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Analyse
Solingen braucht den Spitzensport

Analyse: Solingen braucht den Spitzensport
Zurück in die Zukunft: 2012/13 spielte der BHC zuletzt in der Zweiten Liga. Die Klingenhalle (hier bei einem Duell gegen Ferndorf) ist noch immer der Spielort des Vereins in Solingen. FOTO: mak (Archiv)
Meinung | Solingen. Ansichtssache Sportliche Topleistungen und eine neue Arena sind zwar "nur" weiche Standortfaktoren - aber trotzdem wichtig für die Stadt. Von Martin Oberpriller

Rein nachrichtentechnisch kam die vergangene Woche für den Bergischen HC einem sprichwörtlichen Wechselbad der Gefühle gleich. Zunächst einmal überwog natürlich die Enttäuschung angesichts der Tatsache, dass der BHC nach vier Spielzeiten in der Ersten Liga mit Beginn der im August neu startenden Saison 2017/18 wieder im Handball-Unterhaus um Punkte kämpfen muss. Doch der Abstieg, das machte BHC-Beirat Jörg Föste nur wenige Tage nach dem sportlichen Ende ohne Happy End klar, soll nicht gleichbedeutend sein mit dem Aus für Neubaupläne einer Arena Bergisch Land am Piepersberg.

Der Verein will das Millionen-Projekt weiter vorantreiben - und kann sich dabei auf die Unterstützung der Stadtverwaltung sowie maßgeblicher Teile der Politik verlassen. Was gut ist, denn tatsächlich benötigt nicht allein der Bergische HC eine moderne Halle, um sich dauerhaft im Oberhaus des deutschen Handballs etablieren zu können. Sondern die Großstadt Solingen selbst ist ebenfalls darauf angewiesen, dass innerhalb ihrer Grenzen auch zukünftig Spitzensport angeboten wird.

Es führt nämlich kein Weg daran vorbei, dass ein Bundesligist in einer publikumswirksamen Sportart, wie es der Handball nun einmal ist, für eine Stadt von der Größe Solingens durchaus einen Imagegewinn mit sich bringt. Dieser lässt sich zwar nicht auf Euro beziehungsweise Cent genau ausrechnen. Doch es wird wohl kaum jemand in Abrede stellen wollen, dass Kommunen wie Flensburg oder Kiel, aber auch kleinere Städte - etwa Lemgo und Gummersbach - von ihren Erstliga-Teams profitieren.

Dabei ist es mitnichten die Existenz einer größeren Halle allein, die für positive Effekte sorgen würde. Gewiss, auch mit dem Arenabau ginge in Solingen schon ein Zuwachs an Möglichkeiten einher. Man denke nur an Konzerte oder andere Großveranstaltungen, die später am Piepersberg über die Bühne gehen könnten. Aber was viel wichtiger erscheint als all das, wäre das Signal, das nach außen gesendet würde.

Denn Spitzensport hat zum einen eine identitätsstiftende Funktion. Er macht es Einheimischen wie Zugezogenen, etwa jungen Familien, leichter, sich zu der Stadt zu bekennen. Und zum zweiten würde - durch eine in der Ersten Liga etablierte Handballmannschaft samt entsprechender Spielstätte - der Anspruch unterstrichen, nicht nur eine Schlafvorstadt für die Metropolen Düsseldorf und Köln sein zu wollen.

Zugegeben: Das sind vor allem sogenannte weiche, nichtsdestoweniger wichtige Standortfaktoren, die jedoch - und das gehört zur Wahrheit auch dazu - in Sachen Mehrzweckarena nur dann zum Tragen kommen, wenn es dem BHC gelingt, ein schlüssiges Finanzierungskonzept zu präsentieren. Öffentliche Mittel sind allein vonseiten des Landes zu erwarten - was bedeutet, dass die zukünftigen Koalitionspartner in Düsseldorf und damit der Solinger Arne Moritz (CDU) sowie der Bergische Bodo Middeldorf (FDP) in der Verantwortung stehen, sich für die Region stark zu machen.

Jahrzehntelang wurde der Spitzensport in Solingen unterschätzt. Oder Vereine taten mit teils unseriösem Gebaren das ihre, um links liegengelassen zu werden. Das kann indes nicht der Anspruch der Stadt sein. Mit der Entscheidung des Rathauses bei der Planung der neuen Halle die Federführung zu übernehmen, untermauert Solingen diesen Anspruch.

Quelle: RP
 
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