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Solingen
Quatschkopf

Solingen. Seit 2005 veröffentlicht der Solinger Autor Andreas Glumm seine Kurzgeschichten in dem Weblog „500beine“. Jetzt ist eine gelungene Auswahl in dem Buch „6 Herrengedecke – und ein Sessel aus Plüsch“ erschienen. Von Michael Tesch

„Ich bin hauptsächlich ein Quatschkopf. Wieso kann ich mein Maul nicht halten?“ Was sich bitter rächt, wenn ein „zu klein geratener Handelsvertreter im billigen Sakko, spätabends getrieben von Schlafstörungen um die Rezeption herumwieselt“ und nur auf seine Chance lauert, den Nachtportier in ein Gespräch verwickeln zu können. Der Solinger Autor Andreas Glumm kennt solche Situationen, war er selber doch jahrelang als Nachtportier im Turmhotel beschäftigt. Und so kann Glumm in seiner Kurzgeschichte „Dann kommt Johnny“ auf seinen großen Erfahrungsschatz an Erlebtem zurückgreifen. Auf die Frage des Handelsvertreters, was der Nachtportier denn sonst so treiben würde, antwortet dieser: „Also, ich . . . äh . . . schreibe“.

Weblog „500beine“

Spätestens an dieser Stelle der Geschichte wird klar, dass für Andreas Glumm das eigene Leben den größten Schatz an Geschichten parat hält. Und da der Tag des Solingers mindestens eine autobiographisch eingefärbte Kurzgeschichte parat hält, schreibt Glumm seit 2005 einen Weblog. Sein „500 Beine“-Web-Tagebuch – bestehend aus Kurzgeschichten, Anekdoten, Bonmots und Lakonischem – hat mittlerweile nicht nur viele Dauerleser gefunden, sondern in der Blogger-Szene auch Kultstatus gewonnen. Und da Glumm tief hinein in sein ganz alltägliches Leben greift, fühlt man sich als Leser aus Solingen in den Texten des Autors besonders schnell heimisch. Und obwohl der Autor seinen teilweise stadtbekannten Personen andere Namen gibt, ahnt man dennoch mehr oder weniger schnell, um wen es sich handeln könnte. Manchmal gibt Glumm sogar selber Hinweise zur Enttarnung. So handelt es sich bei der immer wieder auftauchenden „Gräfin“ um Susanne, die Lebensgefährtin Glumms, und hinter den Namen „Frau Moll“ versteckt sich ein weiteres Familienmitglied – nämlich der Hund des Autors.

Eine gute Gelegenheit für alle, die Literatur nicht auf einem Computerbildschirm, sondern in gedruckter Form eines Buches lesen wollen, bietet jetzt der von Sandra Schröder herausgegebene Band „6 Herrengedecke – und ein Sessel aus Plüsch“. Texte von sieben Bloggern sind in dem Band versammelt, der eine lesenswerte Auswahl aus der literarische Blogger-Szene gibt. Von Andreas Glumm finden sich gleich 18 Kurzgeschichten in dem Buch. „Manchmal sind die Geschichten noch warm, wenn ich mich an den Schreibtisch setze. Wie frische Brötchen, die man in der Bäckerei gekauft hat und die Verkäuferin ruft einem aufgeregt hinterher: Die Tüte nicht zumachen, die werden sonst weich. Die müssen ausatmen.“ Und wie gut solche Brötchen schmecken, wenn man dabei eine Geschichte Glumms liest, sollte jeder unbedingt einmal selber ausprobieren.

Quelle: RP
 
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