und in Bayern, Baden-Württemberg und Hessen verzeichnen die G 9-Gymnasien nach seinen Worten große Zustimmung.

Auch in Solingen stimmen Eltern zuweilen mit den Füßen ab, um das "Turbo-Abi" mit dem verdichteten Lernstoff an den Gymnasien zu umgehen. In den Gesamtschulen, die nach wie vor die um ein Jahr längere Unterrichtszeit bis zu Abitur anbieten, steigen die Anmeldezahlen in die Oberstufen. Ebenso an den Berufskollegs mit den noch drei Oberstufen-Jahren nach Klasse 10.

Nach wie vor stellen die vier Gymnasien mit diesmal 470 Schülern jedoch die größte Zahl der Abiturienten in der Klingenstadt, 325 sind Gesamtschüler, 98 Schüler der Berufskollegs.

Quelle: RP
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