| 10.19 Uhr

Stangentaxi & Co
Per Wanderexpress zurück zum Ausgangspunkt

Stangentaxi & Co: Per Wanderexpress zurück zum Ausgangspunkt
Der Wanderexpress "WE 687" ist an Wochenenden und Feiertagen ab mittags im Stundentakt unterwegs. FOTO: Stadtwerke Solingen
Solingen. Der absolute Klassiker unter den Wanderwegen in der Region ist der Spaziergang zwischen Müngstener Brücke und Schloss Burg. Beide Wahrzeichen werden verbunden von der Buslinie 687, die ab Ostersonntag an Wochenenden und Feiertagen verkehrt. Von Guido Radtke

Kein anderes Ausflugsziel weckt derart Kindheitserinnerungen wie Schloss Burg. Das lag zum einen an der jedes Mal aufs Neue besonderen Tour mit dem Obus ab Vohwinkel quer durch Solingen, zum anderen an der schwebenden Fahrt mit der Seilbahn. Wenn meine Mutter gefragt hat "Was sollen wir heute unternehmen ?", war der Spaziergang von Unterburg nach Müngsten mit der Aussicht auf eine Runde Minigolf direkt unter der Brücke oder einen Besuch des kleinen Märchenwaldes fast immer erste Wahl. So oft, dass ich häufig zu hören bekam: "Och, nicht schon wieder. Da waren wir doch gerade erst."

Ein Höhepunkt des etwa fünf Kilometer langen Spaziergangs entlang des Wupperufers war nach der Querung am Wiesenkotten immer der erste Blick durch die vielen Äste auf den mächtigen Stahlkoloss inmitten der Natur. Still und mächtig hat das Wahrzeichen des Bergischen Landes auch heute nichts von seiner Faszination verloren - wenn das Rauschen des Wassers für wenige Sekunden vom kontinuierlich lauter werdenden Geräusch eines herannahenden Zuges übertönt wird. Aus der Ferne wirken die heute silbernen Gefährte der S-Bahn 7 wie Modelleisenbahnen, die die Stadtgrenzen von Solingen und Remscheid in 107 Meter Höhe überwinden. Der perfekte Ausblick auf das Panorama der Müngstener Brücke bietet sich auf halber Strecke vom "Fotografenwinkel" aus.

Der Klassiker unter den Wanderwegen im Bergischen Land hatte für einen kleinen Jungen nur einen Haken: Man musste die gute Stunde auch wieder in die umgekehrte Richtung zurücklaufen, um zum geparkten Auto oder zur Busdrehscheibe zu kommen. Damals gab es noch keine Schwebefähre, mit der man in gerade mal drei Meter Höhe über der Wasseroberfläche mit Muskelkraft ans andere Ufer hätte übersetzen können, um sich ein paar Meter Fußweg oder Höhenmeter zu ersparen. Oder noch besser: einen Bus, der Wanderer in 15 Minuten zurück zum Ausgangspunkt gebracht hätte.

Seit März 2007 garantiert die Buslinie 687 der Stadtwerke Solingen an Wochenenden und Feiertagen eine bequeme Direktverbindung zwischen Schloss Burg und Müngsten - ab mittags im Stundentakt. Die damalige Freizeitlinie war seinerzeit Teil eines neuen Fahrplan-Konzeptes - die erste neue Linie, die die Stadtwerke Solingen (SWS) seit 1992 eingeführt hatten. Auf Anhieb nutzten mehr als 10.000 Fahrgäste das Angebot im ersten Jahr. "Grund war natürlich auch der Abschluss des Regionale 2006-Programms mit der Entstehung des Brückenparks", sagt Silke Rampe, Pressesprecherin der SWS-Verkehrsbetriebe.

Inzwischen ist die Linie 687 zum "Wanderexpress" umgetauft worden, weil neben Familien oder älteren Personen insbesondere Wanderer das Angebot nutzen. Was als Experiment vor elf Jahren an den Start gegangen ist, ist heute Teil eines dichten Liniennetzes, das einige Varianten zu ausgiebigen Wanderungen bietet, ohne auf das Auto angewiesen sein zu müssen. An der Wendeschleife "Müngstener Brückenpark" halten auch die Linien 658 (Anbindung an Remscheid) oder die Freizeitlinie 605 (über Wanderparkplatz Burgholz zum Wuppertaler Zoo). An der Krahenhöhe besteht Anschluss an die Obus-Linie 683 in die Solinger Innenstadt bzw. Wuppertal-Vohwinkel. Und am Burger Bahnhof fahren weitere Buslinien nach Remscheid, Wermelskirchen oder Höhrath.

"Viele der Fahrgäste, die den Wanderexpress nutzen, stellen ihr Auto auf einem der beiden Parkplätze an der L 74 und der Morsbachtalstraße ab und lassen sich später nach einem Abstecher nach Burg mit dem Bus zurückbringen", berichtet Silke Rampe. Um 11.59 Uhr startet die erste Fahrt in Müngsten, 20 Minuten später ist die Endhaltestelle in Oberburg erreicht. Die erste Rückfahrt von dort erfolgt um 12.24 Uhr. Planmäßig hält der Bus an vier Unterwegs-Haltestellen, bei rechtzeitiger Mitteilung an den Fahrer legt dieser aber auch weitere Stopps zum Aussteigen ein.

Beliebt bei Ausflüglern ist die Haltestelle "Stadtwald" als Startpunkt für eine kurze Wanderung über einen breiten Weg direkt bis nach Unterburg. Nicht zuletzt, weil schon jetzt ab und zu das Schloss aus der Ferne zu sehen ist. Ein Ausblick, der ähnlichen Charme hat wie das Panorama auf die Müngstener Brücke.

Der nächste Teil "Die Linie 681" - der erste Obus in Solingen (Erscheinungstermin: 21. April)

Quelle: RP
 
Diskussion
Ihre Meinung zum Thema ist gefragt

Schreiben Sie jetzt Ihre Meinung zu:

Stangentaxi & Co: Per Wanderexpress zurück zum Ausgangspunkt


Beachten Sie dabei bitte unsere Regeln für Leserkommentare.