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Solingen
Orchester: Land gibt Stadt Rückenwind
Solingen: Orchester: Land gibt Stadt Rückenwind
Ihre Zukunft ist ungewiss: Steigt Remscheid bei den Bergischen Symphonikern aus, droht dem Orchester die Insolvenz. FOTO: Anja Tinter
Solingen. Norbert Feith lehnt Remscheider Vorschlag, die Kosten für die Symphoniker nach dem Schlüssel 60:40 zu verteilen, ab. Hilfe kommt aus Düsseldorf. Regierungspräsidentin Lütkes ist dafür, die Musiker unter das Dach der BSG zu nehmen. Von Martin Oberpriller und Kristina Hellwig

Seit vergangener Woche ist klar, dass Solingen bis auf weiteres nicht mehr unter einem Nothaushalt stehen wird. Aus Sicht von Oberbürgermeister Norbert Feith (CDU) ergeben sich daraus aber keine zusätzlichen Spielräume zum Geldausgeben. Darum lehnt der OB Vorschläge aus Remscheid, die Finanzierung des gemeinsamen Orchesters nach einem neuen Kostenschlüssel zu organisieren, weiter ab. "Von den Solinger Steuerzahlern zu verlangen, 300 000 Euro zu übernehmen, ist zu kurz gesprungen", sagte Feith gestern.

Der OB und die Stadtverwaltung wollen vielmehr, dass die Musiker in Zukunft unter das Dach der städtischen Beteiligungsgesellschaft (BSG) und der Remscheider Stadtwerke wechseln. Der Vorteil aus Sicht Solingens: Die Kosten könnten über dann mögliche steuerliche Ersparnisse gedrückt werden.

Dabei glauben die Solinger vor der für Januar anberaumten Gesellschaftersitzung der Bergischen Symphoniker nun einen wichtigen Verbündeten zu haben. Denn Regierungspräsidentin Anne Lütkes (Grüne) versah ihre Nachricht, dass Solingen wieder mehr finanzielle Eigenständigkeit hat, vergangene Woche mit dem Hinweis, aus ihrer Sicht mache eine solche Organisation des Orchesters durchaus Sinn. "Die Regierungspräsidentin machte deutlich, dass sie ein Umhängen der Bergischen Symphoniker unter die BSG erwartet", sagte Feith bereits vor Weihnachten nach Erhalt des Schreibens aus Düsseldorf.

Allerdings ist zweifelhaft, ob Remscheid mit seiner Oberbürgermeisterin Beate Wilding (SPD) bei dieser Lösung mitmacht. Denn die Nachbarstadt will nach wie vor, dass die Kosten für die Symphoniker im Verhältnis 60:40, der Größe der beiden Städte entsprechend, aufgeteilt werden.

Lediglich auf diesem Weg, so die Remscheider Argumentation, seien die Musiker noch finanzierbar. Eine Neuaufstellung der Symphoniker unter BSG und Stadtwerken bringe hingegen nur geringe Einsparungen und würde darüber hinaus auf längere Sicht die Remscheider Stadtwerke belasten, was wiederum schon angesichts des Haushaltssicherheitskonzepts in der Nachbarstadt unmöglich sei. Für den Fall, dass keine entsprechende Lösung gefunden wird, droht Remscheid dementsprechend mit der Einstellung sämtlicher Zahlungen – und die Bergischen Symphoniker stünden vor der Insolvenz.

Ein Szenario, das OB Feith auf jeden Fall vermeiden will, wobei er ebenfalls mit der angespannten Finanzlage – nur eben auf Solinger Seite – argumentiert. Mit Blick auf den Remscheider Vorschlag, der Solingen mit rund 300 000 Euro entschieden teurer käme, betonte der Oberbürgermeister darum gestern noch einmal, dass auch Solingen weiterhin eine "Haushaltssicherheitsstadt" sei. "Wir sind rechtlich gehindert, eine solche Verpflichtung zu übernehmen. Sie wäre eine neue freiwillige Leistung", sagte Norbert Feith.

Derweil meldete sich der WDR-Hörfunkmoderator und bekennende Remscheider Horst Kläuser zu Wort. Er forderte beide Städte auf, einen "engagierten Plan" zur Rettung der Symphoniker zu entwickeln.

Quelle: RP
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