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Solingen
"Rummler ist Glücksfall für Solingen"

Solingen. Wiener Klassik pur: Im sehr gut besuchten Kunstmuseum hat der bekannte Solinger Musiker und Komponist Harald Rummler mit einem Galakonzert sein 60-jähriges Dirigentenjubiläum und seinen 80. Geburtstag gefeiert. Von Jan Crummenerl

1955 endet die Besatzungszeit. Die BRD tritt der Nato bei, die DDR dem Warschauer Pakt. Konrad Adenauer amtiert seit sechs Jahren als Bundeskanzler. Ganz unbemerkt vom großen Weltgeschehen gibt es einen jungen Mann in Berlin. Noch nicht einmal 20-jährig hebt er 1955 vor dem Spandauer Konzert-Orchester erstmals den Taktstock. "Sehr eindrucksvoll", lobte damals das Spandauer Volksblatt. Und beeindrucken kann er auch heute noch, Harald Rummler, der sein 60-jähriges Dirigenten-Jubiläum und seinen 80. Geburtstag mit einem Gala-Konzert im sehr gut besuchten Meistermannsaal des Kunstmuseums feierte.

Seit 1974 als Kantor der Stadtkirche und ab 1989 mit der Gründung der Trenkner-Gesellschaft hat er als Kirchenmusiker, Dirigent und Konzertorganisator wichtige musikalische Impulse gegeben. "Harald Rummler ist ein Glücksfall für uns alle in Solingen", begrüßte Alt-Oberbürgermeister Franz Haug die Zuhörer. Und mit Blick auf den runden Geburtstag: "Wer sich die Fähigkeit erhalten hat, Schönes zu erkennen, der wird nicht alt." Geradezu jugendlich frisch steht der Jubilar an der Spitze der Dortmunder Philharmoniker, sozusagen dem "Hausorchester" der Trenkner-Gesellschaft.

Als Geschenk brachte Rummler sich und seinem Publikum ein Programm der Wiener Klassik mit. Den Auftakt machte eine in ihren Ecksätzen heiter dahinstürmende Symphonie Nr. 87 A-Dur von Joseph Haydn. Die charakteristischen Tonwiederholungen wurden von Rummler und den Musikern akzentuiert in Szene gesetzt. Sanft fließend wurde der melodische Stabwechsel zwischen den Instrumenten im Adagio gestaltet, bevor das mit ironischer Gewichtigkeit durchzogene Menuett daher gestampft kam. Als Haydn diese letzte seiner drei sogenannten Pariser Symphonien 1785 komponierte, war Franz Schubert noch gar nicht geboren. Und als Schubert seine 5. Symphonie 1817 in Angriff nahm, war Haydn schon einige Jahre tot. In Rummlers Interpretation wurde gerade die Nähe dieses Werkes zu Haydn deutlich. Der unbeschwerte Grundzug der vier Sätze, die formale Überschaubarkeit und die schon durchbrechende Schubertsche Originalität ließen das Werk liebenswürdig aufleuchten.

Im Mittelpunkt des Konzertes aber stand eine virtuos und blendend aufgelegte Lusine Khachatryan. Die armenische Pianistin spielte das Klavierkonzert Nr. 27 von Mozart. Rummler und die Dortmunder begleiteten sie von der Orchestereinleitung an sehr delikat und dramaturgisch zurückgenommen. So wurden sie ideale Partner für das fein geschliffene und geistreiche Spiel der Solistin. So konnte auch die schlichte Larghetto-Melodie dramatische Tiefe gewinnen, und das markante Rondo-Thema wurde von Khachatryan perlend aus den Tasten gekitzelt.

Für den großen Applaus nebst Bravorufen bedankte sich die sympathische Pianisten mit einem echten Kontrastprogramm: Ein wirbelnder Tanz aus dem heimatlichen Armenien sprang die Zuhörer geradezu aus dem Flügel an.

Quelle: RP
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