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Solingen
Pilgern fürs Klima und für Gerechtigkeit

Solingen. Für ein Gelingen des UN-Klimagipfels in Paris machten sich gestern gut 100 Mitstreiter in Unterburg auf dem Weg - unter ihnen Marathon-Pilger Erwin Nissen, der 1470 Kilometer absolviert und von Dietmar Sträter in Dorp beherbergt wurde. Von Günter Tewes

Mit Fahnen, in Wanderschuhen und mit Rucksäcken haben sie sich an der Talstation der Seilbahn in Unterburg gestern auf den Weg gemacht in Richtung Balkhauser Kotten, die gut 100 Pilger - und sie gingen mit einer Botschaft im Gepäck: "Geht doch! Ökumenischer Pilgerweg für Klimagerechtigkeit." Schritt für Schritt wollen sie sich für ein Gelingen des UN-Klimagipfels im Dezember in Paris einsetzen.

Das sei ein wichtiges Zeichen. "Wir wollen mit dem Pilgerweg einen Beitrag leisten, die Schöpfung zu bewahren", sagte Sylvia Löhrmann bei der Andacht zum Start am Morgen und appellierte, den Klimawandel energisch zu bekämpfen. Die Schulministerin pilgerte einen ersten Teil der Tagesetappe mit. Lehrer Matthias Thon will mit Schülern der Klasse 8b sowie der Fifty-Fifty-Klimagruppe der Hauptschule Höhscheid sogar die ganze 23 Kilometer lange Tagesstrecke bis nach Leverkusen-Opladen mitgehen.

Der Pilgerweg führte auf seiner 1470 Kilometer langen Route zwischen Flensburg und Paris auch über Solingen. Aus Wuppertal kommend trafen die Klimapilger am Montagabend ein. Bei dem "Agenda-Nachtcafé" in der Stadtkirche unter dem Titel "Geht doch! Klimagerechtigkeit finanzieren!" ist nach den Worten von Superintendentin Ilka Werner dann vor allem auch eines deutlich geworden: "Bei allen guten politischen Forderungen und Konzepten - wenn wir uns selbst nicht verändern, tut sich nichts. Wir müssen bei uns anfangen." Die Superintendentin pilgerte gestern von der Seilbahn-Talstation aus mit. Ebenso wie Ulrike Spengler-Reffgen, Vorsitzende des Dekanatsrates der Katholiken: "Es ist ganz wichtig, dass ökologische Themen im Bewusstsein der Menschen wachgerufen werden beziehungsweise verankert bleiben."

Klar sei, betonte Spengler-Reffgen, dass das Eintreten gegen den Klimawandel Engagement von jedem Einzelnen erfordere. "Wir müssen auch bei uns selbst anfangen." Beispielsweise schlägt sie vor, mit dem Zug in den Urlaub zu fahren, statt ins Flugzeug zu steigen.

Erwin Nissen nimmt fürs Klima sogar einen ziemlich weiten Fußweg auf sich. Der 66-Jährige pilgert nämlich die gesamte 1470 Kilometer lange Strecke bis in die französische Hauptstadt. Vor 45 Tagen ist er in Flensburg gestartet, 78 Tage wird er insgesamt unterwegs sein bis zum Eintreffen in Paris. Unterwegs verteilt er Zettel, die über Klimaschutz und Klimagerechtigkeit informieren. Denn, so Superintendentin Werner, "unser westlicher Lebensstil und der dadurch verursachte Klimawandel beeinträchtigen bereits heute die Lebenschancen von Menschen in vielen von Armut betroffenen Regionen in der Welt".

Pilgern hilft, den Kopf frei zu bekommen, sich aufs Wesentliche zu besinnen. Erwin Nissen, dessen Rucksack das Klimapilger-Emblem schmückt, wirkt ausgesprochen entspannt. Ebenso wie Christian Seidel, der Mann aus Potsdam absolviert ebenfalls noch die Strecke bis nach Paris. Die beiden Marathon-Pilgerfreunde beherbergt zwischen den Etappen in Solingen hat Dietmar Sträter aus der Dorper Kirchengemeinde. Hoffentlich, sagte er, beeindruckt der Pilgerweg die Politiker, so dass in Paris verbindliche Klimaziele festgelegt werden.

Quelle: RP
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