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Solingen
Schüler laufen zur Wuppertaler Synagoge

Solingen. Das Gymnasium Schwertstraße übergab den Originalschlüssel der Synagoge an der Malteserstraße. Von Benjamin Dresen

Carina Rothweiler und Thomas Gerke halten ein Stück Solinger Stadtgeschichte in ihren Händen. Die beiden Schüler tragen beim "Historischen Staffellauf" des Gymnasiums Schwertstraße den Originalschlüssel der einstigen Synagoge an der Maltesterstraße. Das Ziel des Laufes: die jüdische Kultusgemeinde in Wuppertal-Barmen. "Geht sorgsam damit um", mahnte Schulleiter Klaus Blasberg."

Rothweiler und Gerke starteten den Staffellauf am Mittag mit einer Gruppe von 60 Schülern der Stufe Q1 (Klasse 11) über das erste Teilstück von 7,5 Kilometern. Am Kunstmuseum an der Wuppertaler Straße in Gräfrath übergaben sie den Schlüssel an eine zweite Gruppe von 40 Schülern, die ihn über weitere 7,5 Kilometer bis nach Wuppertal-Vohwinkel brachten.

Dort wartete eine letzte Zehnergruppe - "unsere schnellsten Leute", wie Sportlehrer Sebastian Petschnig sagt - um das wertvolle Stück über die letzten elf Kilometer ins Ziel zur Synagoge in Wuppertal-Barmen zu bringen. "Damit kehrt der echte Schlüssel dahin zurück, wo er hingehört", sagt Schulleiter Blasberg.

Der Staffellauf sollte die Schüler konditionell nicht vor Probleme stellen: "Die Strecke bis zum Kunstmuseum wird auch im Sportunterricht gelaufen", sagt Lehrer Sebastian Petschnig. Bei schwül-heißen Temperaturen begleitete er die Läufer mit dem Fahrrad und sechs Litern Wasser im Gepäck.

"Die Gesundheit ist das Wichtigste", gab Klaus Blasberg den Schülern mit auf den Weg. Zahlreiche Lehrer und Betreuer sollten für einen reibungslosen Ablauf des Staffellaufs sorgen. Er fand im Rahmen der Feiern zum 175-jährigen Jubiläum des Gymnasiums Schwertstraße statt.

Dass die Schwertstraßen-Schüler am gestrigen Donnerstag den Originalschlüssel der Synagoge in den Händen halten würden, hatte sich erst kurzfristig ergeben. Eigentlich sollten die Schüler die Kopie des Schlüssels übergeben, die das Gymnasium 1997 anfertigen ließ. Als aber die Besitzerin des Originals von dem Staffellauf erfuhr, stellte sie der Schule ihren Schlüssel zur Verfügung. Gemeinsam mit Klaus Blasberg besuchte die alte Dame am Donnerstag die Übergabe an die jüdische Kultusgemeinde.

Ihr Vater hatte den Schlüssel einst im Schutt der Synagoge an der Malteserstraße gefunden. Diese war 1872 erbaut und bei der Reichspogromnacht 1938 von den Nationalsozialisten zerstört worden. Davon zeugt heute eine Gedenktafel.

An der Stelle des jüdischen Gotteshauses errichteten die Nationalsozialisten den Bunker, der noch heute, mit viel Grün bewachsen, an der Maltesterstraße direkt neben dem Gymnasium Schwertstraße steht.

Quelle: RP
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