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Islamistischer Staat
Solinger als "Bürge" für Terroristen

Islamistischer Staat: Solinger als "Bürge" für Terroristen
2014 präsentierte sich Emde in einem Film im irakischen Mossul mit vermummten und schwer bewaffneten IS-Terroristen. FOTO: RTL
Solingen. Christian Emde soll als Rekrutierer eine hohe Stellung beim Terrornetzwerk IS haben. Das legen IS-Papiere nahe. Auch die Solinger Salafisten-Szene ist weiter aktiv und wird beobachtet. Von Martin Oberpriller

Es sind einmal mehr bestürzende Nachrichten von Christian Emde. Der Solinger Salafist, der sich vor einigen Jahren zum sogenannten Islamischen Staat (IS) in den Irak absetzte, könnte in der Hierarchie der Terrormiliz noch weiter oben stehen als bislang vermutet. Medienberichten zufolge fungiert Emde als ein "Bürge" für den IS. Das geht nach Recherchen von "Süddeutscher Zeitung", WDR und NDR aus internen Papieren des "Islamischen Staates" hervor, die von deutschen Sicherheitsbehörden als echt eingestuft werden.

Demnach ist der in der Klingenstadt geborene und als junger Mann zum Islam übergetretene Emde eine Art Rekrutierer der Terrororganisation. Laut "Süddeutscher Zeitung" dürfen "Rekruten", die als Kämpfer und Selbstmordattentäter nach Syrien oder in den Irak wollen, erst dann in das vom IS kontrollierte Gebiet einreisen, wenn Emde oder andere "Bürgen" ihr Okay gegeben haben.

1. Mai 2012 in Solingen: Salafisten attackieren Polizei FOTO: Kempner, Martin

Der heute 31-Jährige war im Jahr 2011 zusammen mit dem späteren, ebenfalls aus Solingen stammenden mutmaßlichen Selbstmordattentäter Robert Baum in England festgenommen und zu einer Haftstrafe verurteilt worden. Beide hatten Bombenbaupläne bei sich getragen. Zuletzt sorgte Emde, der sich in der irakischen Stadt Mossul aufhalten soll, im Dezember 2014 für Schlagzeilen, als er in einem Film des Publizisten Jürgen Todenhöfer über den IS auftrat und darin unter anderem mit Terror in Deutschland drohte.

Tatsächlich gehört der Konvertit zu einer ganzen Gruppe von radikalen Islamisten, die sich nach dem Verbot des Salafisten-Vereins "Millatu Ibrahim" und der dazugehörigen Moschee an der Konrad-Adenauer-Straße im Sommer 2012 in die Bürgerkriegsgebiete des Nahen Ostens absetzten. Beim nordrhein-westfälischen Verfassungsschutz gehen die zuständigen Mitarbeiter von einer Zahl im unteren zweistelligen Bereich aus. "Es sind unter 20 Personen", sagte gestern eine Sprecherin des NRW-Innenministeriums auf Anfrage unserer Redaktion.

Allerdings sind viele dieser Islamisten bis zum heutigen Tag nicht mehr aufgetaucht. Weniger als fünf Salafisten seien inzwischen wieder in die Bundesrepublik Deutschland zurückgekehrt, hieß es aus dem Innenministerium, wo man die Bedrohung durch die radikalen Muslime, die einer eigenen, besonders strengen Auslegung des Koran anhängen, unverändert hoch einschätzt.

Zwar ist Solingen nach dem Dafürhalten der Behörden - seit der Schließung der Hinterhofmoschee in der Nordstadt - für auswärtige Salafisten nicht länger jener Anlaufpunkt wie noch vor Jahren, als Radikale aus ganz Deutschland in die Klingenstadt "pilgerten". Dennoch kann von Entwarnung keine Rede sein. Beispielsweise umfasse die Szene "extremistischer Salafisten" im Bergischen Land nach wie vor zwischen 200 und 250 Personen, teilte das NRW-Innenministerium mit. Und ein Bedeutungsrückgang der hiesigen Gruppe sei nicht zu erkennen. "Die Salafisten stehen nur nicht mehr so in der Öffentlichkeit. Die Ideologie ist weiterhin vorhanden", sagte die Ministeriumssprecherin.

Die Anziehungskraft des extremistischen Salafismus - vor allem auf junge Leute - erscheint also ungebrochen. Aus diesem Grund halten die Sicherheitsbehörden in Nordrhein-Westfalen die Szene wie schon seit mehreren Jahren fest im Blick. So werden die radikalen Muslime intensiv vom Verfassungsschutz beobachtet - zumal die Islamisten immer wieder Versuche unternehmen, etwa unter Schülern neue Anhänger für ihre Ideologie zu gewinnen.

Quelle: RP
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