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Solingen
Rasten statt rasen - eine Reportage

Solingen: Rasten statt rasen - eine Reportage
Noch kein Frühstück im Magen, aber jetzt zumindest den ersten Schluck Kaffee: Christina Berger und Dirk Theilen aus dem Westerwald machen auf ihrer Fahrt in den Kurzurlaub nach Holland Pause auf der Autobahn-Raststätte Ohligser Heide. FOTO: Matzerath
Solingen. Tagesanbruch auf der A 3-Raststätte "Ohligser Heide": Wir treffen ein Paar auf Kurzurlaub, die Eltern eines Rennfahrers und Linienbusse auf ihrer Jungfernfahrt. Von Dirk Neubauer

Der rosa Hörer, der massive Metallkasten, die Münz-Schlitze - unwillkürlich schaut man ein zweites Mal hin. Tatsächlich - eine Telefonzelle! Während es langsam heller und das Rauschen der vorbeirasenden Autos lauter wird, fingern Daumen und Zeigefinger nach einer Münze. "Hallo Schatz, ich bin an der Raststätte Ohligser Heide und in einer..." Da ist das Geld fürs Ferngespräch schon zu Ende, aber die Phantasie springt an. Der auf der Raststätte vergessene Ehemann, die ausgesetzte Schwiegermutter - sie hätten hier eine Chance, Hilfe herbeizutelefonieren, auch wenn das Handy im Auto davongefahren ist. Raststätten-Besuch an der A 3, Fahrtrichtung Nord, an einem Ferienmorgen.

Die Hauptreise- sind Hauptgeschäftszeiten - weiß David Stöppler von der Tank & Rast Holding: "Jetzt arbeiten an den Raststätten Ohligser Heide Ost und West rund ein Drittel mehr Service-Mitarbeiter." Auch der Warenumschlag läuft auf Hochtouren. Am Eingang preist ein Schild das Tagesmenü: Hähnchen mit Gemüse-Kartoffelpfanne 9,99 Euro. Tank & Rast betreibt mit der Hilfe von Pächtern in Deutschland 350 Autobahntankstellen und 390 Raststätten. Ohligs-Ost ist eine der Kleineren. "Eine Kompaktanlage", sagen Experten, weil Tankstelle, Raststätte und Shop unter einem Dach sind.

Für Christina Bergen und Dirk Theilen muss es jetzt erst einmal ein Kaffee sein. Vor zwei Stunden sind sie im Westerwald in einen Kurzurlaub aufgebrochen, ohne Frühstück. "Wir wollen nach Holland, zum ersten Mal ans Ijsselmeer", sagt Theilen. "Vielleicht finden wir ja auch ein schönes Wochenendhäuschen für uns..." Sie seien regelrechte Holland-Fans geworden, verrät Christina Bergen. Ein Domizil am Wasser wäre schön - Dirk Theilen ist passionierter Motorbootfahrer.

Zu früher Stunde dominieren an der Raststätte die Pendler. Um den Dienstwagen zu schonen, rauchen Männer in grauen Anzughosen im Freien. An der Diesel-Zapfsäule stoppt ein mülltütenblauer Linienbus der Wuppertaler Nahverkehrsbetriebe WSW. Kurz darauf - noch einer. Die jeweils mehr als eine viertel Million Euro teuren Fahrzeuge sind flammneu. Die Kfz-Mechaniker überführen sie vom Werk in Mannheim zum Betriebshof nach Wuppertal. "Keine Namen" - sagt einer. "Wir wollen keinen Ärger bekommen" - und geht bezahlen.

Laut www.preisvergleich.de belegte die Schwesterraststätte Ohligs West gegenüber Platz 2 im bundesweiten Benzinpreller-Ranking. Mehr als 600 Autofahrer brausten nach dem Tanken davon, ohne zu bezahlen. Hier, in Ohligs-Ost, haben Auto-Händler, laut Kennzeichen aus Polen, ihre Transporter über Nacht ins absolute Halteverbot gestellt. Nun fahren sie hupend weiter. Ein Fernfahrer frühstückt neben seinem Sattelschlepper.

Angelika und Herbert Wittmann sitzen in einem Wohnmobil mit Sattelitenschüssel auf dem Dach. Auf dem Weg von Fürth an die nordholländische Rennstrecke Zandvoort sind sie kurz vor Mitternacht hier gelandet. Ihr Sohn, Marco Wittmann, fährt für BMW in der DTM, der Deutschen Tourenwagen-Masters. Im vorigen Jahr gewann Marco das Rennen von Zandvoort. "Ob das dieses Mal wieder klappt, werden wir am Wochenende sehen", sagt sein Vater.

Und lobt die Übernachtungsstätte: "Wir haben hier sehr gut geschlafen. Irgendwie war es ruhiger als auf anderen Rastplätzen."

Quelle: RP
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