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Solingen
Sie fürchtet weder Tod noch Teufel

Solingen. Die kommende Konzert-Saison der Werner-Trenkner-Gesellschaft im Solinger Kunstmuseum bringt Spannendes und Hochkarätiges. Von Jan Crummenerl

Auf dem braunen Flügel im Wohnzimmer liegt ein dicker Band mit Klaviernoten. Aufgeschlagen ist ein Stück aus der Oper "Der Evangelimann" von Wilhelm Kienzl. "Ja, ja", schmunzelt Harald Rummler. "Aus dieser Oper kennt man nur noch das ,Selig sind, die Verfolgung leiden'." So ganz kann der 80-Jährige seine Herkunft als Kirchenmusiker doch nicht verleugnen. Bis zu seinem Ruhestand hat er als Kantor der Stadtkirche das Kulturleben wesentlich mitbestimmt - und das macht er bis heute weiter, wenn auch ein wenig auf anderem Gebiet. Rummler ist Mitbegründer und Vorsitzender der Werner-Trenkner-Gesellschaft. "Um die Musik Werner Trenkners nicht in Vergessenheit geraten zu lassen, führe ich seit 1973 bei allen sich bietenden Gelegenheiten die Werke Trenkners auf", berichtet er über seinen 1981 gestorbenen Freund. "Seine Werke werden vom Publikum mit viel Beifall bedacht, und die Presse äußert sich mehr als lobend über seine Kompositionen." Das war Rummler allerdings zu wenig. "Aus diesem Grund habe ich mit einigen Musikfreunden 1989 die Werner-Trenkner-Gesellschaft gegründet." Aus den Wenigen sind mittlerweile rund 160 Mitglieder geworden.

Herzstück der Arbeit sind die im Kunstmuseum stattfindenden Konzerte. Hier ist Harald Rummler nicht nur Künstlerischer Leiter, sondern auch als Dirigent und Komponist aktiv. "Mit meinen eigenen Werken möchte ich die Zuhörer an die neue Musik heranführen und sie dafür interessieren." So gibt es in der kommenden Saison etwa auch das Konzert für Kontrabass und Orchester von Rummler zu hören. Das Programm für 2016/2017 steht lange fest. "Wir besuchen viele Konzerte und lernen dort Musiker auf höchstem Niveau kennen." Oft geht es auch über Mundpropaganda: "Da werde ich angerufen und soll mir mal den oder diese unbedingt anhören." So macht am 9. Oktober die Violinsolistin und mehrfache Preisträgerin Rebekka Hartmann Station in Solingen. "Hartmann gehört zu den ganz großen Geigerinnen der jüngeren Elite." Sie lässt selbst den alten Musikfuchs Rummler staunen, denn sie hat das höllisch schwere 2. Violinkonzert von Allan Petterson im Repertoire. Über diesen "Mount Everest der Violinkonzerte" schrieb einmal ein Kritiker: "Wer dieses Stück spielt, fürchtet weder Tod noch Teufel."

Am 6. November steht dann ein Konzert mit Mitgliedern der Dortmunder Philharmoniker an. Harald Rummler dirigiert Werke von Wagner, Clara Schumann und Mendelssohn sowie sein Kontrabass-Konzert. Solisten sind der Solinger Frank Kistner (Kontrabass) sowie die Pianistin Jee Eum Franziska Lee mit dem a-moll-Konzert von Robert Schumanns Gattin Clara.

"Feinste Kammermusik" erwartet Rummler mit dem Meisterkonzert am 15. Januar vom Wupper-Trio - nicht umsonst ist dessen Pianist Benyamin Nuss exklusiv bei der Deutschen Grammophon unter Vertrag. Am 19. März wird die Bonner Pianistin Jamina Gerl im Meistermann-Saal aufspielen. Am 30. April gibt es ein Orchesterkonzert nur mit Mozart-Werken. Rummler leitet die Dortmunder Philharmoniker, Solist am Klavier ist der aus Litauen stammende Vadim Chaimovich.

Quelle: RP
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