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Solingen
Schulden sind mehr als ein Geldproblem

Solingen: Schulden sind mehr als ein Geldproblem
"Es ist wichtig, den Menschen ein offenes Ohr zu schenken." Bettina Spürkel-Jost, Linda Kästner und Ursula Ring (v.l.) vom Team der Schuldner- und Insolvenzberatung des Diakonischen Werkes an der Kasernenstraße. FOTO: Martin Kempner
Solingen. Wer in einer finanziellen Notlage nach Hilfe fragt, verdient Respekt. Das ist Prinzip der Schuldnerberatung der Diakonie an der Kasernenstraße. Die angebotene Hilfe ist sehr komplex. Denn Schulden können sogar krank machen. Von Günter Tewes

Menschen, denen die finanzielle Lage entgleitet, denen die Kosten über den Kopf wachsen, können wegen der Sorgen nachts nicht mehr schlafen. Linda Kästner, Bettina Spürkel-Jost und Ursula Ring vom Team der Schuldner- und Insolvenzberatung des Diakonischen Werks erleben das in ihren Gesprächen immer wieder.

Doch die Betroffenen leiden oft noch unter sehr viel mehr, als in der Nacht nicht mehr richtig zur Ruhe zu kommen. Schulden machen krank - Krankheit macht Schulden: Dies ist ein Zusammenhang, der bei der Aktionswoche des Diakonischen Werkes gestern beim Tag der offenen Tür an der Kasernenstraße denn auch insbesondere herausgestellt wurde. Mitunter löst die verzweifelte finanzielle Lage bei Betroffenen Rückenbeschwerden, Essstörungen und chronische Schmerzen bis hin zu Depressionen aus. "Die starke psychische Belastung, wenn man nicht weiß, wie man es schaffen kann, macht Menschen krank", berichtet Linda Kästner. In ihren Beratungsgesprächen erlebt sie sowie Bettina Spürkel-Jost und Ursula Ring aber häufig auch die Entwicklung aus der umgekehrten Richtung: Eine Erkrankung, ein Unfall, der Verlust der Arbeitsstelle werden zum Auslöser für die Überschuldung.

Vorher hat die Finanzkalkulation noch gepasst; und die Familien konnten nicht selten sogar noch etwas Geld ansparen. Doch dann bricht das Kartenhaus zusammen, weil Kranken- oder Arbeitslosengeld nicht mehr ausreichen, den Verbindlichkeiten nachzukommen. "Wir erleben auch, dass manche aufgrund einer lang andauernden Krankheit ihren Arbeitsplatz verlieren." Das Team der Diakonie legt Wert auf eine ganzheitliche Beratung, weil Schulden nicht ausschließlich ein rein finanzielles Problem sind, sondern eine ziemlich komplexe Angelegenheit.

Dennoch kann das Beratungsteam der Diakonie manchmal schon mit einem einzigen Gespräch entscheidend weiterhelfen. Andere Schuldner begleiten Linda Kästner, Bettina Spürkel-Jost und Ursula Ring bereits seit Jahren. Ihnen ist bewusst, dass es für die Betroffenen eine große Hürde ist, nach Hilfe zu fragen und ein Beratungsgespräch zu vereinbaren. "Das verdient viel Respekt." Menschen und ebenso die Familien, die zugleich mitbetroffen sind, ziehen sich, sobald sie in finanzielle Notlage geraten, meist deutlich zurück - nicht zuletzt deshalb, weil sie das Geschenk für die Geburtstagsparty oder die Eintrittskarte fürs Kino nicht mehr kaufen können.

"Unsere Beratungsgespräche sind absolut vertraulich. Wir sind eine kirchliche Einrichtung, aber für jedermann offen." Nach den Worten von Bettina Spürkel-Jost wird viel Wert auf eine ganzheitliche Beratung gelegt. "Es ist wichtig, den Menschen ein offenes Ohr zu schenken." Für die Betroffenen ist die Beratung kostenlos. Um schnell reagieren zu können, gibt es von montags bis freitags, jeweils 12 bis 12.30 Uhr, eine telefonische Sprechzeit. Wer nach Hilfe fragt, bekommt möglichst schon innerhalb weniger Tage ein Beratungsgespräch.

Kontakt Diakonie des Evangelischen Kirchenkreises, Kasernenstraße 23, Telefon: 287-200.

Quelle: RP
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