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Solingen
Politik erhöht Druck auf National Express

Solingen: Politik erhöht Druck auf National Express
Ein Zug der Regionalbahn 48 am Solinger Hauptbahnhof in Ohligs. FOTO: Stephan K�hlen
Solingen. Nach den Zugausfällen der RB 48 vor einigen Wochen fordern Politiker, die Pannen beim privaten Bahnbetreiber bei künftigen Vergaben zu berücksichtigen. Das Unternehmen kündigt an, ab nächster Woche neue Lokführer einzusetzen. Von Martin Oberpriller und Günter Tewes

Wenigstens gestern funktionierte alles nach Plan. "Wir haben zurzeit keine Schwierigkeiten mit Zugausfällen", sagte ein Sprecher des privaten Bahnunternehmens National Express am Montagnachmittag auf Anfrage unserer Redaktion - und gab so zumindest schon mal eine vorläufige Entwarnung, nachdem es zuletzt bei dem Betreiber der Regionalbahn RB 48 sowie des Regionalexpresses RE 7 nicht gerade rund gelaufen war.

Weil sich mitten in der Urlaubszeit überraschend weitere der für die RB 48 vorgesehenen Lokführer krankgemeldet hatten, war der Fahrplan der Regionalbahn an einigen Tagen Ende Juli förmlich kollabiert. National Express hatte vor allem in den Morgenstunden ganze Züge auf der wichtigen Strecke zwischen Wuppertal und Köln beziehungsweise Bonn einfach ersatzlos gestrichen. Mit dem Ergebnis, dass für viele, durch den gleichzeitigen Schienenersatzverkehr ohnehin schon genervte Solinger Pendler am Bahnhof Leichlingen Endstation gewesen war.

Eine bislang beispiellose Pannenserie im Öffentlichen Nahverkehr der Region, die nach wie vor für Verärgerung sorgt. So haben nun zahlreiche Politiker den Druck auf den britischen Bahnbetreiber merklich erhöht. "Wir müssen feststellen, dass es bei National Express immer wieder zu Problemen kommt", sagte gestern beispielsweise der Solinger Landtagsabgeordnete Josef Neumann (SPD), der darum genauso wie sein Bundestagskollege von der CDU, Jürgen Hardt, Konsequenzen verlangte.

So forderte Sozialdemokrat Neumann, bei künftigen Vergaben von Linien im Schienenverkehr müsse unbedingt über Vertragsstrafen für die Bahnbetreiber gesprochen werden, sollten diese sich nicht an die Vorgaben halten. Und Christdemokrat Hardt mahnte an, die bislang deutlich gewordenen Probleme bei National Express in die Überlegungen mit einzubeziehen, wenn es später darum gehe, die Strecken neu zu vergeben - was bei Josef Neumann wiederum auf Zustimmung stieß. "Der günstigste Preis bringt es nicht, wenn sich diejenigen, die den Auftrag bekommen, letztlich nicht an die gemachten Zusagen halten", betonte der SPD-Mann am Montag im Gespräch mit unserer Redaktion.

Eine Neuausschreibung der RB 48 ist indes zurzeit noch reine Zukunftsmusik, da National Express den Betrieb der Strecke unter anderem vom Verkehrsverbund Rhein-Ruhr vor einigen Jahren bis zum Jahr 2030 zugesprochen bekommen hatte. Aus diesem Grund setzt die Politik augenblicklich vor allem auf kurzfristige Abhilfe. So müssten die Probleme mit National Express möglichst zeitnah besprochen werden, sagte Josef Neumann, während der christdemokratische Landtagsabgeordnete Arne Moritz gestern einen eigenen Vorschlag unterbreitete. So solle der private Bahnbetreiber bei Engpässen ganze Züge inklusive Personal bei der Bahn AG "anmieten", regte Moritz an.

Dies allerdings ist laut National Express nicht möglich. "Das ginge nur mit einem Vorlauf von einer Woche", sagte der Unternehmenssprecher, der aus diesem Grund seine Hoffnung vielmehr auf zusätzliche Lokführer richtet, die zum 1. August neu eingestellt worden sind.

Diese Kräfte durchlaufen zurzeit noch Schulungen und sollen dann ab der kommenden Woche nach und nach auf den Triebwagen der RB 48 eingesetzt werden. Und bis dahin könne man auf fünf weitere Lokführer zurückgreifen, die kurzfristig über eine Leiharbeitsfirma engagiert worden seien, teilte National Express mit.

In den Augen von Sozialdemokrat Neumann dürften solche Behelfslösungen jedoch kaum das geeignete Mittel der Wahl sein. "Wir sprechen über eine öffentliche Daseinsvorsorge, die öffentlich mitfinanziert wird", betonte der Landtagsabgeordnete, der selbst schon Opfer von Verspätungen sowie Ausfällen wurde und darum zu einer der Not geschuldeten Taktik übergegangen ist. Als regelmäßiger Bahnkunde nehme er inzwischen oft einen Zug früher, um seine Termine einhalten zu können, verriet Neumann.

Quelle: RP
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