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Solingen
Reparieren statt Wegwerfen

Solingen: Reparieren statt Wegwerfen
Dirk Steinheuer und Dieter Hoffmann (v.l.) bringen ihre Kenntnisse im Repair-Café ein, das jetzt im Rollhaus eingerichtet wurde. FOTO: Martin Kempner
Solingen. Werkzeug, fachliches Know-how und nachbarschaftliche Hilfe findet man ab sofort im neuen Repair-Cafe. Von Sandra Grünwald

Wenn in heutiger Zeit etwas nicht mehr funktioniert, wird es entsorgt und etwas Neues gekauft. Das müsste nicht immer sein. Manchmal wäre nur eine Kleinigkeit zu reparieren gewesen und damit nicht nur Geld gespart, sondern auch Müll vermieden worden. Und genau darum geht es im neuen Repair-Café, das die Awo gestern in der Nordstadt eröffnet hat. Hier geht es darum, defekte Geräte oder Dinge wieder zum Laufen zu bringen - und das unter fachgerechter Anleitung von ehrenamtlichen Helfern.

"Man muss nicht alles wegwerfen", betont Dieter Hoffmann von Awo Aqua. Der Elektromeister sorgt im Repair-Café für die fachliche Unterstützung. "Es geht darum, dass man hier zusammen etwas reparieren kann." Eine Nachbarschafts-Initiative, bei der sich die Leute gegenseitig helfen und dabei kennenlernen. "Wir wollen einen Treffpunkt in der Nordstadt schaffen", betont Dieter Hoffmann. Ein defektes Megafon hat ein Mitarbeiter des Rollhauses schon dagelassen. Ein zweites wurde für die Ersatzteile gefunden.

"Jetzt versuchen wir, aus zweien eins zu machen", erklärt der Elektromeister. Mitgebracht kann alles werden - ob Toaster oder Radiogerät, ob Fahrrad oder Föhn. "Alles, was man tragen kann", meint Hoffmann mit einem Schmunzeln. "Dann können wir gemeinsam versuchen, es zu reparieren." Und das kostenlos. Dabei ist ihm wichtig, dass das Repair-Café keine Konkurrenz für irgendwelche Firmen ist. "Das wollen wir nicht sein."

Hier geht es vielmehr darum, sich gegenseitig zu helfen und der Wegwerfgesellschaft ein wenig entgegenzutreten.

Repair-Cafés sind eine Vereinigung, die inzwischen europaweit agiert. "Dem haben wir uns angeschlossen", sagt Hoffmann. Ein ehrenamtlicher Helfer hat sich auch schon eingefunden, der das Projekt unterstützen möchte. "Mein Hobby ist die Elektrik", erklärt Dirk Steinheuer (49). Nun möchte er seine Kenntnisse zur Verfügung stellen. Werkzeug ist vorhanden. Zum größten Teil wurde es von der Awo finanziert. Auch Ariane Bischoff wirft einen Blick ins neue Repair-Café. "Ich bin neugierig", gibt sie zu, "auf so etwas hat Solingen lange gewartet." Durch das Reparieren könnten die Verbraucher auch erkennen, was die Herstellerfirmen im Schilde führten, die die Geräte häufig so konzipierten, dass eine Reparatur sich gar nicht erst lohnt. "Vielleicht werden die Verbraucher aufmerksamer und so die Hersteller dazu bewogen, bessere Geräte zu bauen", erhofft sie sich langfristig.

In jedem Fall lohnt sich ein Gang mit dem kaputten Gerät zum Repair-Café. Zwar gibt es im Café direkt keinen Kaffee, aber im benachbarten Rollhaus sind Kaffee und andere Getränke erhältlich, falls beim Reparieren einmal Durst aufkommen sollte.

Quelle: RP
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