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Solingen
Privatschule will Bedrohungen trotzen

Solingen: Privatschule will Bedrohungen trotzen
Schulleiterin Inge Sassin vor dem Schulgebäude an der Stadtgrenze Solingen/Wuppertal: Die Schule, die rund 40 Solinger Kinder besuchen, steht der islamischen Gülen-Bewegung nahe. FOTO: Stephan Köhlen
Solingen. Die Realschule Boltenheide, die vom Solinger Verein "Spektrum" betrieben wird, ist seit dem Putsch in der Türkei Anfeindungen ausgesetzt. Etliche Kinder wurden schon abgemeldet. Doch klein beigeben will die Schule nicht. Von Martin Oberpriller

Seit dem Putschversuch in der Türkei sind fast zwei Monate vergangen - doch noch immer sorgt der gescheiterte Staatsstreich gegen den türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan auch hierzulande für teilweise heftige Reaktionen. Die türkischstämmige Minderheit im Bergischen Land ist nach wie vor tief gespalten, was dazu führt, dass Institutionen, die der islamischen Gülen-Bewegung zugeordnet werden, weiterhin konkreten Anfeindungen ausgesetzt sind.

So hat die private Realschule Boltenheide an der Stadtgrenze von Wuppertal und Solingen, die vom Solinger Spektrum-Verein betrieben wird und die auch viele Kinder aus der Klingenstadt besuchen, in den zurückliegenden Wochen rund zehn Prozent ihrer Schüler verloren. Das bestätigte jetzt Schulleiterin Inge Sassin im Gespräch mit unserer Redaktion.

"Etliche Eltern sind selbst bereits unter Druck gesetzt worden und verunsichert", sagte die Rektorin, die die Realschule seit deren Gründung im Jahr 2010 führt. So sei die Schule im August nur noch mit etwa 180 Mädchen und Jungen in das neue Schuljahr gestartet, nachdem eigentlich ungefähr 200 Schüler angemeldet gewesen seien.

Dabei ist die Angst der Eltern durchaus nachvollziehbar. Denn seitdem die Gülen-Bewegung von der türkischen Regierung und Staatsführung bezichtigt wird, hinter dem Putschversuch vom Juli zu stehen, findet auch im Bergischen Land eine sprichwörtliche Hexenjagd auf die Anhänger dieser Richtung im Islam statt. So kam es in Solingen sowie in den anderen bergischen Großstädten wiederholt zu Bedrohungen beziehungsweise tätlichen Angriffen.

Eine Entwicklung, die an der Realschule Boltenheide ebenfalls nicht spurlos vorbeigeht. So beschmissen Unbekannte zuletzt das Schulgebäude mit Eiern. Und zudem waren Mitarbeiter der Schule - vor allem in sozialen Medien im Internet wie zum Beispiel bei Facebook - zum Teil wüsten Beschimpfungen ausgesetzt.

Einschüchtern lassen wollen sich die Verantwortlichen der Schule von all dem indes nicht - zumal zuletzt Kinder, die zuvor abgemeldet worden waren, sogar schon in die Schule zurückkehrten. "Die ersten Eltern schicken ihre Töchter und Söhne wieder zu uns", sagte Schulleiterin Inge Sassin, die dementsprechend gar nicht daran denkt, vor möglichen Repressalien zurückzuweichen.

In den ersten Wochen nach dem gescheiterten Staatsstreich in der Türkei organisierte die Realschule unter anderem eine Nachtwache, die in der Dunkelheit um das Gebäude patrouillierte. Darüber hinaus fuhr aber auch die Polizei verstärkt Streifen, um die Schule zu sichern. "Diese Maßnahmen sind zwar inzwischen beendet", sagte gestern eine Polizeisprecherin auf Anfrage. Dennoch halte man die Schule auch zukünftig im Auge, hieß es vonseiten der Polizei.

Die Realschule selbst sieht sich angesichts der polizeilichen Präsenz gut geschützt, wie Schulleiterin Sassin betonte. Etwas mehr Unterstützung würde man sich hingegen vonseiten der Landesregierung wünschen, die immerhin für Schulangelegenheiten zuständig ist. "Da fühlen wir uns ein wenig alleingelassen", sagte Inge Sassin.

Quelle: RP
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