| 17.47 Uhr

Solingen
Schleichtempo angeordnet

Die Müngstener Brücke
Die Müngstener Brücke FOTO: Frank Wappler
Solingen. Nur eine Woche nach einem Gespräch zwischen Vertretern von Bahn und den Städten Solingen und Remscheid trat nun das Eisenbahnbundesamt auf den Plan und belegte auch den Personenverkehr mit Beschränkungen. Von Christian Peiseler und Andrea Röhrig

Eine Woche nach dem Gespräch von Vertretern der Städte Solingen und Remscheid mit der Bahn darüber, dass die Müngstener Brücke standsicher sei und es keine Einschränkungen für den Personennahverkehr gebe, zieht das Eisenbahnbundesamt in Bonn die Notbremse.

Kein Gegenverkehr mehr erlaubt

Ab sofort gilt eine Geschwindigkeitsbegrenzung von zehn Stundenkilometern. Züge des Müngsteners dürfen sich nicht auf der Brücke begegnen. Alle Züge, die die Brücke passieren, dürfen außerdem nicht schwerer sein als ein leichter Triebwagen der Baureihe 628.

Das teilte gestern Ralph Fischer, Sprecher des Eisenbahnbundesamtes, mit. Für den schweren Güterverkehr ist die Brücke bereits seit einigen Wochen gesperrt. Die Züge werden über Wuppertal nach Remscheid und Solingen umgeleitet.

Das Eisenbahnbundesamt kann diese Sicherheitsmaßnahmen anordnen. Es ist gegenüber dem Betreiber, der Bahn AG, weisungsbefugt. Grund für die Anweisungen sind Schäden in den Lagern der Brückenkonstruktion. Nach Angaben von Fischer sei festgestellt worden, dass sich die Lager nicht mehr bewegen lassen. Brückenlager müssen aber beweglich sein, um bei hohen Belastungen flexibel reagieren zu können. Ansonsten entstehen Spannungen im gesamten Bauwerk. Schäden an den Lagern hatten auch Ingenieure der Bahn AG festgestellt.

Zum Brückenfest im vorigen Jahr trat das Eisenbahnbundesamt als Kontrollbehörde zum ersten Mal mit Auflagen für die Festtage auf den Plan. Mit den massiven Einschränkungen setzt es nun die Bahn AG unter Druck. "Diese Maßnahmen sind notwendig, um die Sicherheit weiter zu gewährleisten", sagt Fischer.

Baudezernent ist überrascht

Völlig überrascht zeigte sich Solingens Baudezernent Hartmut Hoferichter über diese Nachricht. Er war vergangene Woche Montag mit Remscheids Oberbürgermeisterin Beate Wilding und dem bergischen Bundestagabgeordneten Jürgen Hardt dabei, als die die Bahn zum Treffen mit hochrangigen Vertretern aus Düsseldorf eingeladen hatte.

Dort war den bergischen Vertretern versichert worden, dass die Brücke standsicher sei und der Personenverkehr weiterhin wie gewohnt fahren könne – von drohenden Einschränkungen war keine Rede.

An diesem Punkt fragt sich nicht nur Hartmut Hoferichter, wie es sein kann, dass acht Tage nach solch einem Gespräch das Eisenbahnbundesamt der Deutschen Bahn solche Anweisungen gibt: "Das Eisenbahnbundesamt scheint deutlich vorsichtiger damit umzugehen, was bei den letzten statischen Berechnungen herausgekommen ist", sucht Hoferichter nach einer Erklärung. Er erwartet von der Bahn nun eine schnelle Information, was die Einschränkungen für den Personenverkehr bedeutet.

Die Bahn AG konnte zu den Konsequenzen gestern noch nichts mitteilen. "Wir werden uns an die Auflagen halten", sagte Bahn-Sprecher Gerhard Felser.

Ob diese erneuten Auflagen nun auch Konsequenzen für das beliebte Brückenfest im Oktober haben, wenn schwere Dampfloks über die Brücke rollen, lässt sich derzeit noch nicht feststellen. Denn werden die Läger, wie vor beim Gespräch vorige Woche Montag mitgeteilt, im Herbst von der Bahn repariert, kommt das für das Fest zu spät.

Quelle: RP
 
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