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Solingen
Resonanzräume für Naturerfahrung

Solingen: Resonanzräume für Naturerfahrung
Vera Zahnhausen stellt in der Galerie der Solinger Künstler aus. Eröffnet wird die Ausstellung morgen um 15 Uhr. FOTO: Martin Kempner
Solingen. Die Koblenzer Malerin Vera Zahnhausen zeigt Natur- und Landschaftsbilder in intensiver Farbigkeit in der Galerie SK. Von Güdny Schneider-Mombaur

Farbstarke großformatige Leinwandbilder gliedern die Hauptwand der Galerie. "Diese riesige Wand stand sofort für mich im Fokus. Hier zeige ich meine aktuellen Arbeiten von 2015 und 2016, die alle zu einem Zyklus gehören. Es geht um Natur, um Landschaft - um eine der Kernressourcen für uns Menschen," erläutert die Künstlerin ihr Anliegen. Ihre Frage "Was kann die Natur uns geben?" beantwortet sie direkt und eindeutig mit dem Ausstellungstitel "Vitamin Natur". Die Natur als Energiespender, als die positive Kraft, die der Mensch zum Leben braucht, ist für die Malerin, die selbst auch im Grünen wohnt, ihr aktueller Bildanlass.

Bei Spaziergängen, Wanderungen oder auf Reisen sammelt sie Natureindrücke mit allen Sinnen. Fotos dienen als Erinnerungshilfe und Vorbereitung im Sinne einer imaginären Collage. Ihre Bilder entstehen prozesshaft, indem sie wahrgenommene Strukturen, Rhythmen oder Details fragmentiert, kombiniert, komponiert, überlagert und zu einer offenen neuen Ganzheit weiterentwickelt.

Das Ergebnis ist nicht die Darstellung eines realen Ortes, keine topografische Landschaft, sondern eher ein Konglomerat aus verschiedenen Einzelwahrnehmungen und Naturerfahrungen. "Analog zur Musik könnte man sagen: ich will Resonanzräume schaffen," erklärt Zahnhausen. "Ich betreibe keine abbildende Malerei. Ich male auch nicht abstrakt. Mein Ausgangspunkt sind organische Strukturen wie Gräser oder Blätter, die im Malprozess neue komplexe Farb- und Formgefüge entstehen lassen."

Auf den Betrachter wirkt es, als veranschauliche die Malerin die dynamisch-energetischen Kräfte der Natur an sich. Die Bilder oszillieren zwischen Fläche und Raum, zwischen einem geringen Grad an Abbildhaftigkeit und dem freien ungestümen Farbspiel. "Ich mag es, wenn Raum bleibt für Uneindeutigkeit," ergänzt die Künstlerin.

Auch das verwendete Material ihrer Bilder ist vielschichtig. Acryl dient als Untermalung, Ölfarbe wird ergänzt durch Lackspray, reine Pigmente und Ölstifte. Bei skizzenartigen kleinen Formaten kommt Graphitstift und die Sgraffito Technik hinzu.

Zwischen die farbstarken Tafelbilder hat die Künstlerin kleine Objektkästen gehängt, die die Grundformen der Natur im Sinne morphologischer Strukturen konkretisieren. Auch wenn das satte Rot-Orange der Kasteninnenräume als Komplementär zum vorherrschenden Grün-Blau der Leinwandbilder die Leuchtkraft beider Werkgruppen steigert, können sich die dreidimensionalen Strukturen nicht mit der Intensität der malerischen Ergebnisse messen.

Die Bilder von 2012/13, die sich auf der oberen Etage der Galerie versammeln, legen den Fokus auf das Verhältnis von Natur und Zivilisation. "Der Mensch des heutigen hochtechnisierten Zeitalters liebt es", so Zahnhausen, "seine Wohnkapseln, Hausboot oder Wohnwagen, mitten in der Natur abzustellen." Es entstehen Gegensätze, Widersprüche, Umweltprobleme, aber letztlich, so zeigt es die Künstlerin in ihren Bildern, nimmt die Natur in ihrer überwuchernden Fülle alles in ihren Besitz.

Vera Zahnhausen studierte Kunstwissenschaft an der Universität Koblenz und schloss 2008 ihr Studium der Malerei an der Freien Akademie der Bildenden Künste Essen als Meisterschülerin ab.

Quelle: RP
 
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