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Solingen
Nur noch halb so viele Flüchtlinge - Stadt korrigiert Zahlen nach unten

Solingen: Nur noch halb so viele Flüchtlinge - Stadt korrigiert Zahlen nach unten
Die neue Flüchtlingsunterkunft an der Jaspersstraße in Wald ist fast fertig. Zurzeit läuft der Innenausbau. FOTO: Martin Kempner
Solingen. Zurzeit kommen pro Monat nicht mehr 200, sondern 100 Menschen. Der Bau von Unterkünften geht aber weiter - denn die Zahlen könnten schon bald wieder steigen. Von Martin Oberpriller

Noch geben Bauarbeiter den Ton an. Aber die Zeit, als Lastwagen täglich an- und abfuhren, ist vorbei. Nachdem die Außenarbeiten an der neuen Flüchtlingsunterkunft an der Jaspersstraße in Wald abgeschlossen sind, konzentrieren sich die Handwerker inzwischen auf den Innenausbau. Läuft alles nach Plan, werden die Arbeiten im Juli abgeschlossen sein, so dass ab August die ersten Flüchtlinge in das Holzhaus für 84 Bewohner einziehen können.

Und auch an anderen Orten im Stadtgebiet gehen die Baumaßnahmen zügig voran. Ebenfalls noch im Sommer werden das Holzgebäude an der Zietenstraße in Mitte, das Containerdorf an der Beethovenstraße in Merscheid sowie die Unterkunft im Roten Esel in Wald bezugsfertig sein. Insgesamt stehen dann 550 zusätzliche Plätze für Flüchtlinge zur Verfügung - wobei im Augenblick unklar ist, wann diese Kapazitäten wirklich gebraucht werden.

Weil der Zuzug nach Solingen zuletzt spürbar zurückging, hat die Stadt nun zunächst einmal ihre Prognosen nach unten korrigiert. Gingen die Verantwortlichen bislang davon aus, pro Monat 200 Flüchtlinge unterbringen zu müssen, rechnet die Verwaltung inzwischen nur noch mit monatlich 100 Neuankömmlingen in der Klingenstadt.

"Zum Stichtag 1. Mai befanden sich 1598 Flüchtlinge, deren Anerkennungsverfahren laufen, in Solingen. Und dazu kamen weitere 1076 Menschen, die bereits als Flüchtlinge oder Asylbewerber anerkannt sind", sagte gestern Nachmittag eine Sprecherin der Stadt auf Anfrage unserer Redaktion. Zum Vergleich: Im Herbst vergangenen Jahres waren die Verantwortlichen noch von fast 5000 Flüchtlingen bis Ende 2016 ausgegangen.

Dabei kann allerdings auch heute noch niemand eine seriöse Prognose abgeben, wie sich die Zahlen in Zukunft entwickeln werden. Aus diesem Grund hält die Verwaltung nach wie vor an ihrem Vorhaben fest, an der Nibelungenstraße in Gräfrath sowie an der Neuenkamper Straße in Höhscheid zusätzlich Holzhäuser in Modulbauweise zu errichten. "Diese Unterkünfte benötigen wir, da es darum geht, die zu uns geflüchteten Menschen, die der Stadt dauerhaft vom Land zugewiesen werden, vernünftig unterzubringen", sagte die Stadtsprecherin. So sei beispielsweise die Einquartierung der Männer, Frauen und Kinder in Wohnungen nicht immer eine Option.

Tatsächlich leben augenblicklich ungefähr 900 Flüchtlinge in solchen Wohnungen, die die Stadt von privaten Hausbesitzern angemietet hat. Dies führt jedoch dazu, dass das Angebot an günstigem Wohnraum in Solingen momentan eher rückläufig ist - was wiederum negative Folgen für Wohnungssuchende hat, die auf möglichst niedrige Mieten angewiesen sind.

"In diesem Bereich ist ein erhöhter Druck zu spüren", hieß es gestern vonseiten der Stadt, die einen Konkurrenzkampf zwischen der einheimischen Bevölkerung sowie den Flüchtlingen um bezahlbaren Wohnraum unter allen Umständen verhindern will - zumal angekündigte Investitionen in den sozialen Wohnungsbau frühestens im kommenden Jahr die ersten sprichwörtlichen Früchte tragen und zu einer Entspannung am Markt führen dürften.

Dagegen nimmt die Belegung der sogenannten Erstaufnahme-Einrichtungen des Landes NRW, die zu Zeiten des großen Flüchtlingsandrangs im Herbst 2015 in aller Eile hochgezogen beziehungsweise eingerichtet wurden, immer mehr ab. Zuletzt lebten im ehemaligen Finanzamt an der Goerdelerstraße in der Innenstadt sowie im Henri-Dunant-Dorf des Deutschen Roten Kreuzes in Ohligs zusammengenommen gerade noch etwas mehr als 100 Personen - Tendenz weiter fallend.

Dies ist wiederum ein deutliches Indiz dafür, dass die Zahl der neu ankommenden Flüchtlinge im Vergleich zum vergangenen Herbst und Winter deutlich nach unten gegangen ist. Eine Entwarnung will die Stadt gleichwohl nicht geben. Denn sollten sich mit Beginn der wärmeren Jahreszeit wieder mehr Menschen auf den Weg nach Europa machen, könnte der Druck - auch auf Solingen - binnen weniger Wochen erneut zunehmen.

Quelle: RP
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