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Solingen
Schlag gegen bergische Salafisten-Szene

Solingen. Es war eine bundesweite Aktion gegen radikale Muslime - und dürfte auch die Solinger Salafisten-Szene aufgeschreckt haben. Bei einer großangelegten Razzia haben Polizisten in ganz Deutschland Wohnungen von mutmaßlichen Unterstützern des sogenannten Islamischen Staates durchsucht. Zuvor hatte Bundesinnenminister Thomas de Maizière (CDU) die Vereinigung "Die wahre Religion" und die von ihr unter dem Titel "Lies!" organisierten Koran-Verteilaktionen in deutschen Fußgängerzonen verboten.

In Solingen selbst fanden zwar keine Durchsuchungen statt. Dafür griffen die Sicherheitsbehörden aber unter anderem in Wuppertal zu. So standen in der Nachbarstadt insgesamt sieben Objekte auf der Liste der Fahnder, darunter in Barmen, Wichlinghausen und Langerfeld. Nach Erkenntnissen der Ermittler sind die Salafisten, die einer besonders rigiden Auslegung des Korans anhängen, auch im Bergischen Land in unterschiedlichen Zirkeln organisiert, wobei zwischen den einzelnen Netzwerken durchaus informelle sowie personelle Verbindungen bestehen. Dabei richtete sich die Razzia vom Mittwochmorgen wohl nicht gegen einzelne Mitglieder der Solinger Szene. Dennoch bestehen nach Einschätzung der Fahnder Kontakte - etwa nach Wuppertal.

Die Koran-Verteilaktion "Lies!" gehörte zu den öffentlichkeitswirksamsten Auftritten von Salafisten in Deutschland. Die zuständigen Sicherheitsbehörden sind davon überzeugt, dass über diese Anwerbeversuche zahlreiche junge Menschen radikalisiert wurden und später in die Kriegsgebiete des Nahen Ostens zogen. Beispielswiese hatte sich der mutmaßlich im Jahr 2014 bei einem Selbstmordanschlag im Irak ums Leben gekommene Solinger Salafist Robert Baum vor seiner Ausreise aus der Bundesrepublik selbst an solchen Koran-Verteilungen beteiligt.

(or)
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