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Solingen
Ohligs mit gemischten Gefühlen

Solingen: Ohligs mit gemischten Gefühlen
Verkaufsoffener Sonntag in Ohligs im Clownskostüm: Arndt Krüger, Joachim Junker und Bernd Hawich (v.l.) bringen das Wurfmaterial des wegen der Sturmwarnung ausgefallenen Rosenmontags unter die Leute. FOTO: Martin Kempner
Solingen. Der erste verkaufsoffene Sonntag des Jahres mit dem "Frühlingserwachen" füllte Sonntag die Düsseldorfer Straße. Dennoch beklagen Ohligser Händler insgesamt eine Abnahme der Kundenfrequenz. Von Alexander Riedel

Entspannt durchstöberte Reinhard Glout die Bücherkiste: "Hier findet man immer wieder mal was Schönes", sagte der Merscheider, der sich mit seiner Lebensgefährtin Ingrid Kirschbaum-Vollmer auf den Weg in die Ohligser Fußgängerzone gemacht hatte. Die war gestern zum "Frühlingserwachen" gut gefüllt mit Passanten, die an den diversen Ständen des Büchermarktes vorbeiflanierten, den geöffneten Ladenlokalen im Herzen des Stadtteils einen Besuch abstatteten und sich einen Imbiss auf die Faust nahmen. "An so einem Tag hat man Zeit, um in aller Ruhe auch mal durch die Geschäfte zu bummeln", sagte Glout. "Solche Veranstaltungen muss man immer unterstützen", ergänzte seine Begleiterin.

Einmal mehr hatte die Ohligser Werbe- und Interessengemeinschaft (OWG) am ersten verkaufsoffenen Sonntag des Jahres ein buntes Begleitprogramm zusammengestellt: Der Ohligser Turnverein stellte unter dem Motto "Fit in den Frühling" einige seiner Aktivitäten vor, Jongleur Herr Jeminé animierte die Besucher zum Mitmachen und die "Swingenden Gärtner" zogen mit stimmungsvoller Dixie-Musik durch die Straßen. "Das ist hier alles sehr nett gemacht", lobte Kirsten Schmitz, und ihr Lebensgefährte Stefan Trenner sagte: "Gerade wir als Anwohner freuen uns natürlich immer über die Belebung der Fußgängerzone." Den verkaufsoffenen Sonntag nutzte er gezielt, um sich bei s.Oliver nach einer neuen Weste umzusehen. "Er findet aber immer noch etwas zusätzlich und kommt dann mit einer Tüte voller Sachen wieder raus", verriet Kirsten Schmitz.

Mit zumindest anfangs noch gut gefüllten Beuteln zogen auch Joachim Junker und zwei Mitstreiter durch die Straßen: Im Clownskostüm brachte der Vorsitzende der Prinzengarde Blau-Gelb Ohligs Kamelle unter das Volk, die bekanntlich am Rosenmontag in den Kartons hatten bleiben müssen. "Die Aktion bot sich einfach an", sagte Junker und setzte sich ein ambitioniertes Ziel: "Wir werden heute 111 Kilometer zurücklegen."

OWG-Chefin Brigitte Kiekenap äußerte sich zufrieden zur Resonanz auf das "Frühlingserwachen". Dennoch bleiben bei den Einzelhändlern des Stadtteils die Sorgen: Denn die Kundenfrequenz im Umfeld der Fußgängerzone habe insgesamt spürbar abgenommen, berichtete die Buchhändlerin. Das bestätigte auch Frank Schlemper vom gleichnamigen Modegeschäft: "Generell kaufen die Kunden näher nach ihrem unmittelbaren Bedarf." Der Gedanke, "ich tue mir mal was Gutes", tauche im Hinblick auf Bekleidung seltener als früher auf. Und trotz der räumlichen Distanz habe auch das Hofgartencenter in der Innenstadt Kunden abgezogen.

Zudem treibt die Händler weiterhin die Entwicklung am Ohligser Markt um: Ob das Einkaufszentrum "O-Quartier" tatsächlich eines Tages kommt oder nicht, steht nach wie vor in den Sternen - und damit wird wohl auch das Ladenlokal des ehemaligen Toom-Marktes vorerst leer bleiben.

"So ein Lebensmittelvollsortimenter ist natürlich ein Magnet, der uns weggebrochen ist", sagte Schlemper. Um die Fußgängerzone und die Geschäfte auch unabhängig vom Fortschritt am Markt zu beleben, seien viele kleine Schritte nötig, sagte Kiekenap. Dazu zählten Maßnahmen zur Verschönerung der Fußgängerzone oder der Ausbau der Veranstaltungen. Große Hoffnungen legt Kiekenap in das geplante Planetarium, das auf der Ostseite des Bahnhofs zu einem Publikumsmagneten werden soll: "Wenn das Galileum in Betrieb geht, wird das auch für die Händler ein Riesenvorteil sein."

Quelle: RP
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