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Solingen
Schon 2000 Kinder kamen zur Erholung

Solingen: Schon 2000 Kinder kamen zur Erholung
Renate Butz in ihrem Element beim Begrüßungsfest der Kinder, die Jahr für Jahr nach Solingen zur Erholung kommen. Das Foto entstand im Jahr 2009. FOTO: Martin kempner (Archiv)
Solingen. Die Kinder aus der Region Tschernobyl kommen für vier Wochen in die Klingenstadt. In diesem Jahr werden die Ferien zum 25. Mal ermöglicht. Motor der Aktion sind Renate, Christian und Friedhelm Butz. Von Maxine Herder

Renate, Christian und Friedhelm Butz haben keine Liste geführt, wieviele Kinder aus der Region um Belynitschi in Weißrussland sie in den vergangenen Jahren und Jahrzehnten zur Erholung nach Deutschland geholt haben. "2000 Kinder waren es auf jeden Fall", sagt Renate Butz. Seit 1991 organisiert der Verein Kinder von Tschernobyl/ Solinger Hilfe für Minsk, dessen Vorsitzender Christian Butz ist und in dem sich auch seine Eltern Renate und Friedhelm engagieren, die jährliche Kindererholung für Mädchen und Jungen aus Belynitschi, in diesem Jahr zum 25. Mal.

Für die diesjährige Kindererholung sucht der Verein dringend noch Gasteltern, die bereit sind, vom 14. Juni bis 12. Juli zwei Kinder bei sich aufzunehmen. Vier Wochen sollen sich die 44 Kinder und Jugendlichen zwischen neun und 15 Jahren, der Großteil von ihnen aus sozial schwachen und kinderreichen Familien oder aus Kinderheimen, in der Klingenstadt erholen - von ihrem Alltag, der in vielen Fällen von harter Arbeit geprägt ist, von ihrem oft wenig kindgerechten Leben, vor allem aber von der Strahlung, die das Gebiet auch 29 Jahre nach der Reaktorkatastrophe von Tschernobyl schwer belastet.

"Die Kinder haben keine akuten Krankheiten, doch ihr Immunsystem ist durch die Strahlung angegriffen. Viele leiden unter starken Kopfschmerzen, wenn sie hier eintreffen. Aufgrund ihrer finanziellen Situation sind viele Familien nicht in der Lage, die Kinder so gesund zu ernähren, wie sie es brauchen würden", sagt Christian Butz (39). "Wenn die Kinder hier vier Wochen in ihren Gastfamilien verwöhnt werden, macht sich das sofort bemerkbar", so der Vereinsvorsitzende weiter. Weil die Suche nach Gasteltern immer schwierig ist, werden zehn Kinder und zwei Betreuer jedes Jahr im Naturfreundehaus Theegarten untergebracht. Derzeit werden noch mindestens sieben Gastfamilien dringend gesucht, die zwei Kinder für die gesamte Zeit aufzunehmen sowie Familien, die bereit sind, Kinder aus dem Naturfreundehaus für das Wochenende aufzunehmen.

Friedhelm Butz weiß, dass viele neue Gasteltern Ängste haben. "Aber das ist nicht nötig. Wir treffen uns vorher, mit neuen und alten Gasteltern, die ihre Erfahrungen teilen, und klären alle Fragen." Die Gasteltern müssen weder russisch sprechen, noch für den Aufenthalt der kleinen Besucher ihre beruflichen Tätigkeiten einstellen. "Die Kinder können montags bis freitags von 8 bis 18 Uhr im Hort auch das Schwimmen lernen. Am Wochenende sind die Kinder dann in der Gastfamilie", sagt Renate Butz. Die Hilfe für die Menschen aus Belynitschi, betont Familie Butz, die alle zwei Jahre selbst in die weißrussische Region reist, sei auch fast drei Jahrzehnte nach der Reaktorkatastrophe bitter nötig. Denn wirtschaftlich gehe es den Menschen nicht besser als Mitte der 1980er-Jahre, sagt Friedhelm Butz, durch die aktuellen Kurs-Schwankungen werde es eher schlechter.

Politisch, ergänzt Sohn Christian, habe sich in den vergangenen Jahren nichts verändert. "Und auch die Verstrahlung geht mit den Jahren nicht einfach weg. Die Menschen dort kommen jeden Tag damit in Berührung."

Die Unterstützung für ihren 1990 gegründeten Verein habe in all den Jahren glücklicherweise nicht abgenommen. "Es gibt einen festen Kern, der uns unterstützt. Das reicht von Gastfamilien, die jedes Jahr dabei sind, über Engagierte aus dem Verein, bis hin zu den Aktiven vom Naturfreundehaus Theegarten oder dem Schwimmclub. Ohne sie alle wäre die Kinderkur nicht möglich", sagt Friedhelm Butz.

Quelle: RP
 
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