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Solinger wollen im Mai wieder nach Blyth

Mein Verein: Solinger wollen im Mai wieder nach Blyth
Ein Ausflugsziel der Solinger Blyth-Reisenden vergangenes Jahr war der "Angel of the North" in Newcastle. FOTO: Melchior
Solingen. Der Förderverein der Städtepartnerschaft Solingen und Blyth stellt am Montag seine Pläne für die nächste Fahrt nach Northumberland vor. Von Fred Lothar Melchior

Die Servietten zeigen schon einmal den Union Jack, die Nationalflagge des Vereinigten Königsreichs, wenn Bernd Clemens mit seiner Frau Christa den Fünf-Uhr-Tee trinkt. Und nicht selten hat der 67-Jährige dann vorher an einem seiner MG-Oldtimer geschraubt. So stellt man sich einen Menschen vor, der einen deutsch-englischen Freundschaftsverein führen kann. Genau das macht der ehemalige Geschäftsführer der Solinger Wirtschaftsförderung seit zwei Jahren: Im Oktober 2014 wurde der "Förderverein Städtepartnerschaft Solingen, Deutschland, und Blyth, Großbritannien" gegründet.

Die Städtepartnerschaft mit der 36.000-Einwohner-Gemeinde gibt es seit mehr als 50 Jahren. Als im Jubiläumsjahr 2012 eine Delegation nach Blyth reiste, meldete die städtische Pressestelle: "Bis auf weiteres dürfte dies die letzte Gelegenheit für Solinger Bürger sein, unter städtischer Leitung die liebenswerte Kleinstadt in Northumberland an der Grenze zu Schottland kennenzulernen." Die Betonung lag auf der "städtischen Leitung": Die notorisch klamme Kommune wollte die Pflege ihrer Städtepartnerschaften lieber in private Hände geben.

Im Fall von Blyth waren die richtigen Hände schnell gefunden. Bernd Clemens kennt die kleine Hafenstadt seit 1962. In den 60er Jahren fuhren die Abschlussklassen der Albert-Schweitzer-Realschule regelmäßig nach England, wo die Schüler in Familien unterkamen. Seine Gasteltern sah Clemens 2015 wieder - bei der ersten vom Förderverein organisierten Fahrt in den englischen Norden. Sie verlief genauso abwechslungsreich wie die "städtischen" Fahrten vorher. "Die Herzlichkeit, mit der man aufgenommen wird, ist immer sehr ausgeprägt", lobt Clemens die "Blyth Citizens Exchange Group Town Twinning" - das Pendant zum Solinger Förderverein. Die Gastgeber sorgen - wie die Solinger bei den Gegenbesuchen der Engländer - auch stets für ein abwechslungsreiches Programm.

Das soll es auch im nächsten Jahr geben, wenn Bernd und Christa Clemens die zweite Fahrt in die Partnerstadt organisieren. Auch Nichtmitglieder des Fördervereins sind herzlich willkommen, wenn am kommenden Montag, 24. Oktober, Details vorgestellt werden (17 Uhr, Rathaus, alter Trakt, Zimmer 102). Vielleicht kann das Ehepaar dann schon den genauen Termin nennen; bisher steht nur fest, dass die Fahrt in der zweiten Maihälfte stattfinden wird. Abfahrt wird an einem Donnerstag, Rückkehr an einem Dienstag sein.

Was dazwischen liegt, kann Bernd Clemens noch nicht genau sagen: "Wir können noch Wünsche äußern. Hexham etwa hat eine sehr schöne Altstadt und einen lebhaften Markt. Es ist auch ewig her, dass ich am Hadrian's Wall war." Die in Teilen erhaltene römische Grenzbefestigung ist eines von vielen möglichen touristischen Zielen. 2015 sahen sich die Solinger unter anderem Alnwick Castle an, wo Teile der Harry-Potter-Filme gedreht wurden, und das Freilichtmuseum in Beamish. Auch Edinburgh ist nicht weit. Der Förderverein will wieder einen Bus chartern, der die ganze Zeit zur Verfügung steht.

Die erste und die letzte Nacht werden die Solinger wie 2015 auf der Fähre verbringen, die zwischen Amsterdam (Ijmuiden) und Newcastle verkehrt. Die restlichen Tage kann die Gruppe wahrscheinlich in Blyth unterkommen. Seit diesem Jahr hat die kleine Kommune ein Hotel am Hafen, "The Commissioners Quay Inn" mit 40 Zimmern. Die Fahrt, die von der Solinger Stadtverwaltung bezuschusst wird, und die Unterbringung kosten wahrscheinlich um die 600 Euro pro Person (plus Aufschlag für Einzelzimmer). Der Pfundkurs ist nach der Brexit-Entscheidung stark gefallen. Auch in Northumberland sprachen sich mehr Wähler für als gegen den EU-Austritt aus. Eine leichte Mehrheit für den Verbleib gab es nur in der Universitätsstadt Newcastle.

Ob innerhalb oder außerhalb der EU: "Das Land und die Menschen haben einen festen Platz im Herzen der Menschen unserer Stadt", hatte OB Tim Kurzbach nach der Brexit-Entscheidung kommentiert. "Ich werde mich immer dafür einsetzen, dass es auch so bleibt." Bernd Clemens hofft, dass Kurzbach zumindest einige Tage an der Fahrt teilnehmen kann. Und er setzt sich dafür ein, dass es wieder einen Austausch zwischen Schulen geben wird. "Ich sehe erste Anzeichen und hoffe auf eine Entscheidung in diesem Jahr." Manchen Eindruck seiner eigenen Klassenfahrt hat Clemens erst viel später verarbeitet. Dass Blyth, die Kohlenminen- und Hafenstadt, unter einer Rezession litt, dass viele keine Arbeit und keine Lehrstelle hatten, ging bei der Herzlichkeit der Gastfamilien unter. Heute kämpft sich Blyth wieder Stück für Stück nach oben - mit neuen Firmen im Hafengelände und dem ersten Offshore-Windpark Europas. Vom neuen Hotel aus wird die Solinger Gruppe einige der großen Windräder im Blick haben.

Quelle: RP
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