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Solingen
Schlechte Noten für Solingens Bahnhöfe

Solingen: Schlechte Noten für Solingens Bahnhöfe
Haltepunkt Vogelpark: nicht akzeptabel FOTO: Köhlen, Stephan (TEPH)
Solingen. Es bleibt dabei. Die Nerven von Reisenden und Pendlern in der Klingenstadt werden weiterhin auf harte Belastungsproben gestellt. Denn wie bereits in den Vorjahren bekommen die Solinger Bahnhöfe und Bahnhaltepunkte vom Verkehrsverbund Rhein-Ruhr (VRR) in ihrer Mehrzahl schlechte oder maximal mittelmäßige Noten. Von Martin Oberpriller

Im jüngsten Stationsbericht des VRR, der in dieser Woche der Öffentlichkeit vorgestellt wurde, fielen lediglich der Hauptbahnhof in Ohligs sowie der gerade erst renovierte Bahnhof Schaberg unter die Kategorie Grün, die für einen insgesamt guten Zustand steht.

Ganz anders sieht indes die Situation an den zwei Haltepunkten Vogelpark und Grünewald sowie am Bahnhof Mitte aus. Dort überwogen in den Augen der VRR-Tester die Mängel, so dass Grünewald eine gelbe Plakette ("noch akzeptabel") erhielt, während Vogelpark und Mitte vom Verkehrsverbund sogar die sprichwörtlich Rote Karte verpasst bekamen. Dabei monierten die Prüfer des VRR, die jeden Bahnhof im vergangenen Jahr vier Mal inspizierten, vor allem die Verschandelung der Stationen durch Graffiti sowie die allgemein mangelhafte Sauberkeit.

Dreckige und kaputte Bahnhöfe in der Region FOTO: Dr.-Ing. Heinrich Theissen

Beispiel Haltepunkt Vogelpark: Die kleine S-Bahn-Station im Westen von Ohligs ist schon seit Jahren von bunten Schmierereien förmlich übersät. Ob an den Aufgängen, in der Unterführung oder in den Wartebereichen - überall haben sich Graffiti-"Künstler" verewigt, ohne dass die Bahn AG als Eigentümerin des Haltepunktes bislang ein Mittel gefunden hätte, dem Vandalismus Herr zu werden. Zumal die Station von einigen Zeitgenossen inzwischen auch als illegale Müllhalde missbraucht wird. Die Konsequenz: Nachdem der Halt 2014 als "noch akzeptabel" bewertet wurde, rutschte Vogelpark im vergangenen Jahr wieder in die Kategorie Rot - "nicht akzeptabel".

Ein Urteil, das die VRR-Tester auch über den Bahnhof Mitte fällten, der bereits zum zweiten Mal hintereinander die schlechteste Bewertung bekam. Die dortigen Mängel waren Graffiti an den Wänden, Müll und Unrat auf den Gleisen sowie der "Dauerbrenner" Taubendreck. Wobei zumindest letzteres Ärgernis bald wegfallen könnte, da die Stadt in dieser Woche ankündigte, der Solinger Taubenzüchterverein werde demnächst ein Taubenhaus für die Vögel bauen.

Dagegen konnte der Haltepunkt Grünewald im vergangenen Jahr Boden gut machen. Rangierte die Station 2014 noch unter Rot, stieg Grünewald zuletzt in die Kategorie Gelb auf. Zwar bemängelten die Prüfer des Verkehrsverbundes einmal mehr die Schmierereien im Bereich der Bahnsteige, gleichzeitig hoben sie jedoch die Funktionalität der Zugänge zu den Gleisen lobend hervor. Eine Bewertung, die etliche Reisende indes nicht nachzuvollziehen vermögen. "Der Aufzug am Grünewald ist schon wieder defekt", sagt beispielsweise ein Pendler, der täglich die S 7 benutzt.

In der Tat ist der Lift am Grünewald zurzeit erneut außer Betrieb - wie auch die Aufzüge in Mitte sowie an den S-Bahn-Gleisen des Hauptbahnhofs in Ohligs. Trotzdem erhält der größte Solinger Bahnhof schon seit Jahren die Farbe Grün, gilt also als "akzeptabel". So auch 2015, als lediglich die Funktionalität auf den Bahnsteigen - vor allem wegen des gerade laufenden Umbaus am Hauptbahnhof - nicht die Bestnote bekam. Die allgemeine Sauberkeit und die geringe Anzahl von Graffiti wurde hingegen als positiv bewertet.

Am gerade erst fertig sanierten Bahnhof Schaberg nahe der Müngstener Brücke hatten die VRR-Tester wiederum gar nichts auszusetzen. Der kleine Bahnhof, der zuletzt unter anderem eine neue Pflasterung auf den Bahnsteigen erhielt, die fortan behindertengerecht sind, vermochte den Verkehrsverbund in allen Belangen zu überzeugen. Gleichwohl haben sich Vandalen inzwischen auch in Schaberg ausgetobt. Die Glaswand der halboffenen Wartehalle des Bahnhofs ist neuerdings von einem großen Graffiti verunstaltet.

Eine bedenkliche Entwicklung, zeigt die Erfahrung doch, dass Schmierereien Nachahmungstäter anziehen. Dementsprechend sieht der VRR - trotz eines landesweit positiven Trends - vor allem bei kleineren Bahnhöfen Handlungsbedarf. Man stehe in einem ständigen Kontakt mit der Bahn, betonte VRR-Vorstandssprecher Martin Husmann bei der Präsentation des Berichts in dieser Woche.

Die Bahn verspricht derweil Besserung. "Wir werden die Ergebnisse des Berichtes prüfen und uns die Stationen noch einmal anschauen, die eine schlechte Bewertung erhalten haben", kündigte gestern eine Bahnsprecherin auf Anfrage an. Zudem würden die Aufzüge an den Solinger Stationen rasch repariert, hieß es bei der Bahn. So werde der Lift am Grünewald kommende Woche wieder in Betrieb genommen. Termine für die Aufzüge in Mitte und am Hauptbahnhof vermochte die Bahnsprecherin indes noch nicht zu benennen.

Dunkle Unterführungen, Graffiti an den Wänden, Aufzüge, die ihren Dienst versagen - rund um die Solinger Bahnhöfe liegt viel im Argen. Der neue Stationsbericht des Verkehrsverbundes Rhein-Ruhr listet einmal mehr die Mängel auf. Dabei fällt auf, dass es in der Klingenstadt nur wenig Änderungen zum Positiven gibt - im Gegensatz zum Landestrend. Die Bahn verspricht Besserung.

Quelle: RP
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