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Analyse
Schadet Verdi dem Einzelhandel in Solingen?

Analyse: Schadet Verdi dem Einzelhandel in Solingen?
Beim jüngsten verkaufsoffenen Sonntag am 30. Oktober strömten die Menschen in die Solinger Innenstadt. FOTO: Teph
Solingen.  Verdi will den verkaufsoffenen Sonntag am Zweiten Advent vor Gericht stoppen. Die Händler sind sauer. Die Stadt will nun retten, was noch zu retten ist. Dabei bleibt das prinzipielle Problem. Auch in unserer Redaktion gehen die Meinungen über Sonntagsöffnungen auseinander. Von Martin Oberpriller

Egal, ob die Stadt Solingen mit ihrem Vorstoß, am zweiten Adventssonntag wenigstens die Geschäfte in einzelnen Stadtteilen zu öffnen, durchkommt: Der Eilantrag der Dienstleistungsgewerkschaft Verdi gegen den bislang stadtweit geplanten verkaufsoffenen Sonntag am 4. Dezember ist ärgerlich. Denn dort, wo es eigentlich das Ziel der Gewerkschaftler sein sollte, Vorteile für die Arbeitnehmer herauszuholen, schadet Verdi seinen eigenen Leuten nur - und zwar massiv.

Im Internetzeitalter kann kein Zweifel bestehen, dass der Handel vor Ort sowie die dortigen Angestellten unter Druck geraten sind. Immer mehr Leute kaufen bequem online ein. Und die Geschäfte in den Innenstädten haben das Nachsehen, da das im Internet ausgegebene Geld am Ende in den Kassen der Händler fehlt. Darum benötigen die Geschäftsleute - außer der Fantasie, mit Ideen die Kunden verstärkt in die Innenstädte zu locken - dringend die Möglichkeit, genau dann zu öffnen, wenn die meisten Leute frei und damit die Muße haben, in Ruhe einzukaufen. Wofür sich wohl kaum ein Tag besser anbietet als ein Sonntag im Advent.

Diese Chance, zu ausgesuchten Terminen auch Menschen von außerhalb nach Solingen zu locken, wird durch den Eilantrag von Verdi eventuell zerstört. Klar, nicht jeder, der in den Geschäften vorbeischaut, wird groß einkaufen. Aber vielleicht ließen sich die Leute durch einen verkaufsoffenen Sonntag davon überzeugen, später doch mal wieder öfter in Solingen auf Shoppingtour zu gehen. Denn so schlecht, wie manche behaupten, ist das Angebot in der Innenstadt nun wirklich nicht.

Unverständlich ist auch die Haltung der Kirchen, die sich traditionsgemäß für am Sonntag geschlossene Geschäfte aussprechen. Dabei ist die Sache ganz einfach: Wer sonntags (und wir reden ja nur von einigen wenigen Terminen im Jahr) nicht einkaufen will, mag's einfach lassen. Aber die anderen, die keine Bedenken haben, sollten doch bitteschön die Gelegenheit dazu bekommen.

Der Vorstoß von Verdi gegen den verkaufsoffenen Sonntag zum Weihnachtsmarkt in Solingen ist ein leicht durchschaubares Manöver. Selbstverständlich ist der Weihnachtsmarkt ein adäquater Anlass für offene Geschäfte. Viel mehr jedenfalls als das Brückenfest vor ein paar Wochen. Doch diesen Termin haben die Verdi-Verantwortlichen in der Klingenstadt verschlafen.

Quelle: RP
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