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Solingen
Schülern den Alltag eines Blinden erklärt

Solingen: Schülern den Alltag eines Blinden erklärt
Dirk Clauberg war gestern mit seinem Hund Emil zu Gast in der Grundschule Katternberger Straße. FOTO: Köhlen
Solingen. Dirk Clauberg vom Blinden- und Sehbehindertenverein stellte sich gestern den Fragen von Erstklässlern an der Grundschule Katternberg. Im Alter von 50 Jahren hatte sich sein Leben grundlegend verändert. Von Alexander Riedel

Als der Gast den Sensor mit seiner Hand verdeckte, erfüllte ein tiefer, vibrierender Ton den Raum. Als er sie wieder wegnahm, wurde das Geräusch deutlich höher. "Dort muss ein Fenster sein", deutete Dirk Clauberg die Signale seines Lichtdetektors - und lag richtig. "Das Gerät nutze ich, wenn meine Frau Spätschicht hat und ich wissen will, ob ich vor dem Schlafen gehen auch alle Lichter in der Wohnung ausgeschaltet habe", verriet er den staunenden Schülern. Seit sieben Jahren ist Clauberg blind. Ein Augeninfarkt hatte im Alter von 50 Jahren sein Leben grundlegend verändert. Längst hat er es sich zur Aufgabe gemacht, anderen Menschen zu vermitteln, wie sich jemand, ohne etwas zu sehen, im Alltag zurechtfindet, und dabei auch Berührungsängste mit Behinderten abzubauen.

Gestern war Clauberg an der Grundschule Katternberg zu Gast. 45 Schüler der ersten Klasse versammelten sich in einem Raum des offenen Ganztages, um ihre Fragen zu stellen. Und die Finger schnellten immer wieder nach oben. "Wie können Sie sich richtig anziehen?", wollte ein Mädchen wissen. Ein Junge fragte: "Wie können Sie kochen, ohne zu sehen?" Der Gast lieferte viele Einblicke in sein tägliches Leben. Dabei erklärte Clauberg zum Beispiel, welche technischen Möglichkeiten ihm zur Verfügung stehen. Ein Strichcodescanner mit Sprachprogramm etwa verrate ihm, welches Gewürz er aus dem Regal nehme. Auch eine elektronische Farberkennung stellte er den Kindern vor: "Damit ich nach dem Ankleiden nicht aussehe wie ein Kakadu."

Ein ganz besonderes Hilfsmittel hatten die Erstklässler schnell ins Herz geschlossen - seinen Blindenhund Emil. Den beeindruckten Zuschauern demonstrierte Clauberg, wie präzise der Labrador seine Anweisungen umsetzt. Zugleich stellte er klar, dass beileibe nicht jeder Hund für eine solch verantwortungsvolle Aufgabe geeignet sei: Wenn man eine Blechdose mit Kieselsteinen auf den Boden fallen lasse, dürfe ein Hund nicht verschreckt weglaufen.

Zur Erziehung des vierbeinigen Blindenführers gehöre auch, ihn auf die Gewohnheiten seines Herrchens perfekt einzustellen. "Wenn ich viel mit der Bahn fahre, muss der Hund das auch kennen und darf keine Panik bekommen, wenn am Bahnhof ein Zug vorbeirauscht", erklärte Clauberg. Zudem könne Emil ihm wichtige Ziele von der Bank bis zur Apotheke zeigen. "Er hat 65 Befehle im Kopf", sagte der Referent.

Sein Besuch bildete den Abschluss einer Reihe zum Thema "Sinne", das Referendarin Ann-Kristin Bürger den Schülern im Sachunterricht näher gebracht hatte. "Wir wollen die schulischen Inhalte lebensnah gestalten", erklärte sie.

Quelle: RP
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