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Solingen
Schub für die Klimaschutzpartnerschaft

Solingen: Schub für die Klimaschutzpartnerschaft
Exkursion ins Gelände der Region Thiès (von links nach rechts): Otmar Schick, Ariane Bischoff und Wolfgang Köppen mit Vertretern der Kommune. FOTO: Liane Rapp (2)
Solingen. Eine dreiköpfige Delegation aus Solingen ist in der Partnerstadt Thiès, um Maßnahmen des geplanten Klimaschutz-Handlungsprogramms zu konkretisieren. Von Liane Rapp

Die Landschaft ausgedörrt, die Luft heiß, die Straßen voller Menschen. Das ist Thiès, die mit knapp 400 000 Einwohnern zweitgrößte Stadt im Senegal. Jetzt, Mitte Juni, kurz vor der ersehnten Regenzeit sind Straßen und Felder besonders trocken, liegt die Stadt wie unter einer Glasglocke. Dies erlebt die dreiköpfige Delegation aus Solingen, die seit dem vergangenen Donnerstag in der Partnerstadt im Senegal ist, jetzt unmittelbar.

Ziel der einwöchigen Besuchsreise ist es, die Maßnahmen des geplanten Klimaschutz-Handlungsprogramms zu konkretisieren. Das bilaterale Papier wurde von Experten aus Solingen und Thiès im Vorfeld ausgearbeitet und ist Teil des vom Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) über die Servicestelle "Engagement Global" finanzierten Großprojektes "50 kommunale Klimapartnerschaften bis 2015".

Nachdem im vergangenen Jahr Integrationsbeauftragte Anne Wehkamp die beiden Experten Wolfgang Köppen (stellvertretender Leiter der Technischen Betriebe) und Otmar Schick (Vorsitzender des Fördervereins Freundschaft mit Thiès im Senegal) nach Thiès begleitet hatte, ergänzte zum jetzigen Treffen mit den regional Verantwortlichen Ariane Bischoff von der Agenda 21-Geschäftsstelle das Solinger Team.

Auch mit dem Bürgermeister von Thiès West, Bassirou Diop, kam Ariane Bischoff zusammen. FOTO: Rapp, Liane

Auf der Agenda der kleinen Reisegruppe standen neben Konferenzen und Besuchen bei den vier Bürgermeistern der Region auch Exkursionen innerhalb der Stadt und auf dem Land. Vor allem die Themen Regenwasserrückhaltung und -ableitung sowie Müllvermeidung waren für die Experten aus Afrika und Deutschland von Interesse.

"Der Grundstein dieser engen Zusammenarbeit wurde im März vergangenen Jahres in Kapstadt auf einer Konferenz mit 20 beteiligten Kommunen gelegt. Im November 2014 kam dann eine Delegation aus Thiès mit Bürgermeister Talla Sylla zum Internationalen Bergischen Entwicklungsforum nach Solingen. Hier nun steigen wir in die dritte Etappe der Partnerschaft ein", sagt Ariane Bischoff.

Im November 2014 besuchte Bürgermeister Talla Sylla aus Thiès die Klingenstadt und trug sich im Beisein von Oberbürgermeister Norbert Feith ins Goldene Buch ein. FOTO: Köhlen (Archiv)

In Solingen waren im vergangenen Winter neben den Experten aus dem Bergischen Land und dem Senegal auch Vertreter aus Nicaragua, Spanien und Frankreich zusammengekommen und hatten sich zu Themen wie Ressourcen- und Wasserschutz, Abfallmanagement und Wiederaufforstung ausgetauscht. "Es gilt, Anpassungsstrategien an den Klimawandel sowie Methoden zu definieren, die helfen, eine Verschlimmerung zu vermeiden. In Thiès arbeiten wir aktuell entsprechende, konkrete Maßnahmen aus. Sowohl für Solingen als auch für die Menschen im Senegal. Denn: Die Folgen der Erderwärmung mögen in Solingen und Thiès unterschiedlich sein - doch nur, wenn es uns gelingt, vor Ort hier wie dort unser Verhalten zu ändern, können auch globale Erfolge sichtbar werden", meint Wolfgang Köppen.

So führte die Tour unter anderem zu Kanalsystemen, die gebaut wurden, um die Wassermassen, die die Stadt seit einigen Jahren während der dreimonatigen Regenzeit überfluten, abzuleiten. Auf diese Art und Weise sollen Straßen und Häuser vor Überflutung geschützt, das Wasser zur Bewässerung von Feldern genutzt werden.

Da aber die Mehrzahl der Kanäle versandet, zugemüllt oder die Abflusslöcher zu klein sind, fließt das Wasser ungebremst durch die Stadt. Was nicht nur zur Zerstörung der Infrastruktur führt - der Verkehr erlahmt, erbaute Mauern können das Wasser kaum aufhalten -, sondern auch zu gesundheitlichen Beeinträchtigungen der städtischen Bevölkerung und der Gefahr von Seuchen.

Da das Wasser wiederum ungenutzt und nicht kanalisiert versickert, werden die meisten Felder nicht bestellt. Die Folge: Die Kleinbauern können ihr Stückchen Land nicht zum Anbau von Gemüse oder Getreide nutzen und sind auf die Versorgung von Hilfsorganisationen angewiesen. Ein Teufelskreis, den es gilt zu durchbrechen.

Laut Ariane Bischoff hilft dieses regional begrenzte, bilaterale Projekt auch, die brandaktuellen Vorgaben des erweiterten G7-Gipfels in Elmau - unter anderem unter Mitwirkung des senegalesischen Präsidenten Macky Sall - umzusetzen: "Hier in Thiès sieht man die Folgen der Erderwärmung unmittelbar, etwa die absolut ausgetrocknete und degradierte Landschaft. Es bedarf breit angelegter Aufforstungen - unter Anreicherung der Böden durch Humus, um diese Entwicklung ein wenig abzumildern." Auf der Tour habe man aber auch intelligente Wasserrückhaltungsmaßnahmen gesehen, die auf erstaunlich einfache Art und Weise effektiv sind: Auf einer leicht abfallenden Fläche wurden von der örtlichen Bevölkerung sichelförmige Steinwälle aufgeschichtet, in denen sich das Wasser bei Regen sammeln kann und eine nachhaltige Bepflanzung mit Erfolg ermöglicht. "Es sind diese Erfolge, die uns Mut machen und das ganze Expertenteam in seiner Arbeit bestätigen", sagt Ariane Bischoff.

Erfolge, von denen, so die Delegation einstimmig, nicht nur die Bevölkerung im Senegal, sondern auch die Menschen im fernen Solingen profitieren. Denn, so das Motto des umweltpolitischen Aktionsprogrammes Agenda 21: "Global denken, lokal handeln."

Quelle: RP
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