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Was Nebenan Passiert Bezirk Mitte
Raser mit 100 km/h vor Kita erwischt

Was Nebenan Passiert Bezirk Mitte: Raser mit 100 km/h vor Kita erwischt
Die Augustastraße gehört zu den beliebten Ausweichstrecken in der Innenstadt. FOTO: Martin Kempner
Solingen. Eine Messung brachte es ans Licht: Viele Autofahrer fahren vor der Kita an der Augustastraße zu schnell. Nach dem Willen der Bezirkspolitiker soll eine 30er-Strecke mit Kontrollen die Fahrer zur Vernunft bringen. Langfristig wird ein Kreisel verlangt. Von Martin Oberpriller

Eigentlich war es eine ganz normale Verkehrsmessung gewesen, zu der sich die städtischen Mitarbeiter am 9. November des vergangenen Jahres an der Augustastraße verabredet hatten. 24 Stunden lang sollte die Geschwindigkeit der vorbeifahrenden Autos vor einer Kindertagesstätte überprüft werden. Aber die Ergebnisse, die am Ende standen, dürften selbst erfahrenen Beamten die Haare sprichwörtlich zu Berge stehen gelassen haben. Denn auf der Straße in Mitte, auf der zurzeit noch Tempo 50 gilt, waren an jenem Mittwoch fast 40 Prozent aller Autofahrer zu schnell.

Der "Spitzenreiter" brachte es gar auf einen Wert von 100 km/h, wie Sonja Häcker, zuständige Abteilungsleiterin im Stadtdienst Mobilität, am Donnerstagabend den erschrockenen Mitgliedern der Bezirksvertretung (BV) Mitte bei deren Sitzung im alten Rathaus an der Cronenberger Straße mitteilte. Doch fortan soll den Rasern vor der Kita das Handwerk gelegt werden. Die BV hat nämlich nun mit den Stimmen der CDU und der Mehrheit der SPD unter anderem beschlossen, im unteren Bereich der Augustastraße zu den Kita-Öffnungszeiten eine Tempo-30-Strecke einzurichten.

Unumstritten war diese Entscheidung allerdings nicht. Der Grund: Den Grünen sowie Linken geht die Einschränkung nicht weit genug. So sprach sich vor allem Birgit Evertz (Grüne) dafür aus, statt der Strecke lieber gleich eine Tempo-30-Zone mit baulichen Maßnahmen zur Straßenverengung zu schaffen - wie sie im Übrigen auch von der Stadt empfohlen wurde. "Nur so werden wir es schaffen, die Geschwindigkeit auf der Augustastraße zu reduzieren", begründete Evertz ihre Haltung.

Dies ginge indes vor allem der CDU viel zu weit. Die Christdemokraten sahen zwar auch die Notwendigkeit, etwas für die Sicherheit der Kindergartenkinder zu unternehmen. Allerdings ist die Union der Meinung, dass die nun zunächst einmal beschlossene 30er-Strecke ausreicht - und bezweifelte obendrein in Person von Detlef Plüming auch gleich noch die von der Stadtverwaltung präsentierten Messergebnisse.

"Sie machen sich die Zahlen, wie sie ihnen passen", sagte Plüming an die Adresse von Abteilungsleiterin Häcker gerichtet. Wobei der Streit, den Bezirksbürgermeister Richard Schmidt (SPD) schließlich schlichtete, bei Lichte betrachtet gar nicht so sehr an der Frage nach einer 30er-Strecke beziehungsweise einer 30er-Zone entbrannte. Denn tatsächlich besteht der Unterschied zwischen diesen beiden Optionen hauptsächlich darin, dass eine Strecke nur in Höhe einer potenziellen Gefahrenstelle (Kita) zu realisieren ist, während die im Raume stehende Zone größere Bereiche der Augustastraße umfasst hätte sowie teurer gekommen wäre.

Vielmehr nutzten die CDU-Vertreter in der BV-Sitzung die Gelegenheit, um noch einmal auf die aus ihrer Sicht unzumutbare Verkehrssituation in der Solinger Innenstadt aufmerksam zu machen. "Auch weil die Grünen es vor Jahren geschafft haben, eine Westtangente zu verhindern, haben wir heute Probleme mit Autos, die sich Schleichwege suchen", sagte beispielsweise Hansjörg Schweikhart als Sprecher seiner Partei in der BV. Was nach dem Dafürhalten der Christdemokraten in Kombination mit einer Tempo-30-Zone auf der Augustastraße einzig den Effekt nach sich gezogen hätte, dass die Autofahrer fortan andere Straßen zu Ausweichstrecken im täglichen Stau umfunktioniert hätten.

Die CDU plädiert dahingegen mittelfristig für einen Kreisverkehr an der Ecke Augustastraße/Weyersberger Straße. Denn so würden nicht allein die Nutzer der Augustastraße zu einer rücksichtsvolleren Fahrweise als augenblicklich gezwungen, sondern überdies die momentanen Verkehrsbehinderungen in der gesamten Gegend teilweise entschärft, argumentierte die Union.

Wann aber die zurzeit noch in Funktion befindliche Ampel durch einen Kreisel ersetzt wird, ist ungewiss. Wohl ist die Ampel 2018 abgeschrieben, wird jedoch wahrscheinlich erst dann ausgetauscht, wenn sie kaputt geht. "Der Bau eines Kreisverkehrs könnte noch fünf bis zehn Jahre auf sich warten lassen", hieß es am Donnerstag vonseiten der Stadtverwaltung.

Was wiederum den Kindergartenkindern von heute nicht hilft. Die sollen nun erstmal mittels der 30er-Strecke an der Kita geschützt werden. "Um dies zu gewährleisten, muss dort einmal pro Woche geblitzt werden", forderte Bezirksbürgermeister Schmidt. Und würde sich dann herausstellen, dass viele weiter zu schnell unterwegs seien, müsse tatsächlich über eine Tempo-30-Zone inklusive Verengungen nachgedacht werden, betonte Schmidt, der für die nächste BV-Sitzung zudem einen Antrag für einen Kreisel in Aussicht stellte.

Quelle: RP
 
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