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Solingen
Polizei nimmt Ehemann von Hanaa S. fest

Solingen: Polizei nimmt Ehemann von Hanaa S. fest
Im Mai 2015 durchsuchte eine Spezialeinheit der Polizei unter anderem einen Kiosk im Düsseldorfer Stadtteil Bilk. FOTO: Endermann (Archiv)
Solingen. Der Mann und Schwager der vermissten Frau sitzen in U-Haft. Beide sollen die 35-jährige mit dem Sohn der sechsfachen Mutter und einem anderen Verwandten umgebracht haben. Die Leichen-Suche dauert an. Von Martin Oberpriller und Stefani Geilhausen

Es ist eine weitere spektakuläre Wende im Fall der schon seit April vergangenen Jahres spurlos verschwundenen Hanaa S. aus Solingen. Wie die Staatsanwaltschaft und die Polizei Wuppertal gestern in einer gemeinsamen Erklärung mitteilten, wurden jetzt der 41-jährige Ehemann der vermissten Frau sowie dessen 35 Jahre alter Bruder festgenommen.

Die zwei Männer sitzen nach Angaben der Ermittler inzwischen in Untersuchungshaft. Die Zugriffe durch die Beamten der Wuppertaler Mordkommission erfolgten bereits am Montag beziehungsweise am Dienstag. Der Ehemann von Hanaa S. wurde in Köln gefasst, der Schwager der Solingerin wiederum ging den Fahndern nach Informationen unserer Redaktion in Düsseldorf ins Netz.

Spürhunde der Polizei schlugen bei der Durchsuchung des Kiosks in Düsseldorf an. Eine Leiche wurde aber bis heute nicht gefunden. FOTO: end

Damit richten sich die Ermittlungen nunmehr gegen insgesamt vier Familienangehörige der Frau, die zuletzt am 21. April 2015 lebend in Solingen gesehen worden war. Zuvor waren im zurückliegenden Herbst schon ein anderer Schwager in Kroatien sowie der damals 17-jährige Sohn der Vermissten in Deutschland unter dem dringenden Verdacht verhaftet worden, etwas mit dem Verschwinden von Hanaa S. zu tun zu haben.

Dabei handelt sich um einen der mysteriösesten Kriminalfälle der vergangenen Jahre in der Klingenstadt. Die Polizisten der zuständigen Mordkommission gehen davon aus, dass die Mutter von sechs Kindern Opfer eines Gewaltverbrechens geworden ist. So könnte ein tiefes Zerwürfnis innerhalb der Familie das Motiv für die Tat gewesen sein. Es wird vermutet, dass die vier Männer, die sich jetzt in U-Haft befinden, Hanaa S. zunächst verschleppten und später töteten. Der Grund: Die zum Zeitpunkt ihres Verschwindens 35-Jährige hatte angekündigt, mit ihrem Ehemann brechen und die Familie verlassen zu wollen.

Tatsächlich haben die Fahnder schon seit längerer Zeit keinerlei Hoffnung mehr, dass sie die gebürtige Irakerin noch einmal lebend finden werden. Im Gegenteil - die Fachleute der Mordkommission waren sich schon relativ früh nach Bekanntwerden des Falles sicher, dass die Solingerin Opfer eines Gewaltverbrechens geworden sein musste.

So gilt es unter den zuständigen Polizeibeamten als erwiesen, dass die Frau bereits kurz nach der Entführung umgebracht wurde. Die Spur von Hanaa S. verlor sich jedenfalls am Tag ihres Verschwindens vor ihrem eigenen Wohnhaus an der Hasselstraße im Osten der Stadt für immer.

Seitdem gibt es nicht mehr das geringste Lebenszeichen von der jungen Irakerin - trotz umfangreicher Ermittlungen, die die Fahnder nach ihrem Verschwinden einleiteten. So durchsuchte eine Spezialeinheit der Polizei beispielsweise im Mai des vergangenen Jahres in Düsseldorf einen Kiosk, der Verwandten der Vermissten gehört. Dort sowie in dem dazugehörigen Treppenhaus und in einem Fahrzeug schlugen seinerzeit Spürhunde der Polizei an, so dass die Vermutung nahe liegt, dass die 35-Jährige nach ihrer mutmaßlichen Entführung zunächst nach Düsseldorf gebracht worden war.

Allerdings konnte die Leiche von Hanaa S. bis zum heutigen Tag nicht gefunden werden. Im Sommer und Herbst 2015 durchsuchte die Polizei im Zusammenhang mit dem in der Landeshauptstadt aufgefunden Auto mehrere Waldgebiete nahe Karlsruhe im Norden von Baden-Württemberg - ohne das dies zu einem Erfolg führte.

"Die Ermittlungen zum Verbleib von Hanaa S. dauern an", hieß es dementsprechend gestern aus Ermittlerkreisen. Zu einer Mordanklage durch die Staatsanwaltschaft soll es aber auch ohne einen Fund der sterblichen Überreste von Hanaa S. kommen.

Quelle: RP
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