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Solingen
Prozess-Auftakt im Eiltempo

Solingen. Raubmord an Rentner: Die fünf Angeklagten stammen aus Solingen und Krefeld.

Der Prozessauftakt im Fall um den brutalen Mord an dem Rentner Hans Werner L. vor dem Krefelder Landgericht war schon nach einer halben Stunde beendet. Die Angeklagten - vier Männer und eine Frau im Alter von 27 bis 53 Jahren aus Solingen und Krefeld - schwiegen. Das öffentliche Interesse war groß.

Es ist eine Mischung aus interessierten Krefeldern, Angehörigen des Opfers und der Täter sowie der Presse. "Weil das so ein brutales Verbrechen ist", nennt eine Frau ihr Motiv, sich das Verfahren anzusehen. Als die fünf Angeklagten den Saal betreten, sind viele Sitzplätze belegt. Rund ein Dutzend Journalisten warten. Die mutmaßlichen Täter schützen ihre Gesichter mit Aktenordnern.

Als die Staatsanwältin die Anklageschrift verliest, wischt sich die 53-Jährige auf der Anklagebank immer wieder Tränen weg. Eine Zuschauerin berichtet hinterher entsetzt, sie habe einen der Angeklagten grinsen sehen. Ganz still wird es, als die Staatsanwältin das Kerngeschehen beschreibt: Der 79-Jährige wurde an Händen, Füßen und Oberarmen gefesselt, sein Gesicht "vollständig vertikal und horizontal mit Klebeband" verdeckt. Lediglich kleine Öffnungen an der Nase wurden ausgespart. Die Täter handelten aus Habgier, und um einen Raub zu verdecken.

Sie hätten zumindest billigend in Kauf genommen, dass der Mann aufgrund seines hohen Alters und der Gewalteinwirkung sterben könnte. Als sie seinen Tod bemerkten, nahmen sie Antiquitäten mit und flohen. Die Messingfiguren, Holzkreuze, eine Ausgabe mit Schillers Werken und weitere Gegenstände dürften kaum den Bruchteil des erhofften Gewinns erzielt haben.

Die fünf Angeklagten sollen den Rentner am 25. Oktober vergangenen Jahres in seiner Wohnung überfallen haben. Ein zuletzt in Krefeld wohnhafter Mann habe geklingelt und sich als Lieferant ausgegeben. Die drei weiteren Männer sollen den Rentner überwältigt, gefesselt und geknebelt haben. Die 53-Jährige habe den Tatort und die Beute gesichert.

Die Verdächtigen wurden im Januar festgenommen. Der Tatvorwurf lautet Mord in Tateinheit mit Raub mit Todesfolge. Zwei Männer müssen sich außerdem wegen Einbruchdiebstahls in ein Krefelder Einfamilienhaus verantworten.

Die Beteiligten wollten sich weder zu den Tatvorwürfen noch zu den persönlichen Verhältnissen äußern. Die Kammer war im Hinblick auf vorangegangene Einlassungen davon ausgegangen, dass Angaben gemacht werden. Deshalb wurden noch keine Zeugen geladen.

Zahlreiche Fortsetzungstermine sind bis Oktober geplant.

(bl / gra)
 
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