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Solingen
Prägende Momente einer 25-jährigen Partnerschaft

Solingen. Anlässlich des Jubiläums der Partnerschaft zwischen Aue und Solingen erzählten Zeitzeugen aus beiden Städten ihre Geschichten zur Wiedervereinigung. Von Maxine Herder

Es waren die ganz persönlichen Geschichten, die Erinnerungen von Menschen, die die Wiedervereinigung und die Entstehung der Partnerschaft der Städte Solingen und Aue ganz nah miterlebt haben, die am Samstagvormittag in der Schalterhalle des Alten Hauptbahnhofs im Mittelpunkt standen: Denn bei der Partnerschaftsfeier anlässlich von 25 Jahren Wiedervereinigung und zugleich 25 Jahren Städtefreundschaft mit Aue sollten ganz gezielt die Zeitzeugen aus der Klingen- und der Erzgebirgsstadt zu Wort kommen, davon berichten, wie sie jene denkwürdige Monate im Jahr 1990 erinnern und erzählen, wie sich ihr Leben dadurch verändert hat.

So berichtete Gerd Kaimer, der Oberbürgermeister von Solingen in den Jahren 1984 bis 1997 und Initiator der Partnerschaft, von jenem Moment, den er im Nachhinein als den bewegendsten seiner Amtszeit bezeichnete: Am 5. Februar 1990 sprach Kaimer über das Mikrofon eines Autos der Volkspolizei in Aue bei einer Montagsdemonstration, versicherte den Auern die Unterstützung der Solinger beim Kampf für Freiheit und Demokratie. Ausschnitte seiner damaligen Rede verlas er nun noch einmal bei der Feier. Auch der Solinger Journalist Uli Preuss, der im Februar 1990 ebenfalls nach Aue gereist war, erinnert sich an eindrückliche Szenen: "Tausende Menschen waren ruhig und hörten einfach nur zu. Das war eine richtige Gänsehaut-Atmosphäre." Mit seiner Kamera war Preuss damals in Aue unterwegs, sprach mit den Menschen - und traf auf große Aufgeschlossenheit. "Der Höhepunkt war für mich die Begegnung mit dem Hausmeister der Stasi-Zentrale, der mich als westdeutschen Journalisten in die Stasi-Zentrale eingeladen hat."

Corinna Schlupp war 16 Jahre alt, als sie im Rahmen des Ausbildungsverbunds zwischen den Verwaltungen von Solingen und Aue 1990 aus Aue in die Klingenstadt kam. Nach der Ausbildung hätte sie in Aue eine Halbtagsstelle antreten können, entschied sich jedoch für die Beamtenlaufbahn in Solingen - und fand hier ihr persönliches und berufliches Glück: 1998 heiratete sie einen Solinger, arbeitet heute für die Tourismusförderung.

Und auch für die Auerinnen Gabriele Röhr und Jana Hecker war die Wiedervereinigung ein ganz besonderer Wendepunkt auch in ihrer persönlichen Biografie: Röhr war bei der Wende 26 Jahre alt - und startete mit ihr in ihr Berufsleben in einem großen Auer Betrieb. "Ich empfinde große Dankbarkeit, dies alles erlebt haben zu dürfen." Gleich nach der Wende hatte sie beruflich immer wieder in Nordrhein-Westfalen zu tun. "Ich habe nicht eine negative Erinnerung, wo ich sagen müsste, ich habe mich hier nicht angenommen gefühlt." Sie seien im Westen wirklich willkommen gewesen, sagte auch Jana Hecker, die nach der Wiedervereinigung im Presseamt der Stadt Aue eine Stelle fand. "Die Leute haben sich gefreut, uns zu sehen. Die Hilfsbereitschaft war unglaublich", erinnerte sie sich vor rund 150 Gästen, die der Gesprächsrunde aufmerksam folgten.

Quelle: RP
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