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Solingen
O-Quartier: Kritik an Investor und Stadt

Solingen: O-Quartier: Kritik an Investor und Stadt
Die neuen Häuser des Olbo-Parks sind so gut wie fertig, alle 86 Wohnungen übergeben. Aber die Aussicht ist von manchen Balkonen nicht sehr schön. Zwar wurde der ehemalige Schuttberg mittlerweile nahezu abgetragen. Doch die alte Olbo-Ruine steht weiterhin. FOTO: Martin Kempner
Solingen. Der Schutt auf dem Areal des geplanten Centers ist so gut wie weg. Aber nebenan ragt weiter die Olbo-Ruine auf. Viele Ohligser fordern vom Investor den Abriss. Doch auch die Stadt wird für den Stillstand in die Verantwortung genommen. Von Martin Oberpriller

Ein Anfang ist immerhin gemacht. Bereits seit geraumer Zeit wird den Bewohnern des neuen Olbo-Parks im Zentrum von Ohligs der Blick auf den hässlichen Schuttberg erspart, der dort über Jahre hinweg das Bild verschandelte und der in den Augen vieler Bürger geradezu sinnbildlich für den Stillstand in ihrem Stadtbezirk stand.

Nach schier endlosen Debatten hatte die Eigentümerin des Grundstücks, die Bayreuther Immobiliengesellschaft Graf von Thun und Hohenstein Veit, Anfang 2017 damit begonnen, den Hügel aus Dreck und Geröll abzuräumen, so dass inzwischen zumindest dieses Ärgernis großteils verschwunden ist. Doch nur wenige Meter weiter, am Marktplatz, bietet sich nach wie vor das gewohnte Bild. Seit über einem Jahrzehnt warten die Ohligser auf den Abriss der alten Textilfabrik Olbo, an deren Stelle eigentlich längst das neue Einkaufscenter O-Quartier stehen sollte.

Eine Situation, die zunehmend an den Nerven etlicher Betroffener zehrt. So richtet der Solinger Unternehmer Gerd Fischer, der als Chef des Bauträgers Plan 8 die 86 Wohnungen im Olbo-Park geschaffen hat, nun einmal mehr einen eindringlichen Appell an die Adresse des Investors. "Die Immobiliengesellschaft könnte mit einem zügigen Abriss der Ruine ein Zeichen setzen, dass es ihr mit dem Engagement in Ohligs ernst ist", sagte Fischer vergangene Woche im Gespräch mit unserer Redaktion.

Tatsächlich haben viele im Stadtteil Zweifel daran, dass seitens der Geschäftsführerin des Investors, Dr. Jeannine Gräfin von Thun und Hohenstein Veit, ein echtes Interesse an Ohligs sowie an dem O-Quartier existiert. "Mit dieser Firma wird das nie etwas", sagte am Wochenende beispielsweise ein Mann, der vor einigen Jahren nach Ohligs zog - und der nach eigener Aussage in Ermangelung von Alternativen vor Ort zum Einkaufen in die Nachbarstadt Hilden fährt.

Andere wiederum geben der Stadt zumindest eine Mitschuld an dem seit Jahren andauernden Stillstand. So wird etwa moniert, die Verantwortlichen im Rathaus hätten in Sachen Marken sowie Branchenmix von Beginn an zu hohe Erwartungen an das Einkaufszentrum und damit an die Investorin gestellt. Denn immerhin habe Gräfin von Thun und Hohenstein Veit vergangenes Jahr eine Liste mit Mietern präsentiert, die sich habe sehen lassen können.

Diese Liste ist indes Makulatur, da die Stadt 2016 die Notbremse zog und das Verhältnis von Verkaufsflächen und Wohnraum im O-Quartier neu ordnete. Wobei sich beide Seiten, Rathaus wie Gräfin, zuletzt wenigstens ein Stück weit aufeinanderzubewegten und wieder miteinander reden.

"Die Arbeitsgespräche mit der Eigentümerin zur neuen Planung laufen wie vereinbart", sagte zuletzt dementsprechend Stadtdirektor Hartmut Hoferichter, der auf Nachfrage zudem betonte, "wenn der Entwurf für das Bebauungsplanverfahren konkretisiert" werde, sei auch mit der "Festlegung eines Zeitplans für das Bauleitverfahren" sowie für den Abriss der Ruine zu rechnen.

Gleichwohl gibt es in Ohligs nicht wenige, die eine noch lang anhaltende Durststrecke befürchten. So wird geargwöhnt, gerade der Bau beziehungsweise die Vermarktung von Wohnungen sei für Gräfin von Thun und Hohenstein Veit ein bislang doch eher unbekanntes Metier.

Quelle: RP
 
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