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Solingen
"Schlecht war er nicht"

Solingen. Nach mehr als 26 Jahren geht Feuerwehr-Chef Frank-Michael Fischer in Pension. Rund 300 Gäste verabschiedeten ihn. Von Fred Lothar Melchior

Immer wieder lang anhaltender Beifall, auch im Stehen. Und ein einhelliges, typisch bergisches Lob von den Kameraden: "Schlecht war er nicht." Wer am Samstagmorgen zur Verabschiedung von Frank-Michael Fischer in die Feuerwache 3 in Wald gekommen war, der wusste: Da geht ein Großer. Dabei hatte Solingens Feuerwehr-Chef nicht viel Aufheben von seiner Pensionierung machen wollen. Den Gefallen taten ihm Stadtverwaltung sowie Feuerwehr als Ausrichter und rund 300 Gäste, darunter auch ehemalige Weggefährten sowie Abordnungen von Feuerwehren aus Deutschland, Holland, Österreich und Kroatien, aber nicht.

Fischer habe zwar nie Chef werden, sondern immer nur Brände löschen wollen, sagte Oberbürgermeister Tim Kurzbach. Trotzdem sei er "genau der richtige Mann" für die Aufgabe gewesen. Eine Aufgabe, in die er schnell hineinwachsen musste: Als der damals 33-Jährige 1989 als stellvertretender Leiter des Feuerwehramts nach Solingen kam, war die Spitze durch Krankheit verwaist. Kurzbach: "Von Anfang an war eine große Führungsstärke gefragt." Leiter der Feuerwehr wurde der studierte Maschinenbau-Ingenieur schon 1991.

Es folgten zahlreiche Höhen. Kurzbach: "Er hat viele Meilensteine gesetzt." Aber auch Tiefen. Der OB erinnerte an die dunkelste Stunde im Mai 1993, den Tod von fünf Mädchen und Frauen beim Brandanschlag auf das Haus der Familie Genç. Fischer leitete den Einsatz und musste danach, so Kurzbach, "ungerechtfertigte Kritik" einstecken. Trotz der "schweren Kränkung für unsere Feuerwehr" sei er souverän geblieben.

Dem Dank für das "großartige Engagement" des Leitenden Branddirektors schlossen sich die weiteren Redner an. Karl-Heinz Knorr, der Vizepräsident des Deutschen Feuerwehrverbands, machte gar nicht erst den Versuch, Fischers Verdienste aufzulisten: "Die Aufzählung würde den heutigen Rahmen sprengen." Die Zusammenarbeit mit dem gebürtigen Schwaben sei durch Fachlichkeit und Sachlichkeit geprägt gewesen: "Du hast ein wohlbestelltes Haus übergeben."

"Der Ruhestand sei Ihnen gegönnt, aber wir hätten gerne noch weiter gestritten", gab Ministerialrat Helmut Probst, Inspekteur der Feuerwehr in Nordrhein-Westfalen, dem "Vordenker" Fischer einen kleinen Seitenhieb mit - um gleich im Anschluss zu loben: "Er ist jemand, der über den Tellerrand hinausschaut."

Und jemand, der verbinden konnte. Hauptbrandmeister Andreas Herlinghaus und Markus Reinshagen, der Sprecher der Freiwilligen Feuerwehr, erinnerten daran, wie unterkühlt das Verhältnis zwischen beiden Gruppen Anfang der 90er Jahre war und wie Fischer wieder für Zusammenhalt sorgte und auch die Jugendfeuerwehr förderte. "Er hatte ein offenes Ohr für Anregungen und Probleme."

Frank-Michael Fischer selbst blieb auch in seinem Schlusswort bescheiden: "Ich blicke auf eine äußerst erfreuliche Zeit zurück." Auch der Feuerwehr-Chef sei nur ein kleines Rädchen in der Stadtverwaltung. "Das meiste wird im Team abgewogen." Bei den zahlreichen Vorschriften wäre allerdings "manchmal etwas weniger mehr gewesen". Die gemeinsame Leitstelle mit Wuppertal betrachtet der Feuerwehr-Chef nicht als größten Fehler seiner Dienstzeit, "wie es meine Frau behauptet". Es habe aber an der Unterstützung durch Politiker und Medien gefehlt: "Man hat uns zu wenig Ruhe gelassen."

Die Ruhe, die jetzt folgt ("dieser Beruf war wesentlicher Lebensinhalt"), will Fischer unter anderem für das Studium der Feuerwehrgeschichte nutzen. Auch seine Modellsammlung kann der 59-jährige Fahrzeugfreund weiter pflegen: Die Kollegen überraschten ihn mit einer Sammler-Vitrine und einem Unikat: dem Modell eines Tanklöschfahrzeugs auf Unimog-Basis. "Das war sein Lieblingsmodell", sagte der designierte Nachfolger Fischers, Dr. Ottmar Müller.

Ob auch die zahlreichen Auszeichnungen, die Frank-Michael Fischer in seinem Berufsleben erhielt, noch in die Vitrine passen, ist fraglich. Bei der Verabschiedung kamen ein weiteres Ehrenzeichen des Feuerwehrverbands und die von Sascha Küll überreichte Dank-Plakette der Malteser hinzu. Definitiv auf kein Regal passt der 20 Meter lange gelbe Feuerwehrschlauch mit den Unterschriften seiner fast 500 Mitarbeiter, die Fischer auch noch mit einem Fotobuch dankten.

Quelle: RP
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