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Solingen
Senioren sollen Höhscheid entwickeln

Solingen. Der Anfang war hart. Und manchem der gut 80 Teilnehmer ist bei der zweistündigen Auftaktveranstaltung auf unbequemem Gestühl in der Lutherkirche auch das Hören vergangen: Wer Senioren ansprechen will, muss mit Stimme und Mikrofon umgehen können. Die schriftliche Ansprache kam ebenfalls nicht bei allen gut an: Bei "altengerechten Quartieren" denkt nicht jeder ans lebensfrohe Quartier Latin. Von Fred Lothar Melchior

Die unglückliche Formulierung ist aber vorgegeben. "Sie müssen das Rad nicht neu erfinden", stellte Anna Schewerda vom Landesbüro altengerechte Quartiere (Bochum) das Portal "www.aq-nrw.de" vor. Auf den Internetseiten finden sich mehr als 150 bereits verwirklichte Projekte und 80 Module, mit deren Hilfe gearbeitet werden kann. "Den einen Weg gibt es nicht", warnte Anna Schewerda. "Jedes Quartier braucht eine andere Lösung. Und es kann nur funktionieren, wenn die ganzen Akteure an einen Tisch kommen."

In Höhscheid sind das zunächst die Stadt, der Spar- und Bauverein Solingen, der Hauspflegeverein und der federführende Kreisverband der Arbeiterwohlfahrt. "Dazu kann aber jeder etwas beitragen", warb Oberbürgermeister Tim Kurzbach um "Experten vor Ort" aus dem Kreis der Teilnehmer und Anwohner. Höhscheid könne zum Beispiel für die ganze Stadt werden.

Zum Beispiel ja, zur Blaupause wohl nicht. Das zeigt die Auswertung von 722 Fragebögen, die Andrea Knoll vom Quartiersbüro vorstellte. 2535 Höhscheider ab 55 hatten im Frühjahr Post erhalten; mehr als jeder Vierte (28,5 Prozent) antwortete, was ihm an seinem Wohnort gefällt oder was ihn stört und wie es sich verbessern ließe. Das meiste Interesse hatten die 75- bis 84-Jährigen: 38 Prozent ihrer Gruppe füllten die Bögen aus.

Die Anmerkungen fielen je nach Siedlung stark unterschiedlich aus. "Es ist ein sehr, sehr vielfältiges Quartier", erklärte Knoll. Zwischen Neuenhofer Straße/Grünewalder Straße, Erfer Straße/Platzhofstraße, Unnersberger Allee und Bismarckstraße leben etwa 1600 Menschen über 65 Jahre. Am Unnersberg und am Böckerhof ärgern sie sich beispielsweise über ungepflegte Grünanlagen, am Weegerhof über Hundekot. Mehr Beschwerden als übers Wohnumfeld kamen aber beim Punkt Mobilität: Da geht es unter anderem um Autoverkehr, Parkplatznot, Bürgersteige und Beleuchtung. Knoll: "Für viele ist auch fehlende Nahversorgung ein großes Thema."

Wie geht es weiter? Zum einen mit sogenannten Quartiertreffs: am 22. August im Nachbarschaftstreff Böckerhof, einen Tag später in der "Arche" am Unnersberg und am 1. September im Nachbarschaftstreff Weegerhof (jeweils von 18 bis 19.30 Uhr). Zum anderen mit Festen: am 7. September bei den Altenwohnungen am Weegerhof, am 17. September am Unnersberg. Dort gibt es auch an jedem zweiten Freitag im Monat Siedlungsspaziergänge. Nächster Termin ist der 12. August (Treffpunkt Goudastraße, 10 bis 11 Uhr).

Außerdem heißt es am Samstag, 3. September: "Aktives Quartier - Gesund und fit im Alter". An verschiedenen Stellen soll es Sport- und Bewegungsangebote sowie Vorträge geben.

Ansprechpartnerin ist immer Andrea Knoll, die unter Telefon 22 38 28 64 erreichbar ist.

Quelle: RP
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