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Solingen
Seit vier Jahrzehnten in der Stadtplanung

Solingen. Verkehrsplaner Bruno Jagusch betreut beim Stadtdienst Planung, Mobilität und Denkmalpflege diverse Bauvorhaben vom Kreisverkehr bis zur Erschließung neuer Wohngebiete. Von Alexander Riedel

Auf dem Tisch liegt - wie könnte es anders sein? - ein riesiger Stadtplan. Auch Bebauungspläne hat Bruno Jagusch schnell zur Hand. Das ist auch notwendig: Denn der städtische Verkehrsplaner kümmert sich gleichzeitig um eine Vielzahl von Projekten. "Es vergeht eigentlich keine Viertelstunde, ohne dass jemand an die Tür meines Büros klopft oder anruft", berichtet der studierte Bauingenieur, der vor einigen Tagen ein besonderes Jubiläum feierte: Seit 40 Jahren ist Jagusch für die öffentliche Hand tätig, 38 davon im Dienst der Solinger Stadtverwaltung.

Die hatte ihn einst von einem privaten Ingenieurbüro abgeworben. "Zuvor hatte ich bereits Aufträge der Stadt bearbeitet", erinnert sich der heute 65-Jährige. Bereut habe er den Entschluss zum Wechsel des Arbeitsplatzes nie. "Mein Beruf ist einfach unheimlich vielseitig und ich bin auch nicht nur an den Schreibtisch gebunden", betont er. Etwa ein Drittel der Tätigkeit verbringt Jagusch außerhalb seines Büros im Rathaus.

Nahezu jedes Großprojekt, das in den Straßenverkehr eingreift, landet auf seinem Schreibtisch. Plant zum Beispiel ein Discounter eine neue Filiale zu eröffnen, muss Jagusch sich mit den Auswirkungen beschäftigen und etwa neue Abbiegespuren oder Querungshilfen an der betroffenen Straße entwerfen. Auch die weitere Umsetzung der Projekte begleitet er. Um die Verkehrserschließung von Neubaugebieten kümmert sich Jagusch ebenfalls. Überall in der Stadt ist seine Arbeit erkennbar. Aus seiner Feder stammen unter anderem die Pläne für die Walder Südumgehung sowie für die Straßenbaumaßnahmen an Aufderhöher und Weyerstraße. Auch mit der Planung der vieldiskutierten und letztlich nie realisierten City-Westtangente war er betraut. "Ich hätte sie gern gehabt, weil sie viel Verkehr aus der Innenstadt abgeleitet hätte", gibt Jagusch zu.

Dass sich Verkehrsziele und Standards im Laufe der Jahre ändern, zeigt sich auch für den städtischen Mitarbeiter beim Weg durch Solingen: "Vieles entspricht schon jetzt nicht mehr den Richtlinien", betont Jagusch und nennt dabei die Radwege, die baulich in der Vergangenheit von der Straße abgesetzt waren, inzwischen aber als riskant eingeschätzt werden.

"Auch der stärker barrierefreie Ausbau des Straßenraums beschäftigt uns heute", erklärt Jagusch. Sowohl ein möglicherweise weiter wachsendes Verkehrsaufkommen als auch Themen wie Fußgängerüberwege und die stärkere Ausstattung der Stadt mit Kreisverkehren zählt er zu den Herausforderungen der Zukunft.

Die will der 65-Jährige, der sein Wissen auch als Ausbilder an junge Bauzeichner weitergab, noch zwei Jahre lang mitgestalten. "Man hat mich gefragt, ob ich weitermache", erzählt er. Ausfüllen wird er seine Stelle dann noch zu 80 Prozent. Die übrige Arbeit wird innerhalb des Stadtdienstes umverteilt. Angst vor dem Ruhestand habe er keinesfalls, betont Jagusch: "Schließlich habe ich genug Hobbys. Derzeit aber macht mit die Arbeit einfach noch sehr viel Spaß."

Quelle: RP
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