| 00.00 Uhr

Solingen
Solingen ist Baby-Hauptstadt in NRW

Solingen: Solingen ist Baby-Hauptstadt in NRW
Hebammen wie Bozica Luketic, die auf der Baby-Station im Klinikum arbeitet, können sich über einen Mangel an Arbeit nicht beklagen. FOTO: Martin Kempner
Solingen. In der Klingenstadt kommen immer mehr Kinder zur Welt. 2015 gab es genau 1473 Geburten. Damit verzeichnet Solingen den landesweit höchsten Zuwachs. Gleichzeitig gehen mit diesem Trend zusätzliche finanzielle Belastungen einher. Von Martin Oberpriller

Köln mag die meisten Einwohner haben, Düsseldorf den höchsten Fernsehturm und Dortmund das Fußballstadion mit der größten Anzahl an Zuschauersitzen - doch in einem Punkt sehen die drei bevölkerungsstärksten Städte des Landes im Vergleich zu Solingen sprichwörtlich alt aus. Denn während die Geburtenzahlen in den NRW-Metropolen im zurückliegenden Jahr nur relativ bescheiden nach oben gegangen sind, erlebt die Klingenstadt zurzeit einen wahren Babyboom.

Insgesamt haben 2015 in Solingen genau 1473 Mädchen und Jungen das sprichwörtliche Licht der Welt erblickt. Das geht aus einer Berechnung des Landesamtes für Statistik hervor, die gestern veröffentlicht wurde. Und bedeutet mit einem Zuwachs von zehn Prozent im Vergleich zum Vorjahr den absoluten Spitzenwert unter allen kreisfreien Städten sowie Kreisen in Nordrhein-Westfalen.

Solingen ist also die "Baby-Hauptstadt" des Landes, wobei sich das dahinter stehende Phänomen schon seit geraumer Zeit angekündigt hat. Denn nachdem die Entwicklung der Geburten in der Klingenstadt über viele Jahre nur eine Richtung kannte - nämlich nach unten -, werden seit dem absoluten Tiefpunkt 2011 mit gerade noch 1190 Entbindungen von Jahr zu Jahr wieder mehr Kinder in Solingen geboren.

Ein Trend, den die Verantwortlichen im Rathaus mit Freude beobachten. Gleichzeitig stellt der Babyboom die zuständigen Beamten aber vor Aufgaben, an die vor wenigen Jahren niemand dachte. So verwies ein Sprecher der Stadt am Mittwoch zum Beispiel einmal mehr auf das Kita-Ausbauprogramm.

In der langfristigen Planung  geht die Stadt von insgesamt elf  Kitas mit 53 Gruppen aus, die bis 2025 neu gebaut werden müssen. Drei davon hatte der Rat bereits im Frühjahr 2015 schon beschlossen, wobei inzwischen auch  Finanzierung der drei übrigen Einrichtungen mit 41 Gruppen geklärt ist.

Tatsächlich rechnet die Stadt bis zum Jahr 2025 mit einer jährlichen "Gesamtnettomehrbelastung" von rund 4,2 Millionen Euro, die sich zusammen mit Investitionen in Höhe von 10,8 Millionen Euro auf einen zusätzlichen Bedarf von ungefähr 15 Millionen Euro allein im Kita-Bereich summieren dürfte.

Alternativen zu diesen Ausgaben hat die Stadt indes nicht. Denn zum einen ist die Verwaltung gesetzlich verpflichtet, genügend Kita-Plätze sowohl im U 3-Bereich als auch für die drei- bis sechsjährigen Kinder vorzuhalten. Und zum anderen lässt die Entwicklung der Geburten in den ersten Monaten des laufenden Jahres erwarten, dass sich der Babyboom in Solingen auch in Zukunft fortsetzen wird.

So wurden allein bis Mitte Juni bereits 670 Kinder geboren. Und das bedeutet wiederum, dass die Gesamtzahl der Geburten 2016 - angesichts erfahrungsgemäß höherer Werte in der zweiten Jahreshälfte - weiter steigen wird. Gleichwohl reicht selbst diese positive Entwicklung nicht aus, um zu einer ausgeglichenen Bevölkerungsbilanz zu kommen. Denn noch immer übersteigt die Zahl der Todesfälle (2015: 2088) die der Geburten.

Quelle: RP
Diskussion
Ihre Meinung zum Thema ist gefragt

Schreiben Sie jetzt Ihre Meinung zu:

Solingen: Solingen ist Baby-Hauptstadt in NRW


Beachten Sie dabei bitte unsere Regeln für Leserkommentare.