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Solingen
Offener Ganztag: Stadt schlägt Alarm

Solingen: Offener Ganztag: Stadt schlägt Alarm
150 Kinder haben mit Eltern und Betreuern auf dem Fronhof für einen besseren Ganztag demonstriert. Organisiert wurde die Kundgebung von Trägerverbänden. FOTO: mak
Solingen. Kinder aus vielen Grundschulen haben gestern auf dem Fronhof auf bestehende Mängel bei der Betreuung aufmerksam gemacht. Dabei könnte die Lage bald noch schlimmer werden. In Solingen fehlen rund 270 Plätze - Tendenz steigend. Von Martin Oberpriller

Es waren Forderungen, die allesamt aus berufenem Munde kamen. Rund 150 Kinder aus verschiedenen Solinger Grundschulen haben gestern Mittag gemeinsam mit ungefähr 50 Eltern sowie Erzieherinnen auf dem Fronhof in der City für eine verbesserte Ausstattung des Offenen Ganztages (Ogata) demonstriert - und dabei mit einer bunten Protestaktion auf ihre Nöte aufmerksam gemacht.

Unter anderem prangerten die Schüler auf Plakaten die aus ihrer Sicht untragbaren Zustände in den Schulen an. So verlangten Kinder und Erwachsene bei der von den Trägern des Offenen Ganztages organisierten Kundgebung zum Beispiel mehr Platz und Personal für die Betreuung der Schüler am Nachmittag, die nach Einschätzung der Verantwortlichen immer weniger den pädagogischen Anforderungen entspricht.

Wobei sich all jene, die für ihre Töchter und Söhne schon eine Stelle im Offenen Ganztag ergattert haben, noch glücklich schätzen können. Denn wenn nächste Woche vonseiten der Stadt die Bescheide über die Ogata-Plätze im kommenden Schuljahr 2017/18 verschickt werden, dürfte bei etlichen Familien in der Klingenstadt die Enttäuschung groß sein. Der Grund: In Solingen fehlen inzwischen hunderte der begehrten Betreuungsmöglichkeiten, so dass - Stand Frühjahr 2017 - insgesamt 268 Kinder mit ihren Eltern bis auf Weiteres mit einem Platz auf der Warteliste vorliebnehmen müssen.

Ein Zustand, der auch aus Sicht der Stadt unhaltbar ist - zumal die Nachfrage nach dem Offenen Ganztag in den folgenden Jahren weiter steigen wird. Darum schlägt das Rathaus jetzt Alarm und fordert von Bund und Land mehr Geld. "Wir sind mit unseren finanziellen Möglichkeiten an Grenzen angelangt", sagte eine Sprecherin der Stadt am Dienstag auf Anfrage unserer Redaktion und machte gleichzeitig deutlich, dass nur ein verstärktes Engagement von Bundes- und Landespolitik in Zukunft eine ausreichende Versorgung garantieren könne.

"Immerhin werden die Schülerzahlen in der nächsten Zeit noch einmal nach oben gehen", sagte die Sprecherin, die zudem auf die seitens der Stadt bereits vorgenommenen Anstrengungen verwies. So sei die Anzahl der Ogata-Plätze seit 2009 von etwas mehr als 1700 auf mittlerweile 2335 Angebote angewachsen, zog das Rathaus gestern eine Bilanz der vergangenen acht Jahre.

Nur dass dieser Zuwachs bei weitem nicht reicht, um den veränderten Lebensbedingungen in vielen Haushalten Rechnung zu tragen. Beispielsweise sind immer mehr Familien darauf angewiesen, dass beide Elternteile arbeiten - was wiederum aber nur dann geht, wenn die Mütter und Väter die Kinder nach Ende des eigentlichen Schulunterrichtes gut aufgehoben wissen. Denn immerhin gibt es häufig keine Großeltern, die einspringen können.

Wie groß die Not längst ist, weiß auch die Politik. So klagte etwa Marc Westkämper (CDU) als Bezirksbürgermeister von Ohligs/Aufderhöhe/Merscheid jetzt einmal mehr über den Mangel in seinem Stadtbezirk. So fehlten allein im Westen der Klingenstadt 76 Plätze, sagte Westkämper, der betonte, Ohligs sei augenblicklich der einzige Stadtteil, der an Bevölkerung zulege.

Tatsächlich haben der Christdemokrat sowie die Vertreter der anderen Parteien in Ohligs die Befürchtung, Solingen werde mittelfristig an Attraktivität verlieren und auf lange Sicht sogar jene Standortvorteile verspielen, die die Lage nahe an den Metropolen Düsseldorf sowie Köln ansonsten mit sich bringt.

Eine Sorge, die die Kinder, die gestern auf dem Fronhof protestierten, naturgemäß weniger umtreibt. Die kleinen Demonstranten verwiesen vielmehr auf ganz reelle Nachteile, die schon heute den Offenen Ganztag prägen. "Wir brauchen mehr Geld, damit wir neue Spielsachen bekommen", stellte zum Beispiel ein Mädchen klar.

Quelle: RP
 
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