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Solingen
Ohligser für eigenes OLX-Kennzeichen

Solingen. Ein ungewöhnlicher Vorschlag: Die CDU im Stadtbezirk will, dass die Verwaltung eine Ohligser Ortskennung auf Autos prüft. Vorbilder sind Stadtteile von Städten im Ruhrgebiet. Im Solinger Rathaus sieht man aber keine Chance dafür. Von Martin Oberpriller

Fast 90 Jahre sind inzwischen seit jenem 1. August 1929 vergangen, an dem die einstmals selbstständige Stadt Ohligs ihre Unabhängigkeit verlor sowie in die neue kreisfreie Großstadt Solingen eingemeindet wurde. Und tatsächlich haben sich seit diesem Tag viele Dinge geändert. Nicht zuletzt in Sachen Verkehr. Denn während Ende der 20er Jahre des zurückliegenden Jahrhunderts erst wenige Autos auf den Ohligser Straßen knatterten, zählen unangenehme Abgase beziehungsweise nervige Staus im Jahr 2017 -wie anderswo - längst auch im Westen der Klingenstadt zu einem gewohnten Übel.

Geblieben ist bis zum heutigen Tag allerdings das Selbstbewusstsein der Ohligser. Noch immer verfügen der Stadtteil, der zusammen mit Aufderhöhe sowie Merscheid einen der fünf Solinger Bezirke bildet, und seine Bewohner über eine gehörige Portion Eigenständigkeit - die in Zukunft nach dem Willen der CDU Ohligs unter anderem in einem separaten Kfz-Kennzeichen ihren Ausdruck finden könnte.

Aus diesem Grund haben die Christdemokraten im Stadtbezirk für die kommende Sitzung der Bezirksvertretung (BV) Ohligs/Aufderhöhe/Merscheid am 13. November einen Prüfauftrag für die Verwaltung vorbereitet. Durch diesen soll die Stadt nunmehr veranlasst werden, die Chancen auszuloten, inwieweit demnächst neben dem gewohnten SG auch das neue Kürzel OLX für Ohligs die Nummernschilder Solinger Autos zu zieren vermag.

Im Rathaus selbst reagierten die Verantwortlichen am Freitag zunächst einmal eher verhalten auf diese Initiative. "Rein rechtlich besteht augenblicklich keine Möglichkeit dazu", sagte eine Sprecherin der Stadt auf Anfrage unserer Redaktion. Um in der Zulassungsstelle an der Gasstraße fortan OLX-Kennzeichen ausgeben zu können, bedürfe es dementsprechend zunächst einmal einer Änderung der bestehenden Richtlinien.

Was die CDU bis auf Weiteres indes nicht abzuschrecken vermag. "Uns ist es mit dem Vorstoß durchaus ernst", sagte etwa Robert Lipphardt, Sprecher der Partei in der BV. Denn immerhin, so Lipphardt, könnten sich mittlerweile neue Rahmenbedingungen für die Ausgabe von Nummernschildern ergeben haben. Und überdies gehe es auch nicht darum, Ohligs vom Rest Solingens abzugrenzen. Vielmehr böten OLX-Nummernschilder die Gelegenheit, dass ohnehin vorhandene Zusammengehörigkeitsgefühl der Ohligser innerhalb der Gesamtstadt zu stärken, zeigte sich Lipphardt überzeugt.

Ein Argument, dass Bezirksbürgermeister Marc Westkämper teilt -zumal sich sub-lokale Kennzeichen in anderen Städten in Nordrhein-Westfalen ebenfalls schon als Erfolgsgeschichte erwiesen hätten. "Im Ruhrgebiet wird die Möglichkeit von vielen Bürgern jedenfalls gut angenommen", betonte Westkämper im Gespräch mit unserer Redaktion.

In der Tat entschied sich in den zurückliegenden Jahren gleich eine ganze Reihe von Kommunen, alte Kfz-Ortskennungen wieder zuzulassen. So fahren seit der entsprechenden gesetzlichen Änderung 2012 beispielsweise tausende Bochumer mit einem WAT-Nummernschild für Wattenscheid sowie vergleichbar viele Herner, die im Herzen Wanne-Eickeler geblieben sind, mit den Buchstaben WAN durch die Gegend. Und selbst in der näheren Nachbarschaft, in Leverkusen, bekunden zahlreiche Autofahrer ihren Lokalpatriotismus mit einem OP an den Stoßstangen.

Gleichwohl haben all diese Orte Ohligs eines voraus. Sie waren noch bis 1975 selbstständige Gemeinden und verfügten somit bereits über eigene Kennzeichen. Was bedeutet, dass die alten Buchstaben-Kombinationen nach der Neufassung der Bestimmungen relativ problemlos reaktiviert werden konnten, worauf gestern auch die Stadtverwaltung hinwies.

"Ohligs hatte ja nie ein eigenes Kennzeichen", stellte die Rathaus-Sprecherin klar. Ein Punkt, der nicht so einfach beiseitezuschieben ist. Denn Fakt ist, dass die Ortskennungen auf Nummernschildern in Deutschland erst in den 50er Jahren eingeführt wurden - also zu einem Zeitpunkt, zu dem Ohligs längst ein Teil Solingens war.

Gleichwohl sind die Christdemokraten im Stadtbezirk sicher, dass OLX-Kennzeichen den Nerv der Ohligser treffen würden. Bezirksbürgermeister Westkämper rechnet mit bis zu 5000 Bürgern, die ihren Wagen nummernschildtechnisch umrüsten würden, wenn sie nur könnten. Darum fordert die CDU, dass die rechtlichen Rahmenbedingungen im Rathaus zumindest noch einmal genau geprüft werden. Ferner glaubt die Partei aber auch, dass die Stadt ihrerseits durch das OLX profitieren täte. Marc Westkämper: "Schließlich kämen so Ummeldungsgebühren in die Kasse".

Jemand, der sofort mit von der Partie wäre, ist Joachim Junker, Geschäftsführer der Ohligser Jongens. "Die Idee hat Charme", sagte Junker gestern. Sein Heimatverbesitzt ein in gewisser Weise das Copyright auf das OLX. Die Jongens verwenden das Kürzel, das im Stadtteil sehr wohl geläufig ist, nämlich schon seit Jahren - etwa bei der 125-Jahr-Feier der Stadt Ohligs 2016 sowie zuletzt beim Brückenfest.

Quelle: RP
 
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