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Solingen
Schmieden ist ein heißer Beruf - zur Entspannung

Solingen: Schmieden ist ein heißer Beruf - zur Entspannung
Christoph Brauckmann schmiedet gerne im Industriemuseum, weil er hier dazu beitragen kann, dass Industriegeschichte erhalten bleibe. FOTO: Anja Tinter
Solingen. Die Flammen züngeln, die Kohlen glühen. Es dampft. Jetzt gilt es abzuwarten, bis der Qualm sich verzogen hat. "Das ist Gas, das in den Kohlen steckt - und das wollen wir nicht im Stahl haben", erklärt Christoph Brauckmann. Von Sandra Grünwald

Er hat das Feuer fest im Blick, gießt hin und wieder ein wenig Wasser auf die Kohlen und wartet. Dann ist es soweit. Er greift eine unscheinbare Metallstange mit der Zange und schiebt sie ins Herz des Schmiedefeuers.

Christoph Brauckmann hat Maschinenbau studiert und ist nun als Konstrukteur in einer Remscheider Schmiedefirma tätig. Das Schmieden ist für ihn Hobby und Ausgleich, Sport und Entspannung zugleich. "Ich sitze viel hinter dem Schreibtisch", sagt er. "Das Schmieden macht es möglich, dass ich vernünftig Bewegung habe, ohne einen Sport machen zu müssen, auf den ich keine Lust habe." Angefangen hat alles mit seinem Interesse an historischen Rüstungen. 2002 begann er damit, aus Schrott Rüstungen zu bauen. Bei der Arbeit an den Helmen, bei der das Blech kalt bearbeitet wird, kam ihm die Idee, es einmal warm zu versuchen. Also machte er ein Praktikum bei einem befreundeten Hufschmied, der ihm vor allem eines beigebracht hat - das Metall glatt und ebenmäßig zu formen. "Es soll nicht wie geschmiedet aussehen", erklärt Christoph Brauckmann, "ein ebenmäßiges, gerades Werkzeug ist das Ziel."

Das will er auch im Industriemuseum schmieden, wo er zum zweiten Mal Hammer und Amboss zum Klingen bringt. Schmuckmacherzangen möchte er herstellen und Sarwürkerzangen. "Das sind Zangen zur Herstellung von Kettenhemden, die Vorform der Spitzzange." Die Metallstangen sind inzwischen rotglühend. Brauckmann zieht die erste mit der Schmiedezange heraus. Sofort geht's zum Amboss. Nach nur wenigen Schlägen mit dem Hammer ist zu sehen, was aus dem Metall werden soll. Das Feuer brennt, Christoph Brauckmann hämmert - und schwitzt.

"Man kann aus sehr wenig sehr viel herstellen", schwärmt er. Und das mit den eigenen Händen. "Ich freue mich, wenn ich an diesem Ort dazu beitragen kann, dass die Industriegeschichte erhalten bleibt". Wenn die Leute sehen, wieviel Arbeit es macht, ein gutes Werkzeug herzustellen, würden sie vielleicht einen anderen Bezug dazu bekommen, hofft er.

Während die eine Metallstange im Feuer glühend gemacht wird, widmet sich Christoph Brauckmann der zweiten. "Man konzentriert sich auf eine Sache, nur darauf, und kann abschalten", sagt er. Er fühle sich nach dem Schmieden immer sehr entspannt.

Quelle: RP
 
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