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Solingen
Pilotprojekt gegen Sturzfluten in Gräfrath

Solingen: Pilotprojekt gegen Sturzfluten in Gräfrath
Bei Gewitterfluten können die Gullys an Plätzen und Straßen die Wassermassen nicht fassen. Problem des historischen Marktplatzes in Gräfrath ist zusätzlich, dass bei Unwettern die Sturzbäche im unteren Bereich der Altstadt wie in einem Trichter zusammenströmen. FOTO: Stephan Köhlen
Solingen. 70 Zentimeter war der untere Bereich am historischen Markt 1999 nach einem Unwetter überflutet. Kürzlich wäre das beinahe wieder passiert, soll aber in Zukunft verhindert werden. Die Stadt reagiert auf den Klimawandel. Von Günter Tewes

Als die tiefdunkle Gewitterwolke vor zwei Wochen auf Gräfrath zusteuerte, drohte in der Senke am historischen Markt wieder Land unter. Um ein Haar wäre es auch so gekommen. "Wir haben einfach nur Glück gehabt", sagt Manfred Müller, bei den Technischen Betrieben Solingen (TBS) verantwortlich für die Stadtentwässerung. Wie durch ein Wunder drehte das Unwetter an diesem Tag buchstäblich in letzter Minute ab, so dass der Regenguss mit 100 Litern pro Quadratmetern über Wuppertal niederprasselte. Es wäre, so Müller, heftig geworden - so wie 1999, als sich die Regenfluten im untereren Bereich am Gräfrather Markt auf 70 Zentimeter aufstauten und erheblichen Schaden anrichteten.

Die Altstadt von Gräfrath liegt denn auch im Focus bei dem Pilotprojekt, das Solingen derzeit entwickelt und das bei Stadt- und Entwässerungsplanern bundesweit Beachtung findet. Konzept ist, die Sturzfluten nach heftigen, aber meist stets auch immer kurzfristigen Unwettern mit klugem System oberflächlich abzuleiten, aufzuteilen und, so weit es geht, zwischenzuspeichern. Damit auf dem historischen Markt wie in einem Trichter in kurzer Zeit erst gar nicht solche Sturzbäche zusammenfließen, soll beispielsweise oberhalb ein alter Teich als Auffangspeicher genutzt werden - zudem öffentliche Flächen an anderer Stelle in Gräfrath. "In diesem Jahr wollen wir das Konzept, das dann überall im Stadtgebiet umgesetzt werden könnte, in die politische Diskussion geben", erklärt Müller auf Anfrage im Gespräch mit unserer Redaktion.

Sein Appell: "Wir müssen Ideen entwickeln und agieren, und wir können das als kommunale Aufgabe nur im Team lösen."

Denn der Klimawandel kommt nicht erst noch, der ist nach Müllers Worten bereits da. Seit der Überflutung des unteren Bereiches am Gräfrather Markt im Jahr 1999 haben sich schon 15 kräftige Unwetter über Solingen ergossen. Dabei dürften die nach bisheriger Statistik eigentlich jeweils nur alle 20 Jahre auftreten. "Die Takte werden immer kürzer", erklärt der TBS-Teilbetriebsleiter.

Als Reaktion darauf wäre es wohl der falsche Weg, Millionen-Beträge in immer größere Abflussrohre unter den Straßen sowie reihenweise neuer Regenrückhaltebecken zu verbauen. Zumal derart gegen Unwetterfluten ohnehin kein Kraut gewachsen wäre. "Für normale sowie für stärkere Regenereignisse ist das Solinger Kanalnetz ausreichend dimensioniert", betont Müller mit Blick auf neuere Erkenntnisse einer Untersuchung mit der Uni Wuppertal. Seit Jahren praktiziert Solingen jedenfalls bereits den Ansatz, Niederschläge bei Starkregen möglichst so abzuleiten, dass er nicht schadet beziehungsweise gefährdet. In Rüden beispielsweise wird die Straße dafür genutzt. Am Bismarckplatz in Mitte werden Sturzbäche in eine Wiese geleitet.

Hochwasserschutz Eschbach

Unwetter mit Gewittergüssen sind das eine, Hochwasser im Gewässer ist davon zu unterscheiden, wie Müller betont. Diesbezüglich ist die Solinger Topographie günstig. Über Gräfrath in Richtung Höhscheid und Aufderhöhe verläuft eine Wasserscheide durch die Stadt; an der einen Seite fließen die in Solingen entspringenden Gewässer zur Itter, an der anderen zur Wupper. Kritisch ist der Eschbach, der aus Wermelskirchen kommt und auf einer Länge von zehn Kilometern von vielen Remscheider Zuläufen gespeist wird. Das Hochwasserproblem, das damit in Unterburg verbunden ist, wird mit den in der vergangenen Woche gestarteten Bauarbeiten an der Eschbachstraße derzeit angegangen. Am Viehbach wird momentan ebenfalls erheblich investiert und ein neuer Mischwassersammler gebaut.

Quelle: RP
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