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Solingen
"Passt bloß auf eure Finger auf"

Solingen. Ab dem 5. Mai nimmt das Jugendsinfonieorchester der Solinger Musikschule als Vertreter des Landes Nordrhein-Westfalen am nationalen Orchesterwettbewerb des Deutschen Musikrats in Ulm teil. Von Jan Crummenerl

Ein denkwürdiger Tag: Am 6. Mai, Punkt 16 Uhr, ist Anpfiff auf dem Fußballplatz in Ulm. Solingen trifft auf München. Vielleicht hat man gute Chancen. Allerdings wird nicht die Union antreten, um Bayern München zu zeigen, wie man das Runde ins Eckige bekommt. Die Mannschaft des Jugendsinfonieorchesters der Musikschule wird sich an den Mitschülern der Münchner Musikschule messen. Und wenn Leipziger, Jenaer oder Potsdamer noch dazukommen, könnte das ein richtiges Turnier werden. "Aber passt bloß auf eure Finger auf", scherzt Ulrich Eick-Kerssenbrock, Leiter der Musikschule und des Jugendsinfonieorchesters, bei der letzten Probe. Denn die Finger werden noch gebraucht. Ab dem 5. Mai sind die jungen Musiker im Alter von zwölf bis Anfang 20 zum Deutschen Orchesterwettbewerb in die bayerische Stadt an der Donau eingeladen.

"Nur alle vier Jahre veranstaltet der Deutsche Musikrat diesen Wettbewerb, der sich an verschiedene Formationen von Laienorchestern wendet", betont Eick-Kerssenbrock das Besondere. Und noch weit mehr: Eingeladen wird nur der Sieger der jeweiligen Landeswettbewerbs, der zudem noch eine zusätzliche Auszeichnung braucht. Das haben die Solinger geschafft und vertreten nun Nordrhein-Westfalen. Eick-Kerssenbrock: "Der Wettbewerb ist eigentlich nicht das Wichtigste, sondern dass es ein richtiges Festival für die Jugendlichen wird." So gibt es unter anderem neben einer langen Orchesternacht besagtes Fußball-Match.

Rund 75 Jugendliche musizieren im Jugendsinfonieorchester. Damit hat man richtig philharmonische Ausmaße - und natürlich den entsprechenden Klang. "Eigentlich sind wir ja noch fast eine Neugründung." Vor neun Jahren startete Ulrich Eick-Kerssenbrock dieses Projekt in der Musikschule. Bei der ersten Probe war man mit rund einem Dutzend junger Musiker bestenfalls in Spielkreisstärke. Nun ist daraus ein beachtliches und bemerkenswertes Sinfonieorchester geworden. Nicht zuletzt dank des Engagements des Musikschulleiters, der das richtige Händchen hat, mit Jugendlichen zu arbeiten und sie zu motivieren. "Ihr seid zehnmal besser geworden", sagt der Dirigent auf der Probe und klopft ab. "Aber die Triolen in den Violinen kommen nicht richtig." Auch in den Blechbläsern versacken noch die Phrasen. Das aber ist nur noch der Feinschliff für Ulm. Ansonsten sitzt "The Mission Team" von John Williams. Der amerikanische Komponist schrieb es für die BBC. Auch wenn es ein reines Orchesterstück ist, zaubern die Jugendlichen einen satten Sound, der wie Filmmusik Bilder im Kopf in Gang setzt. "Wenn unser Auftritt kommt, denkt das Publikum wahrscheinlich ,Gähn, jetzt kommen auch noch die Solinger'. Da müssen wir es vom ersten Takt an elektrisieren." Und energiegeladen gelingt das Werk. Dann geht es weiter zu Borodins "Polowetzer Tänzen". Denn man hat einige Stücke im Gepäck für den Wettbewerb. Der wird olympisch gesehen: Dabeisein ist alles. Gegen die Konkurrenz aus Musikmetropolen wie München oder Leipzig rechnet man sich keine großen Chancen aus. "Es ist schon wunderbar, dass wir in Solingen ein solches Orchester auf die Beine stellen können." Die Fluktuation im Orchester ist riesig. "Das ist ein echtes Problem", sagt Eick-Kerssenbrock. Das Abitur nach acht Jahren sieht der Musikschulleiter als generelle Schwierigkeit - auch für die ganzen Vereine, die Jugendarbeit anbieten, etwa im Sport. "Die kurze Schulzeit bedeutet für die Jugendlichen einen immensen Stress. Aber wenn man sie da abholt, wo sie sind, haben sie richtigen Spaß." Das bezeugt das vollständige Sinfonieorchester im Saal der Musikschule.

Quelle: RP
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