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Solingen
Orchester erinnert an den Krieg

Solingen. Die Philharmoniker beeindruckten mit ungewöhnlichem Programm.

Dem Walzer war das 4. Philharmonische Konzert gewidmet. Und Generalmusikdirektor Peter Kuhn präsentierte mit den groß besetzten Bergischen Symphonikern gleich einen starken Auftakt: den Kaiserwalzer. Er gehört zu den großartigsten Kompositionen von Johann Strauß. 1889 in Berlin uraufgeführt, sollte er die Verbundenheit des österreichischen mit dem deutschen Kaiserreich bekräftigen. Ein Vierteljahrhundert später führte der Erste Weltkrieg das Ende dieser Kaiserherrlichkeit herbei.

Um die vielen Opfer des Völkerringens zu ehren, schuf Franz Lehár einen Zyklus "Aus eiserner Zeit". Daraus erklang ein Ausschnitt "Fieber". Die Konzertbesucher erlebten den Meister von Operetten wie "Die Lustige Witwe" und "Das Land des Lächelns" auf einem ganz anderen Gebiet. Lehár verarbeitete hier die Kriegsverletzung seines Bruders. Solist war der Tenor Jürgen Müller. Ausdrucksstark zeichnete er die Fiebervisionen des Verwundeten nach. Auch der Orchesterpart war sehr eindrucksvoll.

Das weitere Programm war dem Franzosen Maurice Ravel gewidmet. Noch einmal ging es um den Ersten Weltkrieg: Der Pianist Paul Wittgenstein verlor seinen rechten Arm. Aber trotz der Behinderung wollte der Musiker seine Karriere fortsetzen und erteilte Kompositionsaufträge für Klavierwerke, die er nur mit der linken Hand spielen konnte. Die berühmteste dieser Kompositionen ist das "Konzert für Orchester und die linke Hand" von Ravel.

Kuhn und die Symphoniker hatten als Solisten den aus Armenien stammenden Vardan Mamikonian verpflichtet. Aus grollenden Kontrabässen erhob sich im Orchester ein Sarabandenthema. Dann setzte der Pianist ein, und obwohl er nur die Linke spielte, war er virtuos. Stürmischer Beifall dankte für diese grandiose Leistung. Bei seiner brillianten Zugabe benutzte Mamikonian wieder beide Hände. Durch Nebelschwaden meinte man tanzende Paare zu sehen. Fetzen von Walzermelodien schienen erkennbar. Das Orchester ließ einen festlichen Ballsaal lebendig werden, in dem sich eine Menge von Paaren im Walzertakt drehte. Die Szene wurde immer chaotischer und schließlich brach alles zusammen. So erlebt man Ravels "La Valse". Dem Komponisten gelang es, den Zusammenbruch der höfischen Gesellschaft und das Ende der unbeschwerten Walzerseligkeit musikalisch umzusetzen. Peter Kuhn führte die Bergischen Symphoniker mit sicherer Hand bis zum Ende durch diesen makabren Melodienreigen und wurde mit Ovationen belohnt.

5. Philharmonisches Konzert: Geheimnis - mit Werken von Felix Mendelssohn Bartholdy, Ahmed Adnan Saygun und Johannes Brahms, Dienstag, 13. Dezember, 19.30 Uhr, Theater und Konzerthaus.

(kg)
 
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