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Interview mit Guy Bourgeois
Aufderhöher Kekse reisen bis nach Amerika

Solingen. Der Betriebsleiter von Continental Bakeries spricht über die Bedürfnisse der Kunden und die Verbreitung von Gebäck "made in Solingen".

Wann geht bei Ihnen im Betrieb eigentlich die Vorbereitung für das Weihnachtsgeschäft los?

Bourgeois Unser Sortiment bleibt im Jahresverlauf zu 80 bis 90 Prozent gleich. Weihnachtsgebäck produzieren wir in Solingen so gut wie überhaupt nicht mehr. Zusätzlich zu unserem ganzjährigen Angebot an Spritzgebäck stellen wir zwischen September und Dezember lediglich eine Charge von einigen 100.000 Kokos-Makronen-Packungen her, die im Geschäft unter dem früheren Betriebsnamen Krombach laufen. Mehr würde sich nicht rechnen, weil der Absatz dieses speziellen Produkts zu gering war.

Woran liegt das?

Bourgeois Wir legen Wert darauf, frische Makronen ohne Zusätze zu backen. Das bedeutet allerdings, dass sich das Produkt nicht sehr lange hält - das Mindesthaltbarkeitsdatum liegt bei etwa drei Monaten. So etwas ist schwierig zu verkaufen, wenn man bedenkt, dass allein durch den Transport schon Zeit verloren geht.

Welche Waren umfasst Ihre Produktionspalette in der Klingenstadt?

Bourgeois Wir stellen auf drei Backstraßen rund 55 bis 60 Tonnen Kekse am Tag her. Das ist zu 80 Prozent Spritzgebäck. Hinzu kommen noch Mürbe- und Sandgebäck. Unsere Waren sind unter anderem in den Regalen von Netto, Edeka, Aldi oder Kaufland zu finden - teilweise unter dem Namen CB (Continental Bakeries, die Red.), aber auch unter diversen Privatlabeln. An anderen Standorten von Continental Bakeries in Deutschland entstehen zum Beispiel Lebkuchen, Schaumküsse oder Knäckebrot.

Wie viele Mitarbeiter sind an der Landwehrstraße tätig?

Bourgeois In Solingen sind insgesamt 68 Personen beschäftigt plus Zusatzmitarbeiter je nach Bedarf.

In welche Länder werden die in Solingen hergestellten Kekse geliefert?

Bourgeois Sie gehen zunächst in zwei Zentrallager im westfälischen Gronau und in Dordrecht in den Niederlanden. Der deutsche Standort ist innerhalb der Continental Bakeries-Gruppe hauptsächlich verantwortlich für Deutschland selbst sowie Süd- und Osteuropa. Grundsätzlich vertreiben wir die Solinger Kekse aber in der ganzen Welt. Pro Jahr werden zum Beispiel rund 180 bis 200 Containerladungen nach Amerika verschifft.

Die Keksherstellung hat ja in Aufderhöhe unter verschiedenen Firmen-Namen eine gewisse Tradition. Werden denn hier auch weiterhin neue Produkte kreiert?

Bourgeois In früheren Jahren auf jeden Fall. Unser Mandel-, Kokos- und Vanille-Spritzgebäck ist in Solingen von unserem früheren Bäckermeister Udo Kraatz und von Produktionsleiter Jörg Schöneck-Boos entwickelt worden. Inzwischen ist die Entwicklung allerdings zentralisiert. Bei Kundenanfragen prüfen wir aber stets, was sich realisieren lässt.

Gibt es bei Ihnen noch "Bruchware" zu kaufen?

Bourgeois Leider nicht mehr. Das war zu Krombachs Zeiten noch möglich, geht aber heute nicht mehr. Ich selbst kenne das von früher noch, weil ich 1993 bei Krombach angefangen habe. Bis heute klingeln manchmal noch Leute bei uns und fragen nach, ob man die Bruchware kaufen kann. Es gibt allerdings im Unternehmen nur noch zwei Standorte, die einen Werksverkauf anbieten.

Inwiefern haben sich die Vorlieben der Kunden in den vergangenen Jahrzehnten verändert?

Bourgeois Direkt verändert haben sie sich eigentlich nicht - das Bewusstsein für die Herstellung von Lebensmitteln hat sich aber verstärkt. Die Menschen legen großen Wert auf natürliche Zutaten, achten zum Beispiel auch mehr auf den Gehalt von Fett oder Salz. Somit sind die Anforderungen für die Hersteller generell größer geworden.

Haben Sie eigentlich ein Lieblingsgebäck?

Bourgeois Ganz klar Mandelspritz mit Schokolade. (Lacht) Da ist für mich alles drin.

Alexander Riedel führte das Gespräch.

Quelle: RP
 
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