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Solingen
Schleifmaschinenhersteller Siepmann ist zurück

Solingen: Schleifmaschinenhersteller Siepmann ist zurück
Der geschäftsführende Mehrheitsgesellschafter Andreas Quak (r.), Frank E. Siepmann (M.) und Geschäftsleiter Wilfried Clotten vor einem alten Plakat der Solinger Traditionsfirma. FOTO: Melchior
Solingen. Runder ist es für Siepmann nie gelaufen: Mit einem erwarteten Umsatz von "deutlich über zehn Millionen Euro" wird 2017 das beste Jahr in der Firmengeschichte. Und die reicht immerhin bis 1885 zurück. 2004 kam allerdings der Einbruch: Frank E. Siepmann musste die Produktion an der Eintrachtstraße aufgeben, die "Assets" wurden von der Global Retool Group (GRG) aus Lebach im Saarland übernommen. Marke und Know-how lebten weiter; das Ur-Solinger Unternehmen ging aber in der SVQ GmbH auf. Von Fred Lothar Melchior

Seit Mitte Mai ist Siepmann zurück in Solingen: An der Mankhauser Straße stellte der Schleifmaschinenhersteller jetzt seinen neuen Service-, Engineering- und Vertriebsstützpunkt vor. "Aus Sentimentalität" habe man sich nicht für die Klingenstadt entschieden, sagt GRG-Mehrheitsgesellschafter Andreas Quak. Ausschlaggebend war der höchste Auftragsbestand in der Firmengeschichte: "Das hat uns veranlasst zu sagen: Jetzt müssen und können wir investieren."

"Wir wollen die Kundennähe wieder herstellen", unterstreicht Quak, der früher die Geschäfte bei Honsberg Lamb in Remscheid führte. Das Interesse bei den eingeladenen Firmen war groß: 95 Prozent der angeschriebenen Betriebe aus Solingen und Wuppertal hätten Mitarbeiter geschickt, sagt der Ingenieur. An der Mankhauser Straße haben die Produzenten von Schneidwaren, Handwerkzeugen und Maschinenmessern jetzt den direkten Draht zu Siepmann-Konstrukteuren, -Anwendungstechnikern sowie -Vertriebs- und -Servicefachleuten. Quak: "Alle Spezialisten sind hier."

Die Schleif- und Poliermaschinen-Experten haben sich auf rund 300 Quadratmetern in der ersten Etage der früheren Dentalinstrumente-Fabrik Kürten niedergelassen. Im ehemaligen Kontor ist Platz für 20 Mitarbeiter; zwölf sind bereits von Lebach nach Ohligs umgezogen. Fast die Hälfte von ihnen kommt aus der Klingenstadt. Gebaut werden die Maschinen weiter im Saarland. Quak: "Aber das Know-how ist in Solingen."

Die meisten Erfahrungen hat Frank E. Siepmann beigesteuert. "Er hat eigentlich erst letztes Jahr zu seinem 75. Geburtstag aufgehört und steht uns immer noch beratend zur Verfügung", lobt Andreas Quak den langjährigen Firmenchef. Der Familienname soll nicht nur als Marke, sondern auch als eigenständiges Unternehmen weiterleben. Der geschäftsführende Gesellschafter plant, die Siepmann GmbH 2018 zu verselbstständigen. "Es war ein langer Weg", blickt Quak auf die Jahre nach der Übernahme zurück. "Während Siepmann früher noch eine Maschinenproduktion hatte, verkaufen wir heute flexible Schleifsysteme. Es geht um die komplette Automation."

Stichwort Industrie 4.0: Bei der zweitägigen Eröffnungsfeier wurden Lösungen für die Schneidwaren- und Werkzeugindustrie vorgestellt. Die sind nicht nur für die hiesigen Firmen interessant: Rund vier Fünftel des Umsatzes werden im Ausland erzielt. Nordamerika war und ist ein starker Markt für Siepmann. "Wir sind aber auch in Europa unterwegs", erklärt Andreas Quak - etwa in Italien, Frankreich, Spanien und der Schweiz.

"Wir wollen keine Konzernstruktur, sondern die eines Familienunternehmens", betont Quak. "Wir wollen nicht groß und langsam, sondern klein und schnell sein. In der Holding haben wir nur drei Personen."

Quelle: RP
 
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