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Solingen
Skepsis bei populären Gottesdienstformaten

Solingen: Skepsis bei populären Gottesdienstformaten
Bei einer Mahnwache vor der Stadtkirche am Fronhof wurde der zahlreichen Menschen gedacht, die auf ihrer Flucht im Mittelmeer ertrunken oder anderswo ums Leben gekommen sind. FOTO: Privat
Solingen. Mit immer neuen Predigt-Formaten Menschen in die Kirchen zu locken, ist nicht der Zukunftsweg. Dies war jetzt beim Evangelischen Kirchenkreis Thema. Die Synode verabschiedete eine Erklärung zur Flüchtlingssituation. Von Günter Tewes

In den zehn Gemeinden des Evangelischen Kirchenkreises sind die Gottesdienste auf dem Prüfstand. Pfarrer sollen hier mehr Selbstbewusstsein entwickeln. Dazu hat Gudrun Mawick vom Gottesdienst-Institut der Evangelischen Kirche von Westfalen jetzt vor der Synode des Kirchenkreises aufgerufen. "An jedem Sonntag besuchen in ganz Deutschland im Schnitt 900 000 Menschen einen Gottesdienst in einer Kirche und noch mal so viele verfolgen den Gottesdienst im Fernsehen", berichtete die Pfarrerin, die bei der Tagung in der Stadtkirche am Fronhof das Hauptreferat hielt. Am Heiligen Abend beispielsweise besuchen in Solingen rund 14 000 Solinger die evangelischen Gottesdienste.

Die Strategie, mit immer neuen Gottesdienstformaten auch neue Menschen in die Kirchen zu locken, beurteilte Mawick allerdings skeptisch. Es müsse stattdessen darum gehen, sich nicht zu verzetteln und die Gottesdienstlandschaft behutsam weiterzuentwickeln: "Es gibt für gute und attraktive Gottesdienste kein Patentrezept."

Die westfälische Gottesdienstexpertin lobte indes das Projekt, in dem ein halbes Jahr lang Teams die Gottesdienste in den zehn evangelischen Kirchenkreis-Gemeinden besucht haben: Dieses Projekt sei beispielhaft auch für andere Städte.

Superintendentin Dr. Ilka Werner verwies auf die "großartige Vielfalt der Formen", die es in den Gemeinden gebe - wie besondere Familiengottesdienste, Gottesdienste mit Talk oder Theater, Gospelgottesdienste und andere Gottesdienste mit besonderer musikalischer Gestaltung oder auch klassische Predigtgottesdienste. Dies ermöglicht Menschen, so Werner, heute viel differenzierter als früher eine Auswahl, welche Gottesdienstform am besten zu ihren Bedürfnissen und ihrer Lebensart passt.

Aus Sicht der Superintendentin müssen Gemeinden aber weiter darüber nachdenken, wie sie die "Schwelle" zum Gottesdienst für die Menschen senken können, die nicht schon lange zur aktiven Gottesdienstgemeinde gehören. Gute Predigten binden Personal. Diesen Zusammenhang hob Ilka Werner ebenso hervor: Wichtig sei, dass Pfarrern trotz immer zahlreicher werdender Aufgaben genügend Zeit bleibe, um einen Gottesdienst anspruchsvoll vorbereiten zu können.

Die Synode des Evangelischen Kirchenkreises ist am Samstag in der Stadtkirche am Fronhof mit einer Erklärung zur aktuellen Situation der Flüchtlinge zu Ende gegangen. Darin fordern die 68 stimmberechtigten Synodalen unter anderem sichere Fluchtmöglichkeiten für Menschen, die aus Afrika nach Europa wollen, um das "Massensterben" im Mittelmeer zukünftig zu verhindern. Selber wolle man sich für eine gute "Willkommenskultur" in der Stadt einsetzen. Die Kirchenvertreter hatten zuvor mit zahlreichen weiteren Solingern bei einer Mahnwache vor der Stadtkirche und einer Klageandacht zum Weltflüchtlingstag all der Menschen gedacht, die auf ihrer Flucht im Mittelmeer ertrunken oder anderswo ums Leben gekommen sind.

Auch die eigene Verantwortung für die Ursachen der Flucht bringt die Kirchenkreis-Erklärung zur Sprache: "Wir stellen unseren eigenen Lebenswandel in Frage, der dazu beiträgt, dass in den Herkunftsländern der Flüchtlinge menschenunwürdige Lebens- und Arbeitsbedingungen herrschen."

Quelle: RP
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