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Solingen
Schwerpunkt Epilepsie in St. Lukas Klinik

Solingen: Schwerpunkt Epilepsie in St. Lukas Klinik
Epilepsie ist jetzt ein zusätzlicher Schwerpunkt in der Neurologie der St. Lukas Klinik. Prof. Dr. Marcel Dihné und Dr. Anja Stövesand bei einer Videoauswertung. FOTO: Stephan Köhlen
Solingen. Das Ohligser Krankenhaus erweitert seine neurologische Abteilung an der Schwanenstraße. Die stärkt ihre Kompetenz im Hinblick auf die Diagnose und Verlaufskontrolle des Krampfleidens. Von Alexander Riedel

Das Thema Krampfanfälle ist seit jeher mit Ängsten und Unsicherheiten verknüpft: Ersthelfer fragen sich oft, wie sie sich richtig verhalten sollen, wenn bei einem Mitmenschen bekannte Symptome wie unkontrollierte Muskelzuckungen, Bewusstlosigkeit oder Schaum vor dem Mund auftreten. Und für die Betroffenen selbst ist die Epilepsie nicht selten mit sozialer Ausgrenzung und Arbeitslosigkeit verbunden. Dabei erleiden bis zu fünf Prozent aller Menschen im Verlauf ihres Lebens einen derartigen Anfall - die meisten davon allerdings ohne deswegen wirklich Epileptiker zu sein. Drogenkonsum, fieberhafte Erkrankungen, Schlafentzug und andere Provokationen können solche einmaligen Störungen verursachen. Die Zahl der tatsächlich an Epilepsie Erkrankten, bei denen die Anfälle sich auch ohne besondere Einflüsse häufen, ist allerdings dennoch recht hoch: In Deutschland sind 500.000 Menschen, also etwa 0,6 Prozent der Bevölkerung - von der Krankheit betroffen.

Damit spielt die anfallsartige und in ihren Erscheinungsformen durchaus vielgestaltige Funktionsstörung des Gehirns sogar in einer höheren Liga als etwa Multiple Sklerose oder Morbus Parkinson.

Die Unterscheidung zwischen einem sogenannten Gelegenheitskrampf und dem "echten" Krankheitsbild ist allerdings nicht immer so einfach. "Wenn Patienten vorschnell die Diagnose Epilepsie bekommen haben, traut man sich oft nicht, die Medikamente abzusetzen", erklärt Professor Dr. Marcel Dihné, Chefarzt der Neurologie an der St. Lukas Klinik in Ohligs.

Die kommt gerade bei solchen diagnostischen Unsicherheiten ins Spiel. Denn das Krankenhaus der Kplus Gruppe hat Epilepsie als neuen Schwerpunkt seiner Neurologie auserkoren - und verfügt über modernstes Gerät: Mit dem Video-EEG-Monitoring-System ist es nicht nur möglich, die Gehirnströme der Patienten über 24 Stunden und mehr aufzuzeichnen, sondern zugleich auch sein Verhalten zu beobachten und zu dokumentieren. "Wenn wir etwa feststellen, dass ein Patient trotz kaum merklicher Verhaltensänderung, etwa einer kurzen Abwesenheit, deutliche Veränderungen im EEG aufweist, können wir daraus zum Beispiel Schlüsse in Richtung einer Epilepsie ziehen", sagt Dihné.

Ebenso könne man eine solche Erkrankung aber auch ausschließen, wenn ein Patient zwar verhaltensauffällig sei, die gleichzeitig gemessenen Hirnströme dies jedoch nicht widerspiegelten. Die modernen Untersuchungsmethoden erlaubten zudem auch eine bessere Einschätzung darüber, ob der Patient medikamentös gut eingestellt und somit anfallsfrei ist. Eine vergleichbare medizinische Einrichtung gebe es bislang in der Region noch gar nicht, betont Krankenhaus-Direktor Johannes Wecker. Klar abgrenzen solle sich der epileptologische Schwerpunkt der St. Lukas Klinik sowohl von Zentren in Bonn und Bielefeld, die sich insbesondere mit möglichen chirurgischen Eingriffen gegen die Krankheit befassen, als auch von niedergelassenen Neurologen, die die Behandlung im Alltag vornehmen. "Wir sehen uns als Ergänzung", betont Dihné.

"Die Epilepsie-Komplex-Behandlung" in Ohligs umfasst auch ergotherapeutische und psychologische Maßnahmen - und klärt nicht zuletzt die Bezugspersonen der Betroffenen über das richtige Verhalten während eines Anfalls auf. Denen gibt Dr. Marcel Dihné eine wichtige Grundregel mit auf den Weg: "Ruhe bewahren und nicht überaktiv sein."

Quelle: RP
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