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Solingen
René Bölls Spurensuche auf Achill Island

Solingen: René Bölls Spurensuche auf Achill Island
René Böll stellt ab Dienstag in der Stadtkirche am Fronhof aus. Zur Vernissage hat sich der irische Botschafter angekündigt. Tom Daun wird zur Eröffnung um 19 Uhr irische Harfe spielen, Claudia Gahrke Gedichte von René Böll rezitieren. FOTO: Martin Kempner
Solingen. Der Solinger Kunstverein präsentiert Landschaftsbilder des Kölner Malers René Böll im Kirchenraum der Stadtkirche. Von Güdny Schneider-Mombaur

Achill Island, Irlands größte Insel, liegt an der Westküste. Sie hat nur knapp 2600 Einwohner. Torfmoore bestimmen das Landschaftsbild, dazu Moorseen, Berge, Schluchten und die höchsten Klippen Europas. Auf der Insel schrieb Heinrich Böll sein irisches Tagebuch. Sein Sohn, René Böll, kam 1955 als Sechsjähriger zum ersten Mal nach Achill und verbrachte als Kind und Jugendlicher viele Monate auf der Insel. Diese Eindrücke waren für seine künstlerische Entwicklung prägend, wie er selbst in einem Ausstellungstext schreibt. "Und die Gewalt der Elemente, Wasser, Wind, Sturm, Dunkelheit, alles viel elementarer als bei uns." Der Kölner Maler stellt auf Einladung des Solinger Kunstvereins einen Querschnitt durch sein künstlerisches Schaffen in der Stadtkirche aus.

Seine aktuellen Projekte beschäftigen sich intensiv mit Irland. Nach wiederholten Arbeitsaufenthalten auf der Insel sind in seinem Kölner Atelier großformatige Ölbilder entstanden, die von der Faszination ungewöhnlicher Orte erzählen. Vier Bilder in neblig farbigen Grautönen vom verschwundenen Dorf Finsheen, so auch der Titel der Ausstellung, evozieren eine unheimliche Stimmung. Finsheen, ein Weiler mit nur zwölf Häusern, ist nur noch archäologisch nachweisbar. Von den Menschen und Schicksalen der Bewohner weiß man nichts mehr. Der Platz ist heute mit einer Kirche aus dem Jahre 1854 überbaut. Hier sammelte der Künstler Erinnerungsspuren. "Ich suche die Dinge hinter dem Offensichtlichen, das Gewesene und nahezu Verschwundene, Spuren der Zeit, Spuren der Jahrtausende, die vergangen sind."

René Böll malt keine topografischen Landschaften, seine Bilder verdichten Landschaftseindrücke zu einer Essenz. Er verzichtet auf überflüssiges Beiwerk. Der Betrachter nimmt Landschaftsfragmente wahr, archaische Formen von elementarer Prägnanz: einen Berg, einen See und immer wieder den Horizont, eine mit breiten Pinselstrichen geformte unendliche Weite.

Ein weiteres Projekt, das mit einigen Bildern in der Ausstellung vertreten ist, beschäftigt sich ebenfalls mit "verborgenen" unbekannten Orten, den heimlichen Friedhöfen für die ungetauft verstorbenen Kinder, die sogenannten "Cillinis". Diese Begräbnisstätten gab es in Irland in jedem Dorf. Die nur durch bestimmte Steinformationen auffindbaren Gräber der Namenlosen sind als kulturgeschichtliches Zeugnis einer Jahrtausende umfassenden Geschichte seit Jahren Kernpunkt von Bölls Arbeit. Er sucht und dokumentiert Spuren vergessener magischer Orte, bewahrt sie im kulturellen Gedächtnis und stellt sie in den Fokus künstlerischer Auseinandersetzung.

Seine Werke wirken farbig komplex, nie bunt und vordergründig. Durch langjährige intensive Beschäftigung mit historischen Maltechniken hat er eine Leidenschaft für Erd- und Mineralfarben sowie alte Pigmente entwickelt. Heute verfügt er über einen gesammelten Vorrat von vielen hundert Farbpigmenten, die er jeweils frisch anreibt und in halbtransparenten und deckenden Lasuren vermalt. So entwickeln seine Bilder eine subtile Farbintensität.

Die Initiatoren der Ausstellung, Andreas Schäfer und Heinz W. Müller, Vorsitzender des Solinger Kunstvereins, sind begeistert von der Wirkung der Bilder im Kirchenraum. "Die Kooperation mit Pfarrerin Jutta Degen von der Stadtkirche war ein Glücksfall", betont Heinz Müller. "Der architektonisch klare Kirchenraum eignet sich hervorragend für die Präsentation." "Und auch das Thema der Ausstellung mit dem Untertitel Epitaph hat interessante inhaltliche Bezüge zum Ausstellungsort", ergänzt Pfarrerin Jutta Degen.

Quelle: RP
 
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