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Solingen
Phantasievolles Weihnachtskonzert der Symphoniker

Solingen. In ihren Konzerten in der Adventszeit brachten Solinger Chöre und Ensembles eine große Bandbreite bekannter Weihnachtsmusik zu Gehör. Da war es schon eine gute Idee, dass Peter Kuhn für das Weihnachtskonzert der Bergischen Symphoniker stattdessen spät-romantische und märchenhafte Musik auf das Programm gesetzt hatte. "Schließlich ist Weihnachtszeit auch Märchenzeit", sagte der Generalmusikdirektor in seiner Moderation des Konzerts, das am zweiten Weihnachtstag im Konzertsaal stattfand. Von Wolfgang Günther

In der neu gestalteten Bestuhlung des Saals mit ansteigenden Reihen am Ende finden 500 Besucher Platz, das Konzert war sehr gut besucht. Märchenhaft ist auch die Musik von Engelbert Humperdinck. Es erklangen aber keine bekannten Weisen aus seiner Oper "Hänsel und Gretel", sondern die romantische Ouvertüre zu der Schauspielmusik "Der Blaue Vogel", kundig dirigiert von Corinna Niemeyer, Stipendiatin der Orchesterakademie in dieser Saison.

Zur Musik von Ernst von Dohnányi (1877-1960) übernahm der Generalmusikdirektor wieder die Leitung. Die romantischen Kompositionen des in Ungarn geborenen Pianisten wurzeln im 19. Jahrhundert, beeindrucken aber durch ihren Ideenreichtum und die große Palette der Klangfarben. Der Pianist Karsten Scholz spielte mit den Symphonikern Dohnányis Opus 25, "Variationen über ein Kinderlied", und durch die Hintertür schlich sich dann doch wieder ein wenig Weihnachtsmusik ein. Denn die schlichte Melodie trägt in Deutschland den Text "Morgen kommt der Weihnachtsmann". Aber anspruchslos ist die Komposition ganz und gar nicht. Denn vom Tutti-Effekt des Beginns bis zum lebendigen Schlussteil muss der Pianist hier einen virtuosen Parforceritt absolvieren. Es wird in dem guten Dutzend Variationen Walzer getanzt, übermütig marschiert, und es erklingt sogar ein Choral.

Am Schluss führte die musikalische Weihnachtsreise in die Glanzzeit Hollywoods und zur Filmmusik von Erich Wolfgang Korngold. Korngold, ein Sohn des strengen Wiener Musikkritikers Julius Korngold, war ein Wunderkind. Im Alter von elf Jahren komponierte er seine erste Ballettmusik, sie wurde 1910 an der Wiener Hofoper aufgeführt. Seine erzwungene Emigration nach Hollywood war aber ein Glücksfall für die dortigen Filmgesellschaften. Er komponierte seine Filmmusiken für große Orchester und erhielt 1938 seinen ersten Oscar für den Film "The Adventures of Robin Hood".

Überhaupt kamen damals viele europäische Filmschaffende als Emigranten nach Amerika. Aus dem ungarischen Regisseur Mihály Kertész wurde in Hollywood schnell Michael Curtiz, der 1940 den Film "The Sea Hawk" (Der Herr der sieben Meere) drehte. Errol Flynn hatte einen Riesenerfolg mit dem Piratenfilm, und Erich Wolfgang Korngold komponierte die Filmmusik. Die dramatische und spannende Musik begeisterte im Konzert der Bergischen Symphoniker genauso wie die Besucher damals in den Kinos.

Korngold kehrte nach dem Zweiten Weltkrieg nach Wien zurück, aber die bösen Kritiken seines Vaters waren dort in guter Erinnerung, und man zeigte ihm die kalte Schulter.

Das war aber im Weihnachtskonzert der Symphoniker ganz anders. Das Publikum applaudierte am Ende den Symphonikern so lange, bis Peter Kuhn seinen Taktstock zu einer kurzen, weihnachtlichen Zugabe hob.

Quelle: RP
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