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Solingen
Orchesterverein: Erlesenes von Mozart und Schubert

Solingen. Der weiße Benz hängt an Stahlseilen in der Luft - unten spielt die Musik. Längst sind die Konzerte des Orchestervereins in der Mercedes-Benz-Niederlassung in der Schlagbaumer Straße liebgewordene Tradition. Auch jetzt ist das Autohaus gut besucht. Umgeben von Schönheiten der A-und C-Klasse gibt's Erlesenes von Mozart und Schubert. Während es draußen nieselt, spielt Solingens Amateurensemble auf zum Sommerkonzert. Michael Forster hat seine Streicher, Bläser und Pauken fest im Griff.

Absolute Fehlerfreiheit kann und soll man nicht erwarten bei einem Laienorchester. Aber bedingungslose Liebe zur Musik nebst dem kompakten Sinn für den großen Wurf - das ist en masse vorhanden, und umso faszinierender war es, erneut zu erleben, was man als Amateur Beachtliches leisten kann. So war Mozarts zweites Hornkonzert Es-Dur eine runde Darbietung mit gut gewählten Tempi, klarem Klang und einer präzis abgestimmten Orchester-Solisten-Integration. Hornist Fabian Rosenthal glänzte mit seinem dynamischen, sehr lyrischen Ton, mit eleganten Läufen und Linien und schönen crescendi. Innig geriet das lyrische Andante, in dem sich ein stimmiger Dialog zwischen Horn und Orchester entwickelte, dem ein beschwingtes Schlussrondo folgte.

Bei Mozarts Sinfonia concertante Es-Dur KV 364 überzeugten Mihalj Kekenj (Violine) und Albert Kametov (Bratsche) durch souveränes, technisch sehr ausgereiftes Spiel. Sie entwickelten einen spannungsreichen, perfekt mit dem Orchester abgestimmten Dialog, der in den Ecksätzen das verspielte Temperament Mozarts gut zum Ausdruck brachte. Die Kadenz bestach durch den Kontrast von Pizzicati und gedehnten Phrasen, beim stimmungsvoll vom Orchester getragenen Adagio gelangen den Solisten Momente von romantischer Sensibilität.

Nach der Pause wurde Bärbel Müller für 50-jährige Mitgliedschaft zum Ehrenmitglied ernannt. Dann wagte man sich an Schuberts Sechste Sinfonie in C-Dur. Die ersten beiden Sätze zeigten Schwächen in der Intonation. Dafür entwickelte sich im dritten Satz ein fulminantes Presto mit klarer Stimmführung. Das Finale geriet kraftvoll und kompakt mit einem stark entwickelten Schluss. Das war saubere Arbeit - für die es viel Beifall gab. Der auch dem Chef galt. Seit 15 Jahren leitet Michael Forster das Orchester. "Es ist ein Abbild unserer Stadt. Das jüngste Mitglied ist 14, das älteste 82. Es ist fantastisch, alle zu integrieren und zu sehen, wie sie sich für die Musik engagieren." Alle profitieren von seiner Erfahrung als stellvertretender Solooboist der Bergischen Symphoniker. In erster Linie soll Musizieren Spaß machen, allerdings wird "hart am Programm gearbeitet. Man muss viel üben." Das gute Konzert entlohnt für die Mühen.

(sto)
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