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Solingen
Solinger im Einsatz für sauberes Wasser

Solingen. Guido Kierdorf von der gleichnamigen Firma für Haustechnik nahm an einem Projekt in Kambodscha teil. Von Alexander Riedel

Wer von der Toilette kommt, wäscht sich die Hände: Das klingt eigentlich wie eine Selbstverständlichkeit, ist jedoch in vielen Regionen der Erde im Bewusstsein der Menschen kaum verankert. Und warum auch, könnte man fragen, wenn doch das einzige Wasser, das zur Verfügung steht, ohnehin eine schmutzige Brühe voller Fäkalien ist? Laut dem Kinderhilfswerk Unicef sterben jeden Tag mehr als 4000 Kinder an Durchfallerkrankungen, die größtenteils durch verunreinigtes Wasser und fehlende hygienische Standards verursacht wurden. Zu den am meisten betroffenen Regionen gehören die ländlichen Räume Südostasiens. Dorthin, genauer gesagt, nach Siem Reap in Kambodscha, brach Anfang des Monats Guido Kierdorf auf. "Je weiter man sich von der Stadt, in der wir im Hotel übernachtet haben, entfernt, desto schlechter ist die Wasserversorgung", erklärt der Ohligser Inhaber eines Ingenieurbüros für Sanitär- und Heizungstechnik.

Gemeinsam mit drei Landsleuten sowie jeweils vier Briten und Franzosen baute er an Grundschulen in der ländlichen Gegend mit ihren Reisfeldern insgesamt drei freistehende Türme mit großen Wasserbehältern und Filteranlagen. Sie sollen nicht nur den Schülern und Lehrern, sondern auch jeweils rund 1500 Menschen im Umland den Zugang zu sauberem Wasser ermöglichen - dort, wo bislang das Plumpsklo unweit der Handpumpe für Trinkwasser lag. Initiator der Aktion war die gemeinnützige Organisation Planet Water. Einer ihrer Sponsoren, der Heizungspumpenhersteller Xylem wiederum, stellte die neuen Anlagen zur Verfügung und suchte nach interessierten Installateuren. "Mich sprach das sehr an", sagt Kierdorf, der sich auch als Baukirchmeister in der evangelischen Gemeinde in Ohligs engagiert. Aus einer Vielzahl an Bewerbern erhielten er und seine elf internationalen Mitstreiter schließlich den Zuschlag für die Teilnahme am einwöchigen Trip in die tropische Region.

Die Fundamentarbeiten für die Türme hatten die Schulen zuvor in Eigenregie organisiert. "Um die Anlagen zu bauen, muss man eigentlich kein Ingenieur sein", sagt Kierdorf. Aber seine Arbeit umfasste noch mehr als nur die handwerkliche Tätigkeit: Denn die europäischen Gäste unterstützten auch ihre einheimischen Ansprechpartner bei der Hygieneschulung von Lehrern und Schülern.

Auf spielerische Art lernten die Kinder zum Beispiel, welche Gefahren von bestimmten Bakterien ausgehen - und wie man sich vor ihnen schützen kann. "Diese Schulung hat mir am besten gefallen, weil man so am besten in Kontakt mit den Einheimischen kam", resümiert Kierdorf, der noch weitere faszinierende Erinnerungen mit nach Hause brachte: Mit seinen Kollegen war er im Zuge der Reise auf dem Mekong unterwegs und bestaunte die berühmte Tempelanlage Angkor Wat. Das Trinkwasserprojekt ist nach seiner Heimkehr keineswegs abgeschlossen. Einmal am Tag muss der Trinkwasserfilter zurückgespült werden.

In den nächsten fünf Jahren werden alle drei Monate Mitarbeiter von Planet Water nach Siem Reap reisen, um die Anlagen der Gegend zu kontrollieren. Danach sollen die Einheimischen die Wartung selbst in die Hand nehmen. Ob Kierdorf an den Ort seiner Arbeit noch einmal zurückkehren wird, steht in den Sternen. Klar ist für ihn aber: "Bei so einem Projekt würde ich auf jeden Fall wieder mitmachen."

Quelle: RP
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