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Solingen
Solinger wehrt sich gegen Missbrauchs-Urteil

Solingen. Ein 47-jähriger Mann wehrt sich seit gestern am Wuppertaler Landgericht gegen ein erstinstanzliches Urteil des Solinger Amtsgerichts. Das hatte ihn wegen sexuellen Missbrauchs an Kindern zu einer Strafe von neun Monaten auf Bewährung verurteilt. In drei Fällen hatte der Mann Freundinnen seiner Tochter im Alter zwischen sechs und acht Jahren unter dem Vorwand eines Spiels animiert, anzügliche Sätze nachzusprechen.

Diese Sätze standen offenbar im Mittelpunkt eines zwanghaften Verhaltens. So rief der Mann über Jahre, manchmal stundenlang, bei Apotheken, Arztpraxen und Drogerien an, um deren Mitarbeiterinnen zum Aussprechen bestimmter Worte zu bewegen. Außerdem suchte er Telefonbücher nach anzüglich klingenden Namen ab. Zu Beginn hätten ihn diese Aktivitäten erregt, später aber belastet und in seinem Alltag eingeschränkt, erklärte der Angeklagte. Seine laufende Psychotherapie habe ihm diese zwanghaften Gedanken und Handlungen jedoch inzwischen abtrainiert.

Jetzt strebt der Mann einen Freispruch an. Vor allem durch das Gutachten des psychologischen Sachverständigen fühlt er sich verkannt. Das geht im Gegensatz zur derzeitigen Psychotherapeutin des Angeklagten von einer multiplen Störung der Sexualpräferenz aus. Im Hinblick auf die ihm zur Last gelegten Taten ist im Gutachten zudem von einer "Präferenz prä-pubertierender Mädchen" die Rede. Der Angeklagte, der sich als Beamter auch vor einem Disziplinargericht verantworten muss und um seinen Job fürchtet, wies gestern pädophile Neigungen von sich. Der Sachverständige stellte daraufhin allerdings klar, er habe dem Angeklagten nicht Pädophilie unterstellt, sondern nur dessen Handlungsmuster beschrieben. Zur Klärung des Sachverhalts beantragte der Verteidiger, einen weiteren Experten hinzuzuziehen.

Erschüttert über die auf Video festgehaltenen Vorfälle, die sich 2012 und 2013 ereigneten, äußerte sich vor Gericht die geschiedene Ehefrau des Angeklagten. Ihre Tochter sei in psychologischer Betreuung und durch die Vorfälle isoliert. Von den Neigungen ihres Ex-Mannes habe sie nichts mitbekommen. Donnerstag soll ein Urteil fallen.

(rdl)